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Aus der Geschichte von Trump und Amazon zu lernen, heißt Tesla zu verstehen

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
11.11.2016, 15:53  |  996   |   |   
ELON MUSK BEI EINEM TESLA-EVENT. BILDQUELLE: TESLA MOTORS

Er hatte gegen alle Regeln verstoßen und die meisten Experten setzten bis zuletzt keinen Pfifferling auf ihn. Trotzdem hat sich Trump gegen all seine Widersacher durchgesetzt. Wenn wir zurückblicken, dann lassen sich bei Amazon (WKN:906866) einige Parallelen entdecken. Möglicherweise führt uns diese Erkenntnis auch zu einem neuen Blick auf Tesla (WKN:A1CX3T).

Der Konflikt von Trump und Bezos

Es ist etwas kurios, dass Trump und Amazon-Chef Jeff Bezos vielleicht mehr gemeinsam haben, als ihnen lieb ist. Die beiden haben sich in den letzten Monaten eine Reihe von Scharmützeln geliefert. Bevorzugt über Twitter (WKN:A1W6XZ) gab es regelmäßig giftige Kommentare.

Bezos meinte, dass er Trump in einer seiner Blue-Origin-Raketen in den Weltall schießen will, während Trump drohte, dass Amazon bald mit kartellrechtlichen Untersuchungen rechnen müsse.

Der Milliardärs-Monitor von Forbes meldete auch passenderweise, dass Bezos am ersten Börsentag nach der Wahl 1,3 Mrd. Dollar seines „Nettowerts“ eingebüßt hat, wie die Amerikaner es gerne kühl ausdrücken. Warren Buffett, der Trump ebenfalls etwas zugesetzt hatte, steigerte sein Vermögen nebenbei bemerkt dank seines breit gestreuten Portfolios an Industrie- und Finanzwerten um 1,7 Mrd.

Die Parallelen der Strategien von Trump und Amazon

Aber warum behaupte ich, dass Trump und Amazon vergleichbar sind? Nun, zunächst ist festzustellen, dass beide Gewinner sind. Beide setzten sich gegen eine Vielzahl von Konkurrenten durch bis sie eine monopolähnliche Position erreicht haben.

Um dorthin zu kommen, benutzten sie alles andere als konventionelle Methoden. Amazon begann als Online-Buchhändler und stand mächtigen Konzernen wie Barnes+Noble und Bertelsmann sowie lokalen Dot-Coms gegenüber.

Die Wettbewerber versuchten es auf dem neuen Spielfeld mit bewährten Geschäftsmodellen. Sie trieben ihr Wachstum sorgsam voran, mit dem festen Ziel, aus den Online-Aktivitäten ein profitables Geschäft zu machen.

Bezos hingegen sorgte sich kaum um Gewinne, sondern setzte alles auf Wachstum. Kostenloser Versand, Rückgaberecht und drastisch verkürzte Lieferzeiten kosteten viel Geld, aber brachten treue Kunden.

Über all die Jahre des verlustreichen Wachstums gab es immer wieder Kritiker. Das Manager-Magazin sprach im Jahr 2000 von einer misslichen Lage. Amazon müsse „von Quartal zu Quartal immer mehr ausgeben, um die bisher eroberte Marktstellung zu halten“ und mache „den Weg frei für mächtige Konkurrenten“. Der Markteintritt des weltgrößten Einzelhändlers Wal Mart (WKN:860853) wurde als erhebliche Gefahr erachtet.

Aber Bezos hielt Kurs, feuerte das Wachstum weiter an, probierte viel aus und verfügte plötzlich über ein mächtiges Instrument, das alles Vorhergehende in den Schatten stellt: durch die Öffnung der Website für private Anbieter und kommerzielle Händler entstand eine Plattform, auf der heute nahezu jedes erdenkliche Produkt gehandelt wird.

In der nächsten Stufe wurde die Informationstechnik, die das alles möglich machte, für Programmierer und Unternehmen aller Art geöffnet. Damit wurde Amazon auch noch der mit Abstand größte Anbieter für Cloud Computing. IT-Größen wie Microsoft (WKN:870747) und Alphabet (WKN:A14Y6F) haben bis heute Mühe, da mitzuhalten.

Auch Trump brach von Anfang an alle Regeln. Kritik von allen Seiten prasselte über Monate auf ihn ein und doch gelang es ihm, mit einer neuartigen Taktik bei den Vorwahlen ein Dutzend hochrangiger Parteikameraden auszustechen. Der Baulöwe und Show-Man gab abwechselnd den Außenseiter oder das Sprachrohr der Vergessenen. Jede negative Äußerung ihm gegenüber wirkte dadurch auf viele wie eine Verschwörung von „denen da oben“.

