DAX+1,55 % EUR/USD+0,02 % Gold+0,12 % Öl (Brent)+0,25 %

US-Präsidentschaftswahlen US-Präsidentschaftswahlen: So werden die Börsen reagieren

Gastautor: Davies Guttmann
18.10.2016, 14:19  |  672   |   |   

In meiner heutigen Analyse geht es darum, aufzuzeigen, wie die US-Börsen auf die amerikanischen Präsidentschaftswahlen Anfang November reagieren werden und welche Branchen bzw. Aktien am stärksten beeinflusst werden. Daraus ergibt sich ein Plan für den Rest des Jahres.

US-Wahlszenarien
Die Möglichkeiten für den Ausgang der Kongress- und Präsidentschaftswahlen am 8. November 2016 sind noch nicht ganz gewiss.  Dabei geht es primär um die Präsidentschaftswahl aber auch darum, wer zukünftig im Repräsentantenhaus die Mehrheit haben wird. Ich habe nun drei Szenarien herausgefiltert, die aus meiner Sicht am wahrscheinlichsten sind (die Wahrscheinlichkeit jeweils in Klammer):

1. Status quo (70%)
Sieg von Clinton / obstruktives Repräsentantenhaus in der Hand der Republikaner. Wie schon im Leitartikel beschrieben: Am wahrscheinlichsten ist ein Sieg von Clinton, jedoch mit einem Repräsentantenhaus, in dem die Republikaner weiterhin die Mehrheit besitzen. Dies würde Kontinuität bedeuten und nur minimale wirtschaftspolitische Änderungen nach sich ziehen.

2. Dominanz der Demokraten (20%)
Sieg von Clinton / kooperatives Repräsentantenhaus: Ein Sieg der Demokraten auf allen Ebenen erscheint unwahrscheinlich. Doch die Möglichkeit, dass sich das republikanische Repräsentantenhaus zumindest kooperativer zeigt, erhöht die Wahrscheinlichkeit eines wirtschaftspolitischen Szenarios unter dem Einfluss der Demokraten. Dies wäre insbesondere dann der Fall, wenn die Demokraten auch den Senat übernehmen, was durchaus im Bereich des Möglichen liegt. Aber selbst dann ist ein parteiübergreifender Konsens bei vielen Themen wenig wahrscheinlich.

3. Sieg von Trump / Republikanischer Kongress (10%)
Trumps Sieg würde eine republikanische Mehrheit im Kongress und möglicherweise sogar im Senat nach sich ziehen. Trump verfügt innerhalb der Partei jedoch nur über begrenzten Einfluss und viele seiner Wahlversprechen sind aus dem Reich der Phantasie und dürften nur schwer einzulösen sein. Deshalb ist damit zu rechnen, dass die wirtschaftspolitische Agenda weiterhin stark von den klassischen Überzeugungen der Republikaner geprägt sein wird.

Was bedeutet dies für die Märkte?
Der US-Aktienmarkt wird sich in den Szenarien eines Status quo oder einer Dominanz der Demokraten relativ gut behaupten. Das zeigen auch ganz klar die wahlrelevanten Reaktionen der Börse in den letzten Wochen. Ein Sieg Trumps, der meiner Meinung nach deutlich weniger wahrscheinlich ist, würde zu einer hohen Verunsicherung im Hinblick auf die Wirtschaftspolitik und das Wachstum führen. Auch weltpolitisch gesehen würde ein Sieg Trumps vermutlich weite Teile der westlichen Welt erschrecken und zu entsprechenden (Abwärts-)Reaktionen der Finanzmärkte führen. Abgesehen von den üblichen, relativ negativen Auswirkungen eines politischen Wechsels auf die Märkte ist ein solches Szenario also eindeutig weniger günstig für Aktien und Risikoanlagen im Allgemeinen. Da der Wahlausgang bei Weitem noch nicht sicher ist, stellt dieses Szenario ein Hauptrisiko für die Märkte dar.

