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Marktkommentar: Patrick Picenoni (CONREN): Game Changer Donald Trump?
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Marktkommentar Patrick Picenoni (CONREN): Game Changer Donald Trump?

Nachrichtenquelle: Asset Standard
17.11.2016, 00:00  |  411   |   |   

Patrick Picenoni wirft einen Blick auf die ersten Tage nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten. Sein Fazit: Nüchtern bleiben.

Die US-Wahl hat uns alle beschäftigt und bewegt. Wir werden uns alle noch lange darin erinnern. Es gibt ein weites Feld an Themen, das uns in diesem Zusammenhang auf der Zunge brennt: Die Spaltung vieler westlicher Gesellschaften mit einhergehendem Populismus, eine veränderte Medienlandschaft in Zeiten von Social Media, Silent Votes etc. Doch als Investoren – mit treuhänderischem Mandant – müssen wir nüchtern denken: Wir müssen aus der Vielzahl von Daten und Berichten die wichtigen Fragen für die taktische und die strategische Ausrichtung unser Portfolios herausfiltern, beantworten und uns entsprechend positionieren sowie für das, was da noch kommen kann, vorbereiten. Was in den ersten Tagen einer Wahl an den Märkten passiert, ist historisch gesehen kein guter Indikator für die folgenden 12 bis 24 Monate.

Was haben wir bei CONREN taktisch getan?

Es ist Teil unserer Anlagestrategie mit breit diversifizierten Portfolios langfristig ausgerichtet zu sein und gleichzeitig sich bietende kurzfristige Opportunitäten zu nutzen. Diese zeitliche Diversifikation ist ein stabilisierender Faktor für unsere Portfolios. Auch für uns war der mögliche Ausgang der Wahl im Vorfeld alles andere als klar. Trotzdem sind wir gut vorbereitet in dieser äußerst angespannten Lage gegangen. Auf diese Weise konnten wir trotz dem Vorliegen der zunächst hohen intra-day-Verluste an den Märkten (um sechs Uhr morgens lagen zum Beispiel die Futures auf den S&P 500 bei -5%), die Gelegenheit taktisch nutzen, um antizyklisch unsere Absicherungen auf Aktien aufzulösen. Es wurde am frühen Mittwochmorgen doch recht schnell klar, dass die Befürchtungen und Reaktionen der Märkte übertrieben scheinen und, dass die Verkaufsstimmung –anders als noch beim Brexit – wesentlich schneller als zuvor erwartet, abebben würde.

Donald Trumps versöhnliche Siegesrede war hier durchaus wichtig. Unsere US Staatsanleihen hatten wir schon zuvor abgesichert, sodass uns die in den letzten Tagen extrem ansteigenden Renditen nicht wirklich geschadet haben. Zudem haben wir bei einigen Werten niedrigere Einstiegskurse genutzt. Das ist alles in allem bisher recht gut gelaufen: Die CONREN Fonds konnten in der letzten Woche um 2.19% (Fortune) sowie 3.25% (Equity) zulegen und der Fixed Income hat derweil nur um -0.12% nachgegeben. Aber wir bleiben weiterhin sehr wachsam und vorsichtig. Die Lage bleibt angespannt und daher werden wir uns für die nächsten Wochen auf höhere Volatilitäten einstellen müssen.

Diese Grafik zeigt wie sich die Branchen des US-Aktienindex S&P am Tag nach der Wahl entwickelt haben:



Diese Grafik zeigt wie sich der US-Aktienindex S&P in den Tagen um die Wahl bewegt hat:


Wie reagieren wir bei CONREN strategisch?

Strategisch – also langfristig – ist die Sache aus heutiger Sicht schwieriger zu beurteilen: Niemand weiß heute genau, wie eigentlich das konkrete politische Programm von President-Elect Trump aussehen wird und was er überhaupt durchzusetzen in der Lage ist. Donald Trump ist im Wahlkampf mit extremen Positionen aufgewartet und bleibt schwer einzuschätzen. Auf der einen Seite hängt diese Problematik sowohl mit der Person Trump zusammen als auch mit der Art des Wahlkampfes. Darüber hinaus ist die republikanische Partei tief gespalten.

