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Die US-Regierung ist kein ehrlicher Schuldner Jim Quinn: „Die USA steckt in der größten Schuldenblase aller Zeiten“

20.10.2016, 16:07  |  4820   |   |   

Die US-Wahl am 8. November rückt rapide näher. Über ein enorm wichtiges Thema sprechen die beiden Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und Hillary Clinton aber kaum: den gigantischen Schuldenberg. Der renomierte US-Finanzprofi Jim Quinn zeigt auf, welch herbe Folgen das für die Wirtschaft haben wird.

Landauf, landab lässt sich der scheidende US-Präsident Barack Obama für seine Erfolge feiern: Die Wirtschaft sei kräftig gewachsen und die Arbeitslosigkeit stark gesunken. Was Obama allerdings nie erwähnt, ist der gigantische Schuldenberg, den er den Amerikanern hinterlassen wird. Während Obamas Amtszeit ist der Schuldenberg von 10,7 Billionen Dollar auf horrende 19,7 Billionen explodiert – das sind herbe 106 Prozent der Wirtschaftsleistung.

„Die US-Staatsschulden stehen bei 19,7 Billionen Dollar und sind unterwegs, um die Marke von 20 Billionen zu erreichen, wenn der „Retter“, der „Hoffnung und Wandel“ versprochen hatte, am 20. Januar 2017 aus dem Amt ausscheiden wird… Ich garantiere, dass die Schulden bis zum Ende der ersten Amtszeit des nächsten Präsidenten 25 Billionen erreichen werden, es sei denn das Schneeballsystem kollabiert schon vorher in eine finanzielle Depression“, schrieb Jim Quinn von dem renommierten Finanz-Blog „The Burning Platform“ (Die brennende Platform). Der Experte hatte jahrelang Positionen im Finanzbereich von US-Unternehmen inne, beispielsweise im Einzelhandelsbereich, oder im Hausbausektor. Quinn ist der Überzeugung, dass sich die USA auf einer brennenden Plattform nicht nachhaltiger Geld- und Fiskalpolitik befindet.  

„Größte Schuldenblase aller Zeiten“

Zum Beginn der 2008er-Krise hätten die Staatsschulden bei zehn Billionen gelegen, während inklusive der Schulden der privaten Haushalte und der Unternehmen der Wert sogar insgesamt 54,5 Billionen erreicht hätte.

„Die Schulden waren schon damals viel zu hoch. Ein massiver Schuldenabbau wäre nötig gewesen, wodurch die faulen Kredite verringert worden wären… Stattdessen sind die Gesamtschulden acht Jahre später auf mehr als 64 Billionen Dollar gestiegen.“ Das sind rund 350 Prozent der Wirtschaftsleistung. „Wir stecken in der größten Schuldenblase aller Zeiten und keiner der Präsidentschaftskandidaten denkt, dass das wert sei, in den 90minütigen (Fernseh-)Debatten 30 Sekunden darüber zu reden… Die Pläne der beiden Kandidaten würden die ohnehin raketenartig steigenden Haushaltslöcher noch stärker anwachsen lassen. Die Bürger sollten eine Heidenangst wegen der Schulden haben.“

Aber stattdessen würden sie sich eher dafür interessieren, was es Neues bei den Kardashians gäbe. „Alle ehrlichen Schuldner wissen, dass Schulden zurückbezahlt werden müssen. Die US-Regierung ist aber kein ehrlicher Schuldner. Angesichts der Tatsache, dass die Schulden um 2,8 Mrd. Dollar pro Tag steigen, muss man sich fragen, ob die Regierung ein ehrlicher Schuldner ist. Angesichts jährlicher Haushaltsdefizite von mehr als einer Billion Dollar soweit das Auge reicht, wie will man da die Schulden jemals zurückzahlen?“, so Quinn.

Nullzinsen schwächen die Wirtschaft

Ebenso wie die Regierung greift Quinn auch die Notenbank scharf an. „In ihrem verzweifelten und illegalen Bemühen, ihre insolventen Wohltäter an der Wall Street und die korrupten Politiker in Washington zu stützen, hat die US-Notenbank die freien Märkte zerstört, die auf Sparen, Investieren, Risiko, Versagen und kreativer Zerstörung aufgebaut sind. Die Fed hat eine stagnierende Zombie-Wirtschaft geschaffen, die von Nullzinsen und manipulierten Aktienmärkten abhängt, um den Anschein von Normalität zu wahren. Die Nullzinsen haben das Leben von Millionen von Rentnern zerstört (von denen währende der nächsten 20 Jahre jährlich 3,6 Mio. in Rente gehen werden), die garantierte Pleite von Pensionsfonds verursacht und den Vorstandschefs der Unternehmen signalisiert, dass es schlauer ist, Milliardenschulden zu machen, um eigene Aktien zurückzukaufen, anstatt in Anlagen und Menschen zu investieren. Sie haben der Realwirtschaft das Leben entzogen, weshalb es unmöglich ist, jemals wieder ein Wirtschaftswachstum von drei Prozent und mehr zu erreichen“, so Quinn.

