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Emerging Marktes „Attraktives Wachstum über viele Jahre”

19.10.2016, 08:46  |  796   |   |   

Antti Raappana, Portfolio Manager und Head of GEM Solutions bei Danske Invest, erklärt, warum Anleger Schwellenländer auf dem Schirm haben sollten. Einige Details gilt es jedoch zu beachten.

FundResearch: Herr Raappana, was haben Länder der Kategorie Schwellenländer gemeinsam?

Antti Raappana: Der klassische Investor versteht Schwellenländer als Länder mit geringem Einkommen. Das ist zwar richtig, aber nicht vollständig. Faktoren wie Qualität – vor allem im Hinblick auf Regulierung, Transparenz und Handelbarkeit von Aktien sowie Währungen - und Stabilität der Investment-Infrastruktur spielen ebenso eine Rolle. Im Großen und Ganzen lässt sich feststellen: Schwellenländer bieten höhere Wachstumsraten – bei höherer Volatilität und weniger liquiden Aktienmärkten sowie vergleichsweise unterentwickelten Rahmenbedingungen. Typischerweise ist das politische Risiko in Schwellenländern ebenfalls erhöht. Dabei darf nicht vergessen werden: Auch wenn Schwellenländer unter einem Begriff zusammengefasst werden: Es ist eine sehr heterogene Gruppe von Märkten. 

FundResearch: Wie unterscheiden sich Schwellenländer von Grenzmärkten, sogenannten Frontier-Märkten?

Antti Raappana: Im Vergleich zu Schwellenländern zeichnen sich Frontier-Märkte durch eine noch geringere Liquidität und eine stark begrenzte Anzahl von gelisteten Titeln aus. Frontier-Märkte können zudem noch stärker begrenzt sein, was den Zugang zum Markt selbst angeht. 

FundResearch: Das klingt nach risikoreichen Anlagen. Wie geht Danske Invest mit dem Thema um?

Antti Raappana: Schwellenländer und Frontier-Märkte machen mehr als drei Viertel der Erde aus. Da ist es naheliegend, dass Investoren sich dort umschauen. Zudem bietet die Region gute Perspektiven in Sachen Demographie und Kapitalintensität - besonders im Vergleich zu Industrieländern. Wenn die richtigen wirtschaftlichen und sozialen Vorhaben umgesetzt werden, können diese Länder ein attraktives Wirtschaftswachstum über einen langen Zeitraum bieten. Unternehmen, die daran teilhaben, können dementsprechend sehr ertragreiche Investitionen darstellen. Des Weiteren bieten Schwellenländer und Frontier-Märkte ein breites Universum an gelisteten Aktien, die zumeist wenig oder gar nicht von Analysten kommentiert werden. In Kombination mit der geringeren Nachfrage von Investoren in diesen Ländern, entstehen hierdurch oftmals erkennbare Fehlbewertungen. Gleichzeitig werden die Kurse oft durch sehr länderspezifische Faktoren bestimmt. Die Korrelation zu den entwickelten Märkten ist daher sehr gering. Diese Tatsache birgt erhebliche Diversifikations-Vorteile. Unserer Meinung nach sollten Investoren einen langfristigen Investmenthorizont mitbringen, wenn sie sich für diese Märkte interessieren. Wir konzentrieren uns auf jene Segmente, die langfristigen Investoren die besten Chancen bieten: Small-und Midcpap-Unternehmen in Industrien mit starker Inlandsnachfrage. 

FundResearch: Was heißt das im Detail?

Antti Raappana: Wir vermeiden die Rohstoff- und petrochemische-Industrie und glauben, dass eine gewisse Nähe zum Markt den entscheidenden Vorteil bietet. Daher arbeiten wir mit lokalen Investmentfirmen zusammen. 

FundResearch: Von welchen Märkten sind Sie derzeit überzeugt?

Antti Raappana: Derzeit überzeugen uns langfristig Indien und der Vietnam. Auch China bietet immer noch zahlreiche gute Möglichkeiten – trotz Verunsicherung über die Stabilität der chinesischen Volkswirtschaft.

FundResearch: Was macht diese Länder so besonders?

Antti Raappana: In Indien werden wichtige strukturelle Reformen auf den Weg gebracht: Unter anderem wird das Steuersystem vereinfacht. Die Wirtschaft unter Premierminister Modi wächst rasant. Im Übrigen sollte sie auch von steigenden Infrastrukturausgaben profitieren. Besonders Small-und Midcap-Aktien haben das noch nicht eingepreist. Vietnam dagegen profitiert von der Umverteilung der Auslandsdirektinvestitionen (FDI), die bisher nach China gingen. Das stellt einen Wachstumsschub für die Volkswirtschaft dar. Es entstehen beispielsweise neue Jobs. Gleichzeitig haben bisher sehr wenige große Investoren Vietnam auf dem Schirm. 

FundResearch: Haben Sie einen Lieblingstitel?

Antti Raappana: Müsste ich einen Titel hervorheben, wäre dies Alibaba. Es ist erstaunlich, was sie in solch kurzer Zeit erreicht haben.

(DIF/TL)



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Teresa Laukötter hat den M. Sc. in Volkswirtschaft der Universität Maastricht. Als Redakteurin und Content-Managerin bei €uro Advisor Services GmbH ist sie zuständig für die Top-Themen auf www.fundresearch.de.

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