Ich erwarte bis zur Wahl vermehrte Unsicherheit und größere Kursschwankungen, wie das in der Vergangenheit eigentlich immer der Fall war. Davon wird meine Position im Volatilitäts-Index profitieren. Mittelfristig wird die Börse nach dem von mir erwarteten Sieg Clintons sich positiv entwickeln. Wir werden also auch im Jahr 2017 mit der richtigen Aktienauswahl überdurchschnittlich performen können.

Eines der großen Themen ist das Gesundheitswesen
Die US-Wahlen überschatten den Gesundheitssektor, wobei die Zukunft des Affordable Care Act und die Preisgestaltung bei verschreibungspflichtigen Medikamenten die wichtigsten Aspekte darstellen. Der Gesundheitssektor ist im laufenden US-Präsidentschaftswahlkampf bereits seit einiger Zeit ein viel diskutiertes Thema.

Potenzielle Veränderungen unter einer neuen Präsidentschaft
Im Vorfeld der in einigen Monaten stattfindenden US-Präsidentschaftswahlen haben sich die Kandidaten bislang nur vage zu etwaigen wesentlichen Änderungen der Gesundheitspolitik geäußert. Allerdings kristallisieren sich zwei Schwerpunkte heraus: die Zukunft des Affordable Care Act (ACA oder «Obamacare») und   die Preisgestaltung bei verschreibungspflichtigen Medikamenten. Die Positionen der beiden Kandidaten in Bezug auf den ACA sind klar. Während Hilary Clinton den ACA erhalten oder sogar erweitern möchte, will Donald Trump das Gesetz nach eigenen Angaben wieder außer Kraft setzen. Letzteres wäre allerdings eine sehr teure Lösung, da der Versicherungsschutz für Patienten, die unter dem ACA Versicherungsschutz erhalten hatten, vermutlich beibehalten  werden müsste.

Pharma– und Biotech-Industrie haben Angst vor Hillary
Was die Preisgestaltung bei Medikamenten angeht, so sind beide Kandidaten theoretisch gegen hohe Preise – allerdings unterscheiden sich die Ansätze. Teure Medikamente, die von profitablen multinationalen Unternehmen verkauft werden, gelten als leichtes politisches Ziel. Allerdings machen verschreibungspflichte Medikamente nur etwa 10% der gesamten Gesundheitsausgaben aus. Im Pharma- und Biotech-Sektor sind es aber trotzdem Tweets von Hillary Clinton, die für Aufregung sorgen. Den ersten Schock löste sie vor gut elf Monaten aus, als sie die Preiserhöhung für das Infektionsmedikament Daraprim als Wucherei kritisierte und den Nasdaq-Biotech-Index auf Tauchkurs schickte. Im September hat Clinton erneut auf Twitter zugeschlagen. Diesmal hat sie den Hersteller Mylan ins Visier genommen, der den Preis des Notfallpräparats EpiPen aus ihrer Sicht ungerechtfertigt stark angehoben hat. Die Biotech-Titel reagierten erneut empfindlich. Seit dem Tweet hat der Branchenindex mehr als 5% verloren.

An der Börse wird ein Sieg von Trump im Herbst zwar als Hochrisiko eingestuft. Aktionäre mancher Biotech-Unternehmen müssen sich aber fast noch mehr vor Hillary fürchten. Unternehmen aus dem Bereichen Spitäler und „Managed Care“ werden hingegen zu den Profiteuren eines Clinton-Siegs zählen. Nach den Wahlen erwarte ich einen Rückgang der Risikoprämien. Außerdem zeichnet sich der Gesundheits-Sektor durch solide Fundamentalfaktoren und eine angemessene Bewertung aus, während gleichzeitig seine langfristigen Treiber weiterhin intakt sind. Vor diesem Hintergrund erwarte ich mittelfristig eine Outperformance des Gesundheitssektors. Ich werde bei der Aktienauswahl natürlich auf diesen Umstand eingehen. Mit der „richtigen“ Auswahl an Biotech-Unternehmen wird sich auch in den kommenden Monaten und Jahren ausgezeichnet verdienen lassen.

