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Barrick Gold und Deutsche Bank- 6 Thesen zu Donald Trump

Gastautor: Daniel Saurenz
18.11.2016, 06:00  |  673   |   |   

USA_Texas_VW_BMWEine Regierung hat für gewöhnlich eine Schonfrist von 100 Tagen, so lautet zumindest in Deutschland ein ungeschriebenes Gesetz. Donald Trump hatte an den Finanzmärkten eine Schonfrist von zwei Stunden. Dann trafen die Investoren ihre ersten Entscheidungen und die waren Kaufsignale für Aktien, den US-Dollar und Bankentitel im Speziellen und gleichzeitig ein Verkaufssignal für Yen, Franken, Gold und vor allem US-Bonds. Doch so einfach wird es nicht weitergehen. Trumps angekündigte Politik hat Interpretationsspielraum von Aktienhausse bis Anleihencrash.

1) US-Staatsanleihen liefen nach der Wahl Donald Trumps ebenso wie Bundesanleihen in einen kleinen Crash. Trump will neue Schulden machen, diese müssen die USA finanzieren und dies treibt die Renditen weit über zwei Prozent für die Zehnjährigen. Unter Ronald Reagan gingen die Renditen weit höher und viele Anleger fürchten oder erhoffen Parallelen.

Zwischen Trump-Wahl & Italien-Referendum: Die Börsen im Würgegriff der Politik – Hier die Aufzeichnung unseres Chart-Webinars.

Doch es gibt einen wesentlichen Unterschied – in den 80er-Jahren waren die Notenbanken längst nicht so aktiv mit Anleihenkaufprogrammen am Markt wie jetzt. Daher bleibt abzuwarten, wer stärker ist – der Markt oder die Notenbanken. Denn diese werden versuchen, die Zinsen künstlich niedrig zu halten. Speziell in Europa würden viele Länder bei stark steigenden Zinsen vor dem Kollaps stehen, allen voran Italien als eine der zehn größten Volkswirtschaften.

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2) Gold wurde von fast allen Analysten als Fluchtwährung angekündigt für den Fall einer Niederlage Hillary Clintons. Wie so oft passiert genau das Gegenteil – in der ersten Woche musste man alles haben, aber ganz bestimmt nicht Gold. Dies muss aber nicht so bleiben. Sorgt Trump für Unsicherheiten oder weiche Währungen, könnte Gold schnell eine Erholung erleben, ebenso wie Silber.

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3) Bankaktien sind seit dem 11.September begehrt wie ein guter Manager beim HSV. Investoren setzen darauf, dass die Bankenregulierung lascher ausfallen könnte als gedacht und freuen sich im Gegenzug über die steigenden Zinsen. Dies verbessert die Zinsmarge der Banken und die Wende am Zinsmarkt hat den jahrelangen Abwärtstrend selbst bei der Deutschen Bank gestoppt. Sie konnte vom Oktober-Tief mittlerweile fast 50 Prozent zulegen. Doch zu früh sollten sich Anleger nicht entspannen. Ein negatives Votum für die Reformpläne Matteo Renzis in Italien im Dezember und die Bankenkrise könnte zumindest in Europa wieder aufflackern.

Lesen Sie auch: Deutsche Bank – Kunden ziehen Geld ab

DAX_Symbol4) Seit der Wahl am 11.September ist die Volatilität am Aktienmarkt in sich zusammengefallen, sind die Anleger wieder im alten Modus der Sorglosigkeit. Die große unbekannte Komponente ist jedoch die Entwicklung am Anleihemarkt. Sollten die Zinsen rasch weitersteigen, brächte dies Verwerfungen im Bondmarkt mit sich, der weitaus größer und bedeutsamer ist als der Aktienmarkt. Dies würde jedoch auch an DAX, Dow Jones oder S&P 500 nicht spurlos vorbeigehen, sollte die Bondblase unkontrolliert platzen. Deshalb ist damit zu rechnen, dass die extrem niedrigen Volatilitätslevel aus dem Sommer erst einmal passe sind.

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5) Die Gewinner der letzten Jahre könnten mit Trump überraschend auf die Verliererliste geraten. Eine Branchenrotation erfordert Feingefühl und hängt daran, welche Maßnahmen Trump wirklich umsetzt. Legt er Facebook, Google und Co. Steine in den Weg, dürfte sich besonders die Nasdaq schwertun, da dort die sogenannten FANG-Aktien ( mehr dazu hier ) hoch gewichtet sind. In den letzten Jahren hielten Google, Facebook, Amazon oder Netflix ihre Indizes aufgrund ihrer hohen Gewichtung häufig noch nah an den Höchstständen als viele andere Branchen längst korrigiert hatten. Dies könnte sich nun drehen und die Auswahl des richtigen Sektors umso entscheidender werden.

USA_Presse_Dollar6) Ein weiterer unberechenbarer Faktor ist der US-Dollar. In der ersten Reaktion auf Trump war er massiv gesucht, dies wiederum stützte aufgrund des Verhältnisses Dollar zu Yen auch den Aktienmarkt. Seit Ende 2014 hatte der Yen gegenüber dem Dollar aufgewertet, dies beendete damals die Rallye in den USA.

Hier finden Sie eine Realtime-Übersicht der wichtigsten Währungspaare.

Ein schwacher Yen käme den Investoren nun zur rechten Zeit, wenngleich ein zu starker Dollar wiederum den US-Außenhandel belastet. Für Europäer wäre ein schwacher Euro zum Dollar eigentlich gut, jedoch leiden Exporttitel unter möglichen Sanktionen, die Trump in Aussicht stellte. Die Gleichung schwacher Euro zum Dollar gleich starker DAX muss daher nicht mehr zwangsläufig gelten. Investoren beobachten daher ganz genau die Interdependenzen am Währungsmarkt, auch dort muss die Lage neu bewertet werden.



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Der ehemalige FTD-Redakteur und Börse Online-Urgestein Daniel Saurenz hat zusammen mit Benjamin Feingold das Investmentportal „Feingold Research“ gegründet. Dort präsentieren die beiden Börsianer und Journalisten ihre Markteinschätzungen, Perspektiven und Strategien samt Produktempfehlungen. Im strategischen Musterdepot werden die eigenen Ideen mit cleveren und meist etwas „anderen“ Produkten umgesetzt und für alle Leser und aktiven Anleger verständlich erläutert. Weitere Informationen: Feingold Research.

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