Er selbst konnte sich hingegen hemmungslos über andere auslassen, ohne auf politische Korrektheit zu achten. Die Mitbewerber wurden der Lächerlichkeit preisgegeben. Dann später, als es gegen Clinton ging, verzichtete er darauf, seine Partei zu einen und machte als One-Man-Show weiter. Die meisten Experten glaubten, das sei ein Fehler. Aber es stärkte seinen Status nur noch mehr.

Auch bei allen drei TV-Duellen waren sich die Kommentatoren sicher, dass Clinton gewonnen habe. Sie wäre besser vorbereitet gewesen und habe überlegen gewirkt. Trump war stets nachlässig und machte lieber Wahlkampf in den umkämpften Staaten, die er später gewinnen sollte.

Wie sich nun herausgestellt hat, waren all die kleinen Teilsiege von Clinton nichts wert. Trumps Selbstinszenierung war wichtiger als alle Inhalte, Unterstützungsbekundungen von Stars und teuren Werbespots. Er ist sich wie Bezos gegen alle Kritik treu geblieben und hat am Ende gewonnen.

Was wir für die Einschätzung von Tesla daraus lernen können

Wie Trump und Bezos ist auch Elon Musk ein Rebell, der neue Wege einschlägt und regelmäßig überrascht. Mittlerweile häufen sich allerdings die Analysen, die behaupten, das Ende von Tesla sei nah. Es würde zu viel Geld verbrannt, der Einstieg in neue Geschäftsfelder sei unklug und nun treten auch noch immer mehr mächtige Konkurrenten auf den Plan.

Genauso wie es schwer war, sich vorzustellen, dass Amazon sich gegen Bertelsmann, Wal-Mart und Microsoft durchsetzen kann, kostet es heute viel Phantasie, um zur Überzeugung zu gelangen, dass Tesla gegen BMW (WKN:519000), Samsung (WKN:881823) und Co. gewinnen kann.

Der erste Impuls bei mir war bisher immer der Gedanke, dass die etablierten Autokonzerne jederzeit eine Offensive starten könnten, gegen die ein aufstrebendes und unprofitables Unternehmen wie Tesla keine Chance hat.

Allerdings lässt diese Offensive weiterhin auf sich warten, während Tesla munter weiter expandiert. Deshalb frage ich mich, ob es richtig ist, Tesla in den herkömmlichen Kategorien der Fahrzeugindustrie zu bewerten. Geht es wirklich noch um die Gewinnmarge für jedes verkaufte Auto? Oder ist Tesla vielmehr dabei, eine Plattform zu schmieden, die mit Amazon vergleichbar ist?

Um Tesla wirklich angemessen zu bewerten, müssen wir deshalb versuchen, uns zu überlegen, wie die nächsten Phasen im Wettbewerb aussehen werden. Wenn das reine Elektroauto den Büchern von Amazon entspricht, was entspricht dann der weltumspannenden Cloud- und Handels-Plattform?

Netzwerke gibt es auch bei der Elektromobilität genug, von den Ladestationen über Carsharing bis hin zur verteilten Stromerzeugung mit Solarmodulen. Die Ausstattung mit Autopilot und intelligenten Internetdiensten könnten weitere Säulen einer solchen Entwicklung sein.

Diese Frage musst du beantworten

Wohin das alles letztlich führt, kann ich im Moment noch nicht beantworten. Vielleicht weiß es auch Elon Musk selbst noch nicht genau. Sicher ist, dass er vieles probiert, was in die Richtung einer Plattform führt und wenn er damit Erfolg hat, dann wird Tesla viel mehr sein, als nur ein bloßer Hersteller von Elektrofahrzeugen.

Gleichzeitig droht den etablierten Herstellern das Schicksal von Bertelsmann Online und Hillary Clinton, wenn es ihnen nicht gelingt, aus herkömmlichen Denkmustern auszubrechen.

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Ralf Anders hält keine Wertpapiere genannter Unternehmen. Suzanne Frey ist Führungskraft bei Alphabet und Mitglied des Vorstands von The Motley Fool. The Motley Fool empfiehlt und besitzt Aktien von Alphabet (A-Anteile), Amazon.com, Tesla Motors und Twitter. The Motley Fool besitzt Aktien von Microsoft.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf fool.de veröffentlicht.



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