Die US-Wahlen werden sich nachhaltig auf den Finanzsektor der USA auswirken
Im wahrscheinlichsten Szenario (Clinton gewinnt / Republikaner blockieren im Repräsentantenhaus) würde es zu keiner wesentlichen Veränderung bei der Finanzregulierung kommen. Clintons Ziel, den Dodd-Frank Act zu erhalten und zu erweitern, würde durch eine republikanische Mehrheit im Kongress beeinträchtigt. Eine Rückkehr zu einem überarbeiteten Glass-Steagall Act wäre meiner Einschätzung nach unrealistisch. Gleiches gilt für die Aufspaltung großer Banken. Gleichwohl halte ich moderate politische Anpassungen für wahrscheinlich, z. B. eine größere persönliche Verantwortung von Bankern bei Compliance-Defiziten und Verlusten.

Am wichtigsten ist dabei, dass große Finanzinstitutionen anhand ihrer Größe und des Risikos, das sie für das Finanzsystem darstellen, besteuert oder sogar aufgespalten oder verkleinert werden könnten. Unternehmen könnten sich einer strengeren Strafverfolgung, Einzelpersonen höheren persönlichen Risiken gegenübersehen. Diese reichen von Kürzungen der Top-Management-Boni bei verlustreichen Banken bis hin zur persönlichen Haftung der Manager für das Fehlverhalten der ihnen unterstellten Mitarbeiter. Darüber hinaus könnten Segmente des Finanzsystems, die bisher vergleichsweise wenig reguliert sind     (z. B. Hedge-Fonds), Ziel eines strengeren Regimes werden. Zusammenfassend: Gewinnt Clinton, so werden vor allem die großen Banken (und damit auch deren Aktionäre) zu den Verlierern zählen.

Ein Sieg Trumps würde in Verbindung mit einer republikanischen Kongressmehrheit aller Wahrscheinlichkeit nach zu geringerer Regulierung und einer Überarbeitung des Dodd-Frank Act führen. Ohne dies zu präzisieren, hat Donald Trump in Aussicht gestellt, dass viele der Bestimmungen des Dodd-Frank Act aufgehoben werden könnten, was der Finanzbranche mehr Spielraum verschaffen würde. In diesem (unwahrscheinlichen Fall) würde ich unmittelbar nach der Wahl auf die Aktien von US-Banken setzen.

In der Energiepolitik stehen die Klimaziele von Paris und der «Clean Power Plan» im Fokus
Der Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen wird darüber entscheiden, ob sich das Umfeld eher zugunsten fossiler Brennstoffe oder erneuerbarer Energien entwickeln wird. Im Vordergrund stehen dabei das am Weltklimagipfel von Paris (COP 21) erzielte Klimaabkommen und der Klimaplan der US-Regierung (Clean Power Plan, CPP). Das COP-21-Abkommen zielt darauf ab, den globalen Temperaturanstieg auf deutlich weniger als 2° Celsius über den vorindustriellen Niveaus zu beschränken. Der CPP ist der ehrgeizige Plan der USA, die Klimaziele zu erreichen, indem Kohle vermehrt durch erneuerbare Energien und CO2-freundlicheres Erdgas ersetzt wird und so die US-Kohlendioxidemissionen bis 2030 im Vergleich zu 2005 um 32% gesenkt werden. In ihrem Basisszenario geht die US-amerikanische Energy Information Agency (EIA) davon aus, dass der Marktanteil von Kohle am gesamten Energiemix in den nächsten 25 Jahren von 16% auf 10% fallen wird. Auch die Marktanteile von Erdöl und Kernkraft werden zurückgehen.

