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Aktienanleihen sind wahre Multitalente

20.11.2016, 11:30  |  400   |   |   

Nur keine Hektik bei der Rendite! Dass klassische Sparprodukte ausgedient haben, wissen Leser von EINBLICKE. Entsprechend haben wir in den letzten Ausgaben eine interessante Anlagenform Ihnen vorgestellt, die neben Aktien eine mehr als ordentliche Rendite einbringt. Aktienanleihen. Wir sprachen mit Heiko Geiger, Head of Public Distribution Deutschland & Österreich der Bank Vontobel Europe AG, über konkrete Renditen und verschiedene Marktszenarien.

Bildquelle: Vontobel

Heiko Geiger, Head of Public Distribution Deutschland & Österreich der Bank Vontobel Europe AG

EINBLICKE: Warum soll denn ein Anleger eine Aktienanleihe kaufen, wo ist der Vorteil?

Heiko Geiger: Aktienanleihen sind sehr flexibel in ihren Einsatzmöglichkeiten. Für den Aktionär generiert die Aktie eine lineare Partizipation. Das bedeutet für Seitwärtsmärkte kaum bis keine Rendite, in fallenden Märkten Verluste und in steigenden Märkten Gewinne. Bei Aktienanleihen hingegen wissen Anleger im Vorfeld bereits wie lange ihr Geld angelegt ist und welche Maximalrendite in Form der Kuponzahlung sie erwirtschaften können. Über die Festlegung des Basispreises können Anleger sogar individuell entscheiden, welches Risiko sie an den Märkten eingehen wollen bzw. wie hoch ihre Zielrendite und das korrespondierende Risiko sein soll. Aktienanleihen bieten darüber hinaus die Möglichkeit, über ein bestimmtes Maß die Position abzusichern. Eine gute Übersicht bekommen Anleger, wenn sie die Aktie mit den Konditionen einer Aktienanleihe vergleichen, bei welcher der korrespondierende Basiswert am Geld (also bei 100%) notiert.

In welchem Umfeld/Marktszenario eignen sich Aktienanleihen besonders?

Aktienanleihen eignen sich für leicht fallende, seitwärtstendierende oder leicht steigende Marktumfelder. Daher stellen sie auch eine Art Multitalent für bestimmte Marktphasen dar. Wichtig ist, dass Anleger im Voraus eine klare Markterwartung haben und daraus abgeleitet das für sie geeignete Finanzinstrument wählen. Gerade in Marktphasen, in denen Aktien nur wenig oder keine Rendite generieren, können Aktienanleihen mit einer Kuponausschüttung punkten, die mitunter deutlich über der Dividendenrendite der Aktie liegen kann. Viele Anleger überbrücken diese richtungslosen Marktphasen mit Aktienanleihen und kassieren den Kupon. Am Ende der Laufzeit bildet dieser entweder die Maximalrendite, sofern die Aktienanleihe zum Nennwert getilgt wird, oder der Anleger wird zum Aktionär, wenn zum Laufzeitende die Aktie unter dem Basispreis notiert und der Anleger in einem vorher definierten Bezugsverhältnis Aktien ins Depot gebucht bekommt.

Gibt