Die Konjunkturerholung nach der 2008er-Schuldenkrise war die schwächste aller Zeiten. Obama ist der erste Präsident, in dessen Amtszeit es nie ein Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von drei Prozent und mehr gegeben hat.

Fed kann die Zinsen nicht normalisieren

„Notfallzinssätze waren vielleicht 2008 und 2009 notwendig, aber dass sie acht Jahre lang bei null Prozent gehalten worden sind, zeigt, dass die Fed völlig von der Wall Street und dem bestehenden politischen Establishment vereinnahmt worden ist. Nun steckt die Fed in der Falle. Sie kann niemals zulassen, dass die freien Märkte die Kontrolle über die Wirtschaft übernehmen, weil selbst der kleinste Anstieg der Zinsen die Weltwirtschaft in die Luft jagen wird“, schrieb der Experte.

Er kann überhaupt nicht verstehen, warum die Fed ausgerechnet ein Inflationsziel von zwei Prozent gesetzt hat. Warum solle genau dieser Wert die Wirtschaft besser ankurbeln und den Arbeitsmarkt besser beflügeln als irgendein anderer Zinssatz.

„Während der vergangenen acht Jahre haben wir diesen Pfuschern zugehört, wie sie gelogen haben, sie würden die Zinsen anheben, sobald die Inflation auf zwei Prozent steigt oder die Arbeitslosenquote unter 6,5 Prozent sinkt. Die Inflation war während der vergangenen acht Jahre bei mehr als zwei Prozent und die Arbeitslosenquote ist derzeit bei fünf Prozent – aber es gibt immer noch keine Zinserhöhung. Wir sind verloren in einem Blizzard von Fed-Lügen. Die Fed ist selbst in ihren eigenen Lügen gefangen.“

„Es wird nie eine Normalisierung der Zinsen geben. Negative reale Zinssätze waren in Kraft.“ Der reale Zinssatz wird berechnet, wenn man vom nominellen Zinssatz die Inflation abzieht. Negative Zinssätze bedeutet, dass die Inflation größer ist als der nominelle Zinssatz, weshalb Sparer massiv an Kaufkraft verlieren. „Negative nominale Zinssätze (Strafzinsen) werden die Zukunft sein. Wie Yellen und ihre Kumpane nachts schlafen können, wohlwissend, dass sie das Leben von Rentnern zerstört haben und weiter zerstören, ebenso wie die Mittelschicht, ist mir schleierhaft.“



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Kommentare

Die Inflation wird nirgendwo so sichtbar
wie im Immobilienmarkt.
Dass die Hauspreise den Mieten davon laufen,
ist kein Wunder, wenn die Finanzierung eines Hauses fast nichts mehr kostet.
Dann müssen die Mieten auch nicht so hoch sein.
Wenn früher ein Privatmann nur die zwanzigfache Jahres-nettokaltmiete zahlen musste,
rechnet es sich für ihn auch auch, wenn er die 30 fache Jahreskaltmiete zahlt,
bei Zinssätzen um 1 Prozent wohnt er dann immer noch billiger im eigenen Haus als
zur Miete.
Ein Haus im Preis von 450 000 Euro kostet heute 4500 E Zinsen im Jahr, wenn es voll finanziert ist.
Die Kalt-Miete des Hauses in einer Großstadt kostet sicher 15 000 E im Jahr.
Unter diesem Gesichtspunkt könnten die Hauspreise noch weiter steigen.
Japan war zuerst vollkommen überschuldet.
Japan hat die Null- und Negativzinsatz-Treiben vorgemacht.
Dort herrscht seit Jahren preisliche Deflation und Stagnation bis Rezession hinsichtlich Wirtschaftswachstum.

USA ist jetzt ebenfalls mittendrin.

Und Europa mit Super-Mario folgt im Eiltempo hinterher.

Nur eines ist tröstlich: Wenn die Bevölkerung in den Betroffen Ländern und die restliche Welt mitmacht, dann kann das noch Jahre so weiterlaufen.

Ob und wann der grosse Knall kommt und wie der dann aussieht ist ungewiss.

Die Alternative zum Schuldenabbau ist eine Jahre- und Jahrzehntelange schleichende hohe reale Inflation die aber niemand von offizieller Seite in offiziellen Statistiken zugeben wird.

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