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Aktien oder Anleihen? Langzeitanalyse: Das Geheimnis hinter der optimalen Depotstruktur lautet 60/40

24.10.2016, 19:56  |  3484   |   |   

Bei der Strukturierung von Anlagedepots kommt es auf den richtigen Mix an, doch wie sieht dieser Mix genau aus? Ein US-Vermögensverwalter glaubt nun, die universelle Antwort auf die Frage gefunden zu haben. Demnach drehe sich alles um das magische Verhältnis 60/40.

Wer reich werden will, der muss investieren und wer investieren will, der muss entscheiden. Bei der privaten Geldanlage bezieht sich die allererste - und gleichsam schwierigste - Entscheidung auf die Art der Anlageform. Soll das Geld in Rohstoffe oder in diverse Finanzprodukte fließen? Will ich Aktionär werden oder doch eher in Anleihen investieren?

Vor allem die zwei letztgenannten Möglichkeiten unterscheiden sich stark in Sachen Renditechance und Verlustrisiko, viele fühlen sich zwischen den jeweiligen Pro- und Contra-Argumenten oftmals hin- und hergerissen. So lockt die Aktie hauptsächlich mit der Aussicht auf überproportional hohe Renditen, die starke Volatilität der Märkte birgt jedoch eine ebenso hohe Ausfallfahrscheinlichkeit. Besonders risikoaverse Menschen greifen daher lieber auf die als "konservativ" bezeichneten, festverzinslichen Staats- oder Unternehmensanleihen zurück, mit deren Erwerb der Käufer nicht zum Eigentümer wird, sondern lediglich zum Gläubiger. 

Ein bisschen weniger Rendite, ein großes Stück mehr Sicherheit

Natürlich entscheiden sich die Wenigsten für ein reines Aktien- oder Anleiheportfolio, der Großteil setzt auf eine Mischung aus beidem. Wie diese Mischung genau aussehen müsste, glaubt die Vermögensverwaltung Ibbotson Associates, ein Tochterunternehmen der Ratingagentur Morningstar, nun herausgefunden zu haben. Bei der Untersuchung historischer Daten stellten die Analysten zunächst fest, dass ein pures Aktien-Portfolio seit 1926 durchschnittlich zehn Prozent Rendite pro Jahr abgeworfen hat.

Klingt erstmal nicht schlecht, doch Anleger sollten trotzdem darauf verzichten. Nicht etwa, wie der Journalist und Finanzexperte Mark Hulbert vom US-Börsenportal "Marketwatch" schreibt, weil um die Ecke wieder der nächste Bärenmarkt lauert. Nein, sondern weil ein Mix aus Aktien und Anleihen fast genauso gute Renditen erzielen kann. So hätte ein zu 60 Prozent aus Aktien und zu 40 Prozent aus Anleihen bestehendes Depot im gleichen Zeitraum eine jährliche Rendite von 8,6 Prozent abgeworfen. Das sind nur 1,4 Prozent weniger, doch mit dem Anleihe-Anteil hat sich parallel dazu die Sicherheit erhöht. Bei der Rechnung wurde von mittelfristigen US-Anleihen ausgegangen.

Noch interessanter wird die Simulation, wenn man sie nur auf die letzten 20 Jahre anwendet. Denn seit 1995 liegt das Renditeplus von reinen Aktiendepots bei nur noch 0,7 Prozent. Die Frage ist nun, ob 0,7 Prozent zusätzliche Rendite die nervlichen Strapazen einer vollständigen Abhängigkeit vom Aktienmarkt aufwiegen können. Zur Beantwortung dieser Frage zitiert Hulbert den ehemaligen Wertpapier- und Rohstoff-Manager Claude Erb:

"Die Menschen, die die Volatilität eines 100-prozentigen Aktienportfolios wirklich ertragen, sind entweder katatonisch oder tot."

Kein signifikanter Zusammenhang zwischen Zinsentwicklung und Anleiheperformance

Den möglichen Einwand einer negativen Auswirkung von steigenden Leitzinsen auf die Renditeentwicklung von Anleihen entkräftet Hulbert übrigens mit einem Beispiel aus der jüngeren Geschichte. In den Jahren 1966 bis 1981 war das Zinsumfeld für US-Anleihen denkbar schlecht, trotzdem hatte sich der Ertrag von 4,7 Prozent auf 13,6 Prozent fast verdreifacht. Insgesamt konnte das 60/40-Depot die Nur-Aktien-Variante in diesem Zeitraum sogar mit 0,3 Prozent mehr Rendite pro Jahr übertrumpfen.

Aus diesem Grund legt der Experte jedem Investor ein nach dem 60/40-Prinzip strukturiertes Portfolio ans Herz. Einzig für Leute, die noch sehr viele Jahre bis zu ihrer Rente zu überbrücken haben, gelte diese Empfehlung nicht. Und diejenigen, die mit Nerven aus Stahl gesegnet sind und daher bei ihrem reinen Aktien-Depot bleiben möchten, bräuchten sich ebensowenig angesprochen fühlen.

Wertpapier: Morningstar


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