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50jährige italienische Anleihen oder doch lieber Gold?

Gastautor: Egmond Haidt
10.10.2016, 12:05  |  201   |   |   

Liebe Leserinnen und Leser,

haben Sie die Entwicklung beim Goldpreis am vergangenen Freitag beobachtet? Nachdem der Preis nach den schwachen US-Arbeitsmarktdaten anfangs etwas gestiegen war, hat plötzlich jemand gegen Ende des Börsenhandels in Europa innerhalb von einer Minute für 2,25 Mrd. Dollar Gold-Futures auf den Markt geworfen. Damit wurden die vorherigen Gewinne wieder ausradiert, womit der Preis wieder in der Nähe des Dreieinhalb-Monats-Tiefs stand. Damit notiert er in der Nähe des 200-Tage-Schnitts von rund 1.257 Dollar.

Horrende US-Staatsverschuldung verbietet Zinserhöhung

In den vergangenen Wochen war der Goldpreis vor allem wegen der steigenden US-Zinsen unter Druck, wodurch der Dollar etwas mit nach oben gezogen worden war. So sind die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen bis auf 1,74 Prozent gestiegen. Offensichtlich machen sich etliche Investoren Sorgen, dass die US-Notenbank noch in diesem Jahr die Zinsen anheben könnte, oder?. Das halte ich aber weiterhin für extrem unwahrscheinlich. Fed-Chefin Janet Yellen dürfte nicht im Traum daran denken, bei der nächsten Sitzung am 2. November die Zinsen zu erhöhen, ist sie doch nur wenige Tage vor der Wahl am 8. November.

Für äußerst unwahrscheinlich halte ich es auch, dass Yellen bei der letzten Sitzung in diesem Jahr am 14. Dezember zur Tat schreiten wird, immerhin wäre das nur wenige Wochen vor der Amtseinführung des neuen Präsidenten im Januar 2017. Die Sorge vor einer US-Zinserhöhung kann die Zinsen also eigentlich nicht nach oben treiben. Aber was ist es dann? Dafür kann es eigentlich nur zwei Gründe geben: Entweder haben die Investoren Angst, dass der nächste US-Präsident, sei es Donald Trump, oder Hillary Clinton, in den nächsten Jahren massive Konjunkturprogramme auflegen und so die Neuverschuldung kräftig nach oben treiben wird. Das könnte die Inflation anheizen und diese Aussicht zieht die Zinsen nach oben. Allerdings dürfte die Fed in dem Umfeld die QE-Gelddruckpresse wieder anwerfen, um einen Zinsanstieg zu verhindern.

Immerhin kann die USA angesichts einer rasant steigenden Staatsverschuldung von zuletzt 19,7 Billionen Dollar selbst einen Zinsanstieg nicht verkraften. Einen Zinsanstieg um mickrige 100 Basispunkte (einen Prozentpunkt) würde zusätzliche Zinszahlungen von 197 Mrd. Dollar pro Jahr bedeuten. Das entspricht ein Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung.

Wie lange steigen die US-Zinsen noch?

Oder – und das ist der 2. Grund – ist der Zinsanstieg in Japan verantwortlich für den weltweiten Zinsanstieg, und damit auch in den USA. Bei der Sitzung am 21. September hatte Notenbankchef Haruhiko Kuroda angekündigt, dass er künftig die Kontrolle über die Zinsstrukturkurve anstrebt, wobei die Zinsen für zehnjährige Anleihen bei null Prozent gehalten werden sollen. Das hatte ich Ihnen Ende September aufgezeigt. Um die Geldpolitik zu lockern, hat Kuroda dann nur noch die Wahl, mehr kurz- und mittelfristige Anleihen zu kaufen und so die Zinsen noch weiter in den Strafzinsbereich zu drücken.

Mit einer derartigen Geldpolitik lässt Kuroda aber die Zinsen für Anleihen mit einer Laufzeit von mehr als zehn Jahren steigen, was einer Verschärfung der Geldpolitik entspricht. In einer Welt, in der Alles mit Allem so eng verwoben ist, führt aber ein Zinsanstieg bei langlaufenden japanischen Anleihen auch zu einem Zinsanstieg bei langlaufenden US-Anleihen. Dem dürfte Yellen aber angesichts der starken Konjunkturabkühlung nicht lange zuschauen. Entgegen ihren Beteuerungen denkt Yellen meiner Meinung nach nicht über eine Zinserhöhung, sondern über Schritte zur Lockerung der Geldpolitik nach. Wenn das Investoren – gerade bei anhaltend schwachen US-Konjunkturdaten – klar werden sollte, sollten die Zinsen wieder den Rückwärtsgang einlegen, womit es allmählich zu einer Trendwende beim Goldpreis kommen sollte.

Die obenstehende Kolumne ist ein Auszug aus dem Gold-Brief. Geschrieben von Gold-Experte Egmond Haidt, werden die Leser alle 2 Wochen kostenlos über die Entwicklungen bei Gold informiert! Kein Abo, keine Weitergabe der Daten! www.gold-brief.de

 

Themen: Gold, Anleihen, Zinsen


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Egmond Haidt ist gelernter Bankkaufmann und somit schon in jungen Jahren mit den Finanzmärkten in Kontakt gekommen. Nach seinem Studium an der Fachhochschule Würzburg begann er im Jahr 2000 als Redakteur bei Börse Online. Im Zuge der Finanzkrise hat er sich im Jahr 2007 auf den Goldmarkt spezialisiert und befasst sich seither täglich mit der Materie. Daher setzte Herr Haidt bereits seit 2008 bis 2011 auf steigende Preise bei Gold.

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