Auf der anderen Seite gibt es eine ganze Reihe von Check & Balances, also die gegenseitige Kontrolle der Verfassungsorgane, im amerikanischen System. Außerdem ist der unmittelbare Einfluss auf unternehmerische Aktivität und die volkswirtschaftlichen Gegebenheiten begrenzt. Vergessen wir nicht, dass das Ereignis „Trump“ u.a. auf eine schwach wachsende Weltwirtschaft, ein historisches Niedrigzinsumfeld, eine technologische Revolutionen und Märkte in gereiften Bullenmärkten trifft. Trump kann hier durchaus neue Impulse setzen: etwa mit einer expansiven Fiskalpolitik oder durch eine Neudefinition der Rolle der USA in der Welt etc. 

Als zentrale Stellschrauben und Indikatoren sehen wir weiterhin den USD und die Entwicklung der Renditen von Staatsanleihen (siehe dazu unseren Blog „Long live the King  – Der US-Dollar regiert die Welt“). In diesem Zusammenhang gehen wir davon aus, dass es ein größeres Fiskalpaket in den USA geben wird (auch die Demokraten sind hier nicht abgeneigt). Donald Trump sagt, er plane in fünf Jahren 550 Milliarden USD in Straßen, Eisenbahnen und Flughäfen zu investieren – das ist ein recht großer Betrag. Gleichzeitig wolle er die Unternehmenssteuern von 35% auf 15% herabsetzen und die Einkommensteuer für die besser Verdienenden senken. Damit werden die Staatseinnahmen von derzeit etwa 18% des Bruttoinlandprodukts auf 13% bis 14% sinken, während die Ausgaben steigen. Das ist eine deutliche fiskalische Unterstützung für die Konjunktur, auf Kosten eines markant höheren Defizits im Staatshaushalt. Wie schon seit längerem geschrieben, wird nach der an Kraft verlierenden unkonventionellen Notenbankpolitiken Fiskalpolitik kommen müssen. Nach Japan wären die USA nun die zweite westliche Wirtschaftsmacht, die diesen Weg geht. Europa wird nicht zu lange auf sich warten lassen und der bisherige Fiskalpakt im Sinn der eingeschworenen Austeritätspolitik zulasten der Peripherieländer könnte brechen.

Die expansive Fiskalpolitik ist allerdings keine gute Nachricht für den Anleihenmarkt, die Zinsen dürften steigen und die Kurse sinken – auch wenn US-Treasuries bereits am Wahltag stark negativ reagiert haben, so stieg die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen von unter 1.80% auf über 2.05% (derzeit bereits über 2.20%). Die Kurse von Staatsanleihen haben in den letzten Tagen entsprechend gelitten: Zehnjährige Staatsanleihen haben zum Beispiel seit Anfang Juli diesen Jahres ca. 6% nachgegeben, dreißigjährige ca. 14% (siehe Übersichten unten). Das könnte nur ein Vorgeschmack sein (Wir schreiben bereits lange über die Gefahren der extrem hohen Bewertungen von Staatsanleihen. Lesen Sie zum Beispiel hier mehr dazu „Anleihen als Portfoliobaustein im Niedrigzinsumfeld – wie und wo investieren?“).

Die Zinsen steigen, weil das Infrastrukturprogramm die Konjunktur unterstützt und weil die Staatsverschuldung in den kommenden Jahren deutlich zunehmen wird. Das wird auch eine gewisse Ausstrahlung auf Europa haben. Ein wenig kann sich Europa abkoppeln, wegen des Anleihenkaufprogramms der Europäischen Zentralbank. Die Wirtschaftspolitik von Donald Trump muss also keineswegs negativ sein, vorausgesetzt dass es keinen starken geopolitischen Rückschlag gibt. Profitieren dürften binnenorientierte Unternehmen in den USA, die Erdölindustrie, die Banken, die Rüstungsindustrie, Infrastrukturunternehmen und nach anfänglicher Unsicherheit, mittelfristig auch der Technologiesektor. Sollte die Inflation in den USA dann doch langsam ansteigen (wovon wir für 2017 ausgehen), dann werden wir die Gold-/Minenquote (wie bereits letzte Woche begonnen) sowie zyklische Aktienanlagen weiter ausbauen (zulasten von defensiven Werten und Anleihen).

…und Europa?

