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Eine Woche nach der Trump Wahl - Worauf müssen wir uns einstellen?

Gastautor: Guido vom Schemm
17.11.2016, 15:10  |  625   |   |   

Jetzt liegt die historische US-Wahlnacht eine Woche hinter uns. Viele Experten hielten einen Wahlsieg Trumps für sehr unrealistisch, sehen sich nun aber eines Besseren belehrt. Auch aus Sicht der Finanzmärkte kam nach dem Sieg des Republikaners alles anders als erwartet. Nach einem kurzen Absacken kletterten die Börsenkurse am Tag nach der Entscheidung. Der sichere Hafen Gold verlor deutlich. Auf welche Entwicklungen dürfen sich die Anleger jetzt einstellen?

Nach den forschen Tönen Trumps im Wahlkampf war es klar, dass er im Falle eines Sieges schnell zurückrudern würde. Dies hat er bereits getan. An der Grenze zu Mexiko soll jetzt anstelle einer Mauer "nur" noch ein Zaun errichtet werden. Obamacare bleibt, nur etwas anders. Die angedeutete Bankenregulierung wird wohl deutlich laxer ausfallen und die Abschiebung illegaler Einwanderer wird ebenfalls abgestumpft. Von zwölf Millionen auszuweisenden Menschen, die sich illegal in den USA aufhalten, sollen jetzt wohl "nur" noch drei Millionen das Land verlassen.

In Sachen Wirtschaft wird es auch einige Änderungen geben. Trump möchte die heimische Wirtschaft stärken. Dazu gehören Steuersenkungen sowohl für Privatpersonen als auch für Unternehmen. Die individuellen Einkommenssteuersätze sollen auf 33,25 und 12 Prozent gesenkt werden. Der bisherige Spitzensteuersatz von 39,6 Prozent soll künftig wegfallen. Dazu sollen ausländische Unternehmen mit Strafzöllen belastet werden. So soll Amerika als Wirtschaftsstandort wieder interessanter werden. Er setzt darauf, dass seine Reform dazu führen wird, dass amerikanische Firmen, die ins Ausland abgewandert sind, wieder zurück in die USA ziehen - und somit auch ihre im Ausland geparkten Gewinnen wieder nach Amerika bringen und dort versteuern, aber vor allem investieren. Zu dieser Strategie gehört ebenfalls eine konsequente Ablehnung jeglicher Freihandelsabkommen. Das geplante Freihandelsabkommen mit der EU (TTIP) lehnt er ab und wird die Verhandlungen wohl platzen lassen. Zudem hat er angekündigt die nordamerikanische Freihandelszone NAFTA zwischen den USA, Kanada und Mexiko neu zu verhandeln. Diese besteht seit 1994. Zu guter Letzt möchte er Amerikas marode Infrastruktur durch massive Programme wieder auf Vordermann bringen.

Diese ambitionierten Ziele dürfte Trump aber nur erreichen, indem er weiter massiv Geld drucken lässt. Die Gelddruckorgie und die Investitionspläne dürften mittelfristig für eine deutlich höhere Inflation sorgen. Der neue US-Präsident hat auch schon angekündigt, dass er es befürworten würde, wenn die Leitzinsen in den USA schnell und deutlich angehoben werden.

Ob dies alles so umsetztbar ist, bleibt höchst fraglich. Falls die FED die Leitzinsen in den nächsten Monaten deutlich anheben sollte, kämen Europa und Japan wohl in Zugzwang und müssten nachziehen. In Europa wird eine Zinsanhebung destabilisierend wirken, da einige Länder sicherlich Probleme mit der Zinslast bekommen würden. Eine deutliche Anhebung der Zinsen würde zudem China vor den Kopf stoßen, da sie auf großen Beständen an US-Staatspapieren sitzen, welche bei einer Zinsanhebung Korrekturpotential entfalten.

Das größte Problem hätte aber Amerika selbst. Bei deutlichen Zinserhöhungen und einer Ausweitung der Schulden stellt sich die Frage, wie Amerika dies schultern will. Schon jetzt liegt die Staatsverschuldung bei 107% des Bruttoinlandsproduktes. In diesem Jahr wird das Defizit wohl wieder bei etwa fünf Prozent im Verhältnis zum BIP liegen. Heißt im Klartext, dass die USA höhere Zinssätze auf immer höhere Schulden zahlen muss. Um diese Herkulesaufgabe zu stemmen, ist wohl eine hohe einstellige Inflation notwendig, um wenigstens den Schuldenberg nicht auszuweiten.

Trump gilt aufgrund seiner restriktiven Vorstellungen zur Einwanderung, seiner protektionistischen wirtschaftspolitischen Pläne und seiner generellen Unberechenbarkeit als Risiko. Und nichts scheuen Notenbanker, die ihre Zinsen anheben wollen, mehr als Unsicherheit. Die Frage, wie unabhängig die FED sein wird, bleibt offen. Die neue Regierung wolle die FED womöglich unter ihre Kontrolle bringen und sie zum Erfüllungsgehilfen machen.



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Guido vom Schemm ist Geschäftsführer der GVS Financial Solutions GmbH in Dreieich. Der studierte Betriebswirt verfügt über elf Jahre Berufserfahrung in der Finanzindustrie, davon je zwei Jahre als Aktienanalyst bei der Cominvest GmbH/ Cominvest Asia und als Vorstandassistent bei der Commerzbank AG sowie drei Jahre als leitender Direktor einer großen Wertpapierspezialisteneinheit der Commerzbank AG. Weitere Informationen unter www.gvs-fs.de.

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