Hillary Clinton unterstützt sowohl das Pariser Abkommen als auch den CPP und hat sogar noch ehrgeizigere Ziele in Bezug auf erneuerbare Energien in Aussicht gestellt. Steuervergünstigungen und fiskalische Maßnahmen (darunter ein Plan zur Förderung sauberer Energien im Umfang von USD 60 Mrd. und ein Paket in Höhe von 30 Milliarden Dollar, um die negativen Folgen für von Kohle abhängige Regionen zu mildern) bilden die tragenden Säulen ihrer Energiepolitik.

Mein Konsens: Wenn Clinton die neue US-Präsidentin wird, kommt es über Jahre zu Kursgewinnen bei Alternative-Energy-Unternehmen. Meine Leser wissen, dass ich auf Aktien aus diesem Segment setze. Ein Sieg Clintons wird auch aus charttechnischer Sicht ein Startschuss für den Kauf dieser Aktien sein.

Derweil ist Donald Trump weder bereit, das Pariser Abkommen noch den CPP zu unterstützen. Er beabsichtigt zudem nach eigenen Angaben, die US-Umweltschutzbehörde (Environmental Protection Agency, EPA) abzuschaffen. Unter einer Regierung Trump würden die Kohle-, Erdgas- und Ölbranchen im Energiesektor zu den Nutznießern gehören. Gewinnt Trump, dann werden die „altmodischen“ Energieaktien (insbesondere aus dem Bereich Erdöl) einen Aufschwung erleben.

Der Verteidigungs-Sektor wird auf jeden Fall profitieren
Meine Meinung ist: „Defense“-Aktien werden nach der Wahl auf jeden Fall zu den Gewinnern zählen. Ganz klar ist das im Fall eines Wahlsieges von Trump. Sein Motto: „Make the USA strong again“ ist Musik in den Ohren der Waffenlobby. Aber auch wenn Hillary Clinton gewinnt, wird das Verteidigungs-Budget – insbesondere im Vergleich zur Obama-Regierung – deutlich angehoben werden. Noch nie hat ein(e) Kandidat(in) zur US-Präsidentschaftswahl so viele Spendengelder von wesentlichen Personen aus dem „Defense“-Sektor bekommen, wie Hillary Clinton.

Welche Branchen werden die Gewinner und Verlierer der US-Wahlen sein?



Verpassen Sie keine Nachrichten von Davies Guttmann

Nach der Gründung des „Austria Börsenbrief“ 1988, der innerhalb weniger Jahre zum führenden Börsenbrief Österreichs wurde, arbeitete er als Vermögensverwalter und Analyst im IPO-Bereich. Sein Fachgebiet ist die detaillierte Analyse von US Small Caps im Bereich Technologie und Wachstumsbranchen, sowie Options-Strategien. Sein Depot des Dynasty Wealth Investor erzielte in 2015 +51% Rendite und in den ersten zwei Monaten 2016 bereits +26%.

Er sucht ständig attraktivste Wachstumsbranchen und Special Situations, darunter: Das Internet of Things, spannende HithTech-Werte, aber auch alternative Energie-Investments. Seine Investment-Empfehlungen begleitet er mit professionellem Money Managemant, Hedging-Strategien als Absicherung in fallenden Märkten, sowie charttechnischem Trading. Seine Top Werte finden Sie in der kostenlosen Sonderanalyse "Internet Tsunami Aktien" - hier gratis.

Abonnieren Sie jetzt Ihren Lieblingsautor
Ich habe die Allgemeinen Nutzungsbedingungen und die Datenschutzerklärung gelesen und stimmt diesen zu.
Autor abonnieren
Wir respektieren Ihre Privatsphäre, es werden keine Daten an Dritte weitergegeben!
Verpassen Sie nichts mehr aus der wallstreet:online Redaktion!
Newsletter kostenlos abonnieren

Schreibe Deinen Kommentar

 

Disclaimer

Weitere Nachrichten des Autors

Titel
Titel
Titel
Titel