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Hedgefondsprofi Doug Noland warnt „In der nächsten Krise wird sich die Bilanzsumme der Fed auf 10 Billionen Dollar verdoppeln“

08.11.2016, 15:41  |  1609   |   |   

Die US-Notenbank hat in den vergangenen Jahren Billionen von Dollar gedruckt und so die Schuldensause am Laufen gehalten. Der US-Finanzprofi Doug Noland kritisiert die Fed und die anderen Notenbank für das Aufblasen der riesigen Blase scharf. Der Experte rät zu extremer Vorsicht am Aktienmarkt und setzt auf Edelmetalle.

Die Daten aus den USA sind immer gleich unschön: Der Staat macht massiv Schulden und hält damit die Schuldensause bei den Konsumenten am Laufen. So waren die Studienkredite zuletzt auf den Rekord von horrenden 1,4 Billionen Dollar gestiegen, während die Autokredite auf 1,1 Billionen geklettert waren. Möglich macht das vor allem der Staat, denn 1,04 Billionen der 1,4 Billionen Dollar an Studienkrediten haben die Studenten vom Staat bekommen. Der Staat selbst macht wiederum Schulden, als gäbe es kein Morgen. Zuletzt waren die Staatschulden auf 19,79 Billionen Dollar geklettert. Seit Anfang 2015 sind sie damit um horrende 1,65 Billionen gestiegen. Das macht 75 Mrd. pro Monat und damit herbe 900 Mrd. an neuen Schulden pro Jahr.

Die aktuelle Blase ist viel größer als die vorherigen

Doug Noland kritisiert die Schuldensause des Staates scharf. Der Finanzprofi verfügt über jahrzehntelange Erfahrung als Aktienhändler und Hedgefondsprofi und betreibt die alternative Finanzseite „Credit Bubble Bulletin“. Noland hatte bereits 2002 vor der heraufziehende Immobilienblase gewarnt und die Blase bei Staatsanleihen im Jahr 2009 offen aufgezeigt. Er ist der Überzeugung, dass die aktuelle Blase viel größer ist als die vorherigen, weswegen auch ein Platzen der aktuellen Blase viel schlimmere Folgen haben werde als die vorheriger Blasen. Sorgen bereitet ihm, dass die Rally am Finanzmarkt der vergangenen Jahre hauptsächlich auf der extrem lockeren Geldpolitik der Notenbanken beruhe. Wenn nun aber die US-Notenbank anfange, die Geldpolitik allmählich zu verschärfen, könne das dramatische Folgen haben. „Die aktuelle Blase ist stark systemisch… Diese Blase ist anders als die anderen, weil sie eine weltweite Blase ist. Deswegen gibt es eine ganz andere Dynamik. Die Blase geht direkt bis zum Herzen des Geld- und Kreditsystems. Die Blase wird aufgeblasen durch die Staatsschulden“, sagte Noland. Die Blase Ende der 1990er-Jahre bei Technologie-, Medien- und Telekomaktien sei ganz anders gewesen. Sie hätte nur für eine bestimmte Zeit laufen können. „Irgendwann hatten die Leute genug von den Ramschanleihen und das hat den Zyklus beendet“, sagte Nolan.

