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Chartanalyse: Aufspaltung bei den Sektortendenzen – Technische Analyse Spezial vom 07. November 2016
Foto: www.commerzbank.de

Chartanalyse Aufspaltung bei den Sektortendenzen – Technische Analyse Spezial vom 07. November 2016

Gastautor: Achim Matzke
07.11.2016, 11:48  |  797   |   |   

Immobilien-und Medien-Aktien mit stabiler relativer Schwäche
In den letzten Wochen sind sowohl die US- als auch die Euro-Anleiherenditen – nach Jahren des Rückgangs – leicht angestiegen. Zusätzlich erwarten die Märkte nach der US-Präsidentenwahl von der US-Notenbank noch in diesem Jahr eine weitere, kleine US-Leitzinsanhebung. Aktienmärkte reagieren im Regelfall sehr sensibel auf (mittelfristige) Veränderungen im Umfeld. Als technische Konsequenz sollten für breit angelegte europäische Aktienindizes wie z.B. den Stoxx 600 nur moderate Aufwärtsbewegungen einkalkuliert werden. Hier findet sich die sehr ausgeprägte Aufspaltung bei den Sektortendenzen wieder. Aus technischer Sicht sind in früheren, vergleichbaren Börsenphasen besonders die Sektoren Real Estate, Personal & Household Goods, Food & Beverage und Media in eine mittelfristige relative Schwäche-Position gedrückt worden.

Stoxx 600: Steckt weiterhin im (Doppel-)Boden fest
Der Stoxx 600, der die führenden 600 Aktien aus den entwickelten Ländern in Europa enthält, ist ein nach Streubesitz gewichteter Kursindex, bei dem Dividendenzahlungen nicht in Kursgewinne des Index umgerechnet werden. Der Index, der zurückgerechnet Ende Dezember 1991 bei 100,0 Punkten startete, befindet sich seit dem Jahr 2000 und dem Kurshoch um 407 Punkte in einer seit 16 Jahren bestehenden Seitwärtspendelbewegung. Diese langfristige Bewegung wird einerseits durch die gestaffelte Support-Zone von 155 bis 161 Punkten und andererseits durch die langfristige, gestaffelte Resistance-Zone von 400 bis 415 Punkten begrenzt. Innerhalb dieser Spanne ist es zu einem Wechselspiel von mehrjährigen Baisse- und Hausse-Trends gekommen. Der Stoxx 600 war von März 2009 (Start bei 155 Punkten) bis April 2015 in einem stabilen Hausse- Trend bis auf 415 Punkte gestiegen. Nachdem der Index die 15-jährige Resistance-Zone nicht überwinden konnte, ergab sich eine technische Korrektur, die sich danach zu einer (Zwischen-)Baisse ausweitete. Hierdurch wurde zum Jahreswechsel 2015/2016 auch der vorherige, siebenjährige Hausse-Trend beendet. Jedoch ist auch die (Zwischen-)Baisse nach dem Erreichen der Kurstiefs bei 302 Punkten (im Februar 2016) bereits wieder in eine Seitwärtspendelbewegung unterhalb der neuen Resistance-Zone um 352 Punkte hineingelaufen. Hier zeichnet sich der technische Charakter einer Doppelbodenformation („W“-Formation) ab. Jedoch sorgt die Aufspaltung bei den Sektortendenzen gerade bei den Bereichen mit einem hohen Indexgewicht dafür, dass der Index nur im Schneckentempo am Abschluss dieser Bodenformation arbeitet. Die aktuelle technische Lage beim Stoxx 600 verdeutlicht, dass in einer Marktphase mit intensiver Diskussion bzgl. steigender Anleihezinsen kein hohes Aufwärtsmomentum bei den breiten Aktienindizes erwartet werden sollte.

Stoxx Food & Beverage: Hausse-Trend steht zur Disposition
Der Stoxx Food & Beverage, der die 21 führenden europäischen Aktien aus dem Bereich Nahrungsmittel und Getränke umfasst, befindet sich seit dem Ausgangspunkt von 100 Punkten (31.12.1991) in einer 25-jährigen Aufwärtsbewegung. Deshalb überrascht es nicht, dass es immer wieder zu (mittelfristigen) technischen Pausen kommt. Ausgehend von Kursen um 195 Punkte im März 2009 startete dieser Sektorindex eine beschleunigte Hausse-Bewegung, wobei sich speziell ab Oktober 2011 und dem Kursniveau von 330 Punkten ein neuer, fünfjähriger Hausse-Trend ergeben hat. Dieser Trend lag zuletzt bei ca. 610 Punkten. Da sich der Sektorindex bereits seit April 2015 und Kursen um 670 Punkte nur noch in einer Seitwärtsbewegung befindet, überrascht es nicht, dass der Sektorindex zuletzt mit einem Gewinnmitnahmesignal aus diesem mehrjährigen Hausse-Trend herausgelaufen ist. Hierbei liegt zusätzlich eine deutliche Eintrübung der Sektormarktbreite vor. Einige Sektorschwergewichte (wie z.B. Anheuser-Busch InBev und Heineken) und besonders einige defensive technische Wachstumsaktien aus dem Sektormittelbau (wie die schweizerische Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli und die irische Kerry Group), die in den letzten Jahren sehr ausgeprägte Kursgewinne erzielen konnten, sind in diesem Umfeld deutlich unter Druck gekommen. Der Sektor Food & Beverage wird nach einem Verlassen seines mehrjährigen Aufwärtstrends zunächst auf einer holprigen Wegstrecke unterwegs sein.

