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Ölabkehr in vollem Gange Ein Tech-Fonds, eine Bondemission: Die neuen Milliardenpläne der Saudis

18.10.2016, 13:16  |  3171   |   |   

Die Umbauarbeiten der saudischen Wirtschaft sind in vollem Gange. Neben der Einrichtung eines billionenschweren Staatsfonds und dem Teilverkauf von Aramco ist nun eine erstmalige Bondemission sowie die Beteiligung am weltgrößten Tech-Fonds geplant.

Demnächst können die Saudis zwei weitere Stichpunkte ihrer der To-Do-Liste namens "Vision 2030" abhaken. Der im April angekündigte Masterplan soll dem Königreich auch nach jahrzehntelanger Ölsause noch wirtschafliche Power und Ansehen in der Welt bescheren. Für ein derart vom Ölexport abhängiges Land wie Saudi Arabien wird die Zeit allmählich knapp. 

Einer Analyse des New Yorker Handelsforschungsunternehmens Bernstein Research zufolge wird die Ölnachfrage ab 2030 unaufhaltsam in den Keller rutschen. Das Zeitalter des schwarzen Goldes soll ab dem Jahr 2100 dann endültig nur noch Teil der Wirtschaftsgeschichte sein. Schon jetzt beläuft sich das Haushaltsdefizit infolge des Ölpreisverfalls auf 13,5 Prozent des BIP. Damit es nicht noch größer wird, sah sich die saudische Zentralbank gezwungen insgesamt 170 Milliarden Dollar der ausländischen Währungsreserven aufzubrauchen (Quelle: "Handelsblatt"). 

Dementsprechend befindet sich das Land gerade mitten im Transformationsprozess in Richtung Ölunabhängigkeit. So kündigte es bereits an, seinen Public Investment Fund (PIF) auf zwei Billionen US-Dollar aufzustocken - ein Budget, bei dem kein weiterer Staatsfonds der Welt mithalten kann. Diesem Fonds soll nunmehr auch der staatliche Öl- und Chemiekonzern Aramco gehören, für den ein Teilverkauf von etwas weniger als fünf Prozent geplant ist. Es könnte der größte Börsengang aller Zeiten werden.

Hoffnung auf die Tech-Industrie

An dieser Stelle ist aber noch lange nicht Schluss mit den Milliardenplänen. Natürlich haben auch die Saudis die Relevanz der globalen Digitalisierungswelle nicht verkannt, weswegen sie sich nun mit einem weiteren Projekt einen Teil des wachsenden Tech-Kuchens frühzeitig sichern wollen. So werden sie demnächst mit 45 Milliarden Dollar den Löwenanteil zum weltgrößten Tech-Fonds beisteuern. Errichtet wird dieser vom japanischen Telekommunikationsunternehmen SoftBank, einer Pressemitteilung des Konzerns zufolge soll sich das Gesamtvolumen auf 100 Milliarden Dollar belaufen. 

"Der PIF ist darauf ausgerichtet, mit seinen nationalen sowie internationalen Investments attraktive und langfristige Finanzrenditen zu erzielen", kommentierte der saudische Königssohn, stellvertretende Vize-Kronprinz und PIF-Vorsitzende Mohammed bin Salman den Deal. "Außerdem soll er die Vision-2030-Strategie des Königreichs zur Entwicklung einer diversifizierten Wirtschaft stützen. Mit Blick auf die lange Geschichte, die darin aufgebaute Verflechtung der Industrien und der starken Investment-Performance der Bank freuen wir uns, diese Vereinbarung mit der SoftBank und Masayoshi Son (SoftBank-Chef; Anm. d. Red.) zu unterschreiben."

Laut "Financial Times" werde der Tech-Fonds von London aus betrieben.

Das Geld soll von außen kommen

Nach Großbritannien wurden unlängst auch Delegierte des saudischen Königreichs abgesandt, um Werbung für die kommende Bondemission zu machen. Mit ihrem Finanzmarktdebüt, welches für diesen Mittwoch angesetzt ist, peilen die Saudis laut für 2017 ein Ausgabevolumen von 15 bis 20 Milliarden Dollar an, die Laufzeiten sollen sich über fünf, zehn und 30 Jahren erstrecken. "2017 dürfte das Volumen ähnlich hoch ausfallen, genauso wie in den kommenden Jahren“, sagte ein Investor dem "Handelsblatt".

Zwar hoffen die Verantwortlichen auf möglichst günstige Konditionen in Sachen Risikoprämie - das aktuelle Zinsumfeld in Europa und Japan spricht auch immer noch dafür. Doch mit Verweis auf die im Mai vollzogene Anleiheauktion von Katar dürfte dem Königreich ein ähnlich negatives Schicksal blühen. Vom Nachbarstaat wurde nämlich eine Risikoprämie verlangt, die 150 Basispunkte über der Rate zehnjähriger US-Papiere lag.

Die schlechtere Bewertung der saudischen Kreditwürdigkeit hilft da auch nicht gerade weiter. Während Katar mit einem "AA" in den Anleihemarkt getreten ist, hatte die Ratingagentur Moody's die Kreditwürdigkeit des Königreichs im Mai von Aa3 auf A1 herabgestuft. Banker gehen daher mit einer höheren Risikoprämie von 30 bis 40 Basispunkten über der Katarischen aus.

 



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