„Notenbanker tun alles, um Blase am Laufen zu halten“

„Die (spätere) Blase am Immobilienmarkt war ein bisschen anders.“ Die Investoren hätten eine Menge Appetit auf Hypothekenanleihen gehabt. „Jene Blase ist viel länger gelaufen, viel länger, und hat damit einen stärkeren Einfluss auf die Wirtschaft gehabt. Die aktuelle Blase geht aber bis zum Herzen des Geld- und Kreditsystems. Die Notenbanker tun alles, um die Blase am Laufen zu halten. Sie läuft schon acht Jahre, weshalb wir in einem wirklich späten Stadium sind. Aber wir wissen nicht, wie sehr die Notenbanken versuchen werden, einen Rückschlag zu verhindern.“ Obwohl der US-Aktienmarkt die Risiken ignoriere und nicht weit unter dem Rekordhoch notiere, würden sich etliche Risse und Bruchstellen zeigen. Wenn sie offensichtlicher würden, werden sich die Investoren Gedanken machen, wie die Dominosteine fallen werden. Wenn das Vertrauen in eine Notenbank aber erst einmal verloren gehe, würden die Auswirkungen schnell und fatal sein. „Es gibt eine Menge Leichtsinn am US-Aktienmarkt“, warnte Noland. Obwohl die Fed die Zinsen ein bisschen erhöht habe, sei wegen des massiven Gelddruckens in der Euro-Zone und Japan weiter Geld in den US-Finanzmarkt geflossen. „Nun steht aber die japanische Notenbank im Fadenkreuz. Sie hat versucht, den Yen abzuwerten, aber es hat nicht funktioniert.“ Angeblich will die Notenbank über die Abwertung des Yen die Wirtschaft ankurbeln. Hauptsächlich geht es aber darum, den Nikkei nach oben zu treiben. Der neueste Dreh ist nun, die Zinsstrukturkurve zu manipulieren, aber das hat bislang auch nicht funktioniert.“ Die Notenbank will die Zinsen für zehnjährige Anleihen bei null Prozent verankern. „Die japanische Notenbank steht an der vordersten Front einer Vertrauenskrise. Und die EZB ist nur einen Schritt dahinter. Deren QE-Gelddrucken hat mit Sicherheit den Finanzmarkt in ganz Europa destabilisiert und ist ein wichtiger Grund für die Probleme der europäischen Banken.“ Bei immer weiter sinkenden Zinsen und Strafzinsen verringert sich der Zinsüberschuss der Banken immer weiter, weshalb sie immer stärker unter Druck kommen, je länger die Strafzinsperiode anhält.

US-Notenbank wird noch viel mehr Geld drucken

Da die Wirtschaft gerade in Japan schwach sei und die US-Wirtschaft viel langsamer als früher wachse, würden nun die Rufe nach Konjunkturprogrammen lauter, die durch die Notenpresse finanziert werden sollen. Nachdem die Fed in den Jahren nach der Lehman-Pleite Billionen von Dollar gedruckt hatte, ist die Bilanzsumme von 0,9 Billionen auf 4,5 Billionen nach oben geschossen. „Ich habe die Höhe der Bilanzsumme oft kritisiert und ich denke, dass 10 Billionen nicht lächerlich sind. Als ich es früher gesagt habe, mag es sich unglaublich angehört haben. In der nächsten Krise wird sich die Bilanzsumme aber verdoppeln.“ Der ehemalige US-Finanzminister Larry Summers fordere bereits, dass die Fed in der nächsten Krise massiv Aktien und Unternehmensanleihen kaufen solle. „Die Notenbanker sind verzweifelt. Es ist eine weltweite Blase. Und die Märkte glauben, dass die Notenbanken alles tun werden, um die Blase am Laufen zu halten. Und das ist sehr gefährlich… Für mich gibt es genügend Risse und Bruchstellen, um extrem vorsichtig zu sein. Ich würde mich nicht am weltweiten Finanzmarkt engagieren, ich würde es einfach nicht tun“, sagte Noland. Um erfolgreich zu sein, „haben die Investoren die Risiken ignorieren müssen. Und sie ignorieren sie heute noch, wie eh und je. Ich möchte aber nicht in der Situation sein, weil die Risiken so hoch sind. Ich will nicht investiert sein, wenn (plötzlich) alle merken, dass es Risiken gibt.“

„Ich mache mir viel mehr Sorgen als 2007“

„Ich denke es ist Zeit, um risikoscheu zu sein. Ich bin ein großer Fan der Edelmetalle. In sie kann man investieren. In Wertpapiere kann man meiner Meinung nach derzeit hingegen nicht investieren, weil ich nicht weiß, wie hoch das Risiko (tatsächlich) ist. Der Markt will die Risiken ignorieren. Was passiert aber, wenn sich die Notenbanken zurückziehen? Ich war 2007 sehr besorgt. Ich war sehr besorgt was passieren würde, wenn die Blase platzt. Heutzutage mache ich mir noch viel mehr Sorgen“, sagte der Profi. Wenn die aktuelle Blase platze, und den Bürgern klar werde, wieviel Geld verschwendet worden sei, um das Schuldensystem am Laufen zu halten, könne die Ablehnung der Bürger gegenüber dem Staat und seinen Organisationen stark zunehmen. „Blasen bedeuten für mich immer eine Umverteilung und eine Zerstörung von Vermögen. Während der Blase gibt es ein scheinbares Vermögen, das das System inflationiert. Die Leute glauben an das Scheinvermögen. Wenn die Blase aber platzt, werden die Leute feststellen, wieviel Geld verschwendet worden ist… Das wird nicht gut enden.“ 



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