Stoxx Real Estate: Siebenjährigen Hausse-Trend beendet
Der Stoxx Real Estate, der zurzeit 29 Immobilienaktien aus dem Stoxx 600 enthält, befand sich seit März 2009 und Kursen um 56,7 Punkte in einer Hausse-Bewegung, bei der der zentrale, siebenjährige Hausse-Trend den Sektor bis auf ein Kursniveau um ca. 202 Punkte (April 2015) geführt hat. Unterhalb der neuen Resistance-Zone ist der Sektor dann in eine Seitwärtspendelbewegung mit einer negativen Grundausrichtung hineingelaufen, wobei zum Jahreswechsel 2015/2016 sowohl der siebenjährige Hausse-Trend als auch der beschleunigte Aufwärtstrend (lag seit dem Jahreswechsel 2011/2012 vor) jeweils beendet wurden. Der Sektor weist bereits seit Monaten eine ausgeprägte relative Schwäche gegenüber dem Stoxx 600 auf. Zuletzt ist der Index bis in die mittelfristige Support-Zone von 157 bis 160 Punkten zurückgefallen. Hier sollte es nicht überraschen, wenn diese Zone im Laufe der kommenden Monate nicht verteidigt werden kann. Die isolierte technische Lage bei vielen Sektortiteln mahnt – nach Jahren der Hausse-Trends – ebenfalls zur Vorsicht. Der größte Sektortitel, die französisch-niederländische Unibail-Rodamco, hat zuletzt ihren siebenjährigen Hausse-Trend zur Seite verlassen, wobei jetzt die mittelfristige Support-Zone von 210 bis 215 Euro im Fokus steht. Aber auch im Sektormittelbau finden sich sowohl bei einigen britischen Immobilien-Aktien wie British Land als auch bei kontinentaleuropäischen Werten wie z.B. LEG Immobilien deutliche technische Eintrübungen, die eine mittelfristige relative Schwäche dieser Titel andeuten.

Stoxx Media: Bereits in der (Zwischen-)Baisse
Auch wenn Stoxx Media zurzeit 28 (Medien-)Aktien aus dem Stoxx 600 enthält, gehört dieser Index mit einem Anteil von ca. 2,7% (am Stoxx 600) zu den kleineren Bereichen. Einerseits hatte der Index seit März 2009 eine Hausse-Bewegung herausgebildet, die von 118 Punkten bis auf 339 Punkte (April 2015) führte. Andererseits hat die seit 19 Monaten bestehende (Zwischen-) Baisse nicht nur die Hausse-Bewegung abgeschlossen, sondern den Index auch in eine mittelfristige relative Schwäche-Position gegenüber dem Stoxx 600 gedrückt. Dabei sind es die nach Streubesitz großen Sektortitel wie der britische Kommunikationskonzern WPP und die auch im Euro Stoxx 50 enthaltene Vivendi, die mit ihren noch stabilen technischen Kursentwicklungen eine noch stärker ausgeprägte relative Schwäche des Sektors verhindert haben. Demgegenüber sorgen Titel aus dem Mittelbau des Sektors mit ihren zum Teil bereits seit vielen Monaten laufenden technischen Eintrübungen für diese Sektorschwäche. Hier sind der niederländische Informationsdienstleister Wolters Kluwer, die britischen Fernsehsender Sky Plc und ITV Plc sowie ProSiebenSat.1 und RTL Group und der französische Breitbandkommunikationsdienstleister SES zu nennen. Als technische Konsequenz sollte der Stoxx Media zunächst weiterhin in seinem (Zwischen-)Baisse-Trend (Start im Juli 2015 bei ca. 340 Punkten; Baisse-Trendlinie aktuell bei ca. 280 Punkten) verbleiben.

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Achim Matzke leitet den Bereich Technische Analyse & Index Research bei der Commerzbank. Nach dem Mathematik- und BWL-Studium startete er 1990 seine berufliche Karriere bei der Commerzbank. Er ist mit seinem Team maßgeblich für die Technische Analyse sowie die Erstellung von Prognosen und Strategien mit dem Schwerpunkt auf deutsche und europäische Aktien und Aktienindizes verantwortlich. 2014 wurde Achim Matzke von Thomson Reuters Extel Surveys erneut zum besten Analysten des Jahres für deutsche Aktien gewählt.

Achim Matzke ist in Printmedien (z.B. FAZ, Handelsblatt) ebenso als kompetenter Kolumnist tätig wie im TV als Interviewpartner bei ARD, CNBC und natürlich regelmäßig bei ideasTV.

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Achim Matzke ist in Printmedien (z.B. FAZ, Handelsblatt) ebenso als kompetenter Kolumnist tätig wie im TV als Interviewpartner bei ARD, CNBC und natürlich regelmäßig bei ideasTV.

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