Die Anti-Establishment-Haltung ist kein rein-amerikanisches Phänomen und kein Zufall. Sie ist damit auch in Europa auf dem Vormarsch. Es ist klar, dass populistische Bewegungen wie die AfD in Deutschland oder der Front National in Frankreich den Erfolg Trumps nicht nur beklatschen, sondern sich davon inspirieren lassen. Der Brexit ist hier nur ein Beispiel für entsprechende Wechselwirkungen. Eine weitere Parallele sind die Umfragen und Prognosen, die nach dem Brexit nun auch bei Trump fast durchs Band falsch lagen. Falls Matteo Renzi sein Referendum Anfang Dezember verliert (wonach es aktuell aussieht) und, wie angekündigt, als Konsequenz zurücktritt, werden sage und schreibe Regierungen, die 75% der EU-Wirtschaftsleistung repräsentieren, zur Wahl stehen.

Ein Appell in eigener Sache

Wir denken, dass in diesen Zeiten ein aktives Vermögensmanagement immer wichtiger wird. Die Welt gewinnt weiter an Komplexität, die Menge an Nachrichten und deren Geschwindigkeit nimmt weiter zu, die Märkte reagieren wiederum immer schneller und erratischer. Solange Märkte dazu tendieren zu steigen, ist dies nicht weiter schlimm, doch es bleibt zu betonen, dass wir uns wahrscheinlich im letzten Drittel von, historisch betrachtet, recht langen Bullenmärkten bei Aktien und Anleihen befinden.

Ein paar weitere Punkte haben wir uns erlaubt, weiter unten zusammenzufassen. Hier finden Sie auch Grafiken zur Marktentwicklung.

Aktuelle Markentwicklungen

US-Staatsanleihen seit 1.7.2016 (beispielhaft) 

  • rot: 30-jährige US-Staatsanleihe mit einem Verlust von ca. 13%
  • blau: 10-jährige US-Staatsanleihe mit einem Verlust von ca. 6%


Branchen des US-Aktienindex S&P seit 7.11.2016



Aktienindizes verschiedener Regionen seit 1.11.2016


Was ist passiert?

Nach dem unerwarteten Brexit-Votum ist es nun schon wieder passiert! Wider Erwarten und entgegen den Resultaten der meisten Umfragen und Experten haben die Amerikaner Donald Trump zum Präsidenten gewählt. Warum? Nach unserer Einschätzung ist es wie beim Brexit ein Votum gegen das sogenannte „Establishment“. Donald Trump hat die Battleground States gewonnen und auch Bundesstaaten, die als sicher demokratisch galten. Das Ganze ist eine große Sensation. Die Krise der Globalisierung wird durch die Wahl und den Wahlausgang noch einmal bestätigt. Marktliberalisierung, Automatisierung und Digitalisierung haben zu Strukturveränderungen in klassischen Industriesektoren und zu steigenden Arbeitslosenzahlen geführt. Eine beträchtliche Bevölkerungsgruppe zählt sich nicht zu den Gewinnern der Globalisierungsprozesse, fühlt sich in dieser digitalisierten Welt verloren und fremdbestimmt. Das Erfolgsmodell „Einwanderungsland USA“ ist in Frage gestellt. Überfremdungsängste nehmen zu. Eine Wut hat sich in nicht unerheblichen Teilen der Gesellschaft aufgestaut, die sich in dieser Wahl dann entladen hat. Dasselbe Phänomen können wir natürlich auch in Europa in aller Deutlichkeit sehen. Die politischen Ereignisse in 2016, dies wie jenseits des Atlantiks, sind dabei eben keine „Ursache“ der Malaise, sondern die „Wirkung“ von zunehmend unzufriedenen Bevölkerungsgruppen. In Florida hat man gesehen, wie geteilt das Land ist. Man hätte gedacht, dass es sich Trump in dem Bundesstaat mit einer großen hispanischen Bevölkerung mit seinen Äußerungen über angeblich kriminelle Latinos und Vergewaltigungsvorwürfen verscherzt hätte. Aber mit Marco Rubio hat ein Republikaner mit hispanischen Wurzeln die Senatoren-Wahl gewonnen und die große kubanische Gemeinde ist traditionell eher republikanisch. Die Mehrheit hat einen „Outsider“ gewählt, der im Wahlkampf große Versprechungen gemacht hat, Amerika wieder groß machen zu wollen. Nach acht Jahren eines schwarzen Präsidenten ist Amerika anscheinend nicht für eine Frau bereit, und die Wut der Bürger hat einen Demagogen ins Weiße Haus getragen. Der Mobilisierungsgrad der Anhänger von Trump und der republikanischen Partei waren größer als angenommen und Hillary Clinton war für viele offenbar einfach nicht wählbar.

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