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Schäuble wird nervös – die Zinsen steigen

Gastautor: Daniel Saurenz
14.11.2016, 09:00  |  2070   |   |   

Frankfurt_BörseJeden Tag eine Kiste Trollinger frei Haus ins Frankfurter Ostend – eigentlich wäre diese Lieferung aus dem Bundesfinanzministerium angemessen. Denn im Vergleich zu den 2011 veranschlagten Zinszahlungen muss der Finanzminister 2016 rund 25 Milliarden weniger an Zinsen für Bundesanleihen unterschiedlicher Laufzeiten zahlen. Doch plötzlich wird man in Berlin etwas nervös. Die Zinsen für zehnjährige Bundesanleihen sind aus dem Negativkeller wieder auf 0,15 Prozent geklettert – eine Trendwende am Schuldenmarkt?

Auf alle Fälle sind Turbulenzen am weltweiten Anleihenmarkt zu verzeichnen, der im Vergleich zum Aktienmarkt um ein Vielfaches größer ist: So sind zuletzt die Zinsen sowohl in den USA als auch in der Euro-Zone deutlich gestiegen. So sind jene für zehnjährige Bundesanleihen, die Ende September noch bei minus 0,15 Prozent gelegen hatten, zuletzt bis auf 0,15 Prozent geklettert. Im Gegenzug ist der Bund-Future von 166 Punkte auf 162 Punkte gesunken. Der Bund-Future ist ein Terminkontrakt, der sich auf eine fiktive, zehnjährige Bundesanleihe mit einem Kupon von sechs Prozent bezieht.

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Für den Zinsanstieg in der Euro-Zone ist vor allem der Anstieg in den USA verantwortlich. So erwarten viele Investoren, dass die US-Notenbank bei der Sitzung am 14. Dezember die Zinsen anheben wird. Verstärkt wurde der Zinsanstieg in der Euro durch Medienberichte, wonach die EZB das aktuelle Anleihenkaufprogramm, das nach den bisherigen Planungen bis März 2017 mit 80 Mrd. Euro pro Monat läuft, anschließend zurückfahren könnte.

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Etliche Gründe sprechen gegen eine US-Zinserhöhung

Börse_USA_NewYork_5Die Frage ist allerdings, ob es tatsächlich zu einer „offiziellen“ Zinserhöhung in den USA kommen wird? Immerhin bremst der Zinsanstieg der vergangenen Monate die ohnehin schwache Wirtschaft deutlich. Je stärker die Zinsen vor dem 14. Dezember steigen, umso weniger muss Fed-Chefin Janet Yellen anschließend die Leitzinsen erhöhen, weil der vorherige Zinsanstieg die Wirtschaft bereits bremst. Ein zweiter Grund spricht ebenfalls gegen eine Zinserhöhung: Der deutlich steigende Dollar, wodurch das Wirtschaftswachstum zusätzlich gedämpft wird. Denn ausländische Produkte werden in den USA billiger, während US-Produkte im Ausland teurer werden. Angesichts der Fakten könnte die Fed bei der Sitzung am 14. Dezember einmal mehr die Zinsen nicht erhöhen, was für eine Beruhigung am Anleihenmarkt sorgen könnte.

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EZB dürfte Programm nicht zurückfahren

Und wie geht es bei den Zinsen in der Euro-Zone weiter? Die Sorge, dass die EZB ihr Anleihenkaufprogramm bald zurückfahren könnte, dürfte unbegründet sein. Zuletzt sagte EZB-Direktor Benoit Coeure die EZB werde ihre geldpolitischen Stimulierungsmaßnahmen fortsetzen, bis die Inflation merklich zu steigen beginnt. Damit sendete die EZB ein neues Signal, dass das Kaufprogramm in Höhe von monatlich 80 Milliarden Euro über den März 2017 hinaus verlängert werden könnte. Die gegenwärtigen Maßnahmen seien “angemessen”, und es gebe derzeit nur wenige Anzeichen für negative Seiteneffekte auf die Wirtschaft.

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Börse-EZB-DAX2Es gäbe zwar eine Untergrenze bei den Zinsen. Diese liege aber unter dem aktuellen Einlagensatz. Er liegt derzeit bei minus 0,4 Prozent. Nach einer Reduzierung des Anleihenkaufprogramms und damit einer Verschärfung der Geldpolitik hören sich derartige Aussagen absolut nicht an, oder? Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters wird die EZB ihr Programm vielmehr verändern, und künftig mehr Anleihen von Ländern der Peripherie, wie Italien und Spanien kaufen. In dem Umfeld sollten die Zinsen wieder den Rückwärtsgang einlegen.

Kurzfristig, also bis zur Fed-Sitzung am 14. Dezember, könnten zwar die Zinsen in den USA und damit auch in Europa noch etwas weiter steigen. Sollte die Fed aber einmal mehr nichts unternehmen oder es – Variante b – bei der einen Zinserhöhung auf absehbare Zeit belassen – könnten die Zinsen wieder den Rückwärtsgang einlegen.

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Draghi dürfte bereits einige Tage zur bei der Sitzung am 8. Dezember Investoren unmissverständlich klarmachen, dass eine sehr lockere Geldpolitik weiterhin das Gebot der Stunde ist. In einem Umfeld sinkender Zinsen würde der Bund-Future nach oben drehen. So ist also durchaus realistisch, dass Wolfgang Schäuble oder seine möglichen Nachfolger auch nach der Weinlese 2017 Kistenweise Trollinger versenden müssten. Im Falle einer Finanzministerin Wagenknecht wäre es allerdings dann eher Riesling von der Mosel.



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Der ehemalige FTD-Redakteur und Börse Online-Urgestein Daniel Saurenz hat zusammen mit Benjamin Feingold das Investmentportal „Feingold Research“ gegründet. Dort präsentieren die beiden Börsianer und Journalisten ihre Markteinschätzungen, Perspektiven und Strategien samt Produktempfehlungen. Im strategischen Musterdepot werden die eigenen Ideen mit cleveren und meist etwas „anderen“ Produkten umgesetzt und für alle Leser und aktiven Anleger verständlich erläutert. Weitere Informationen: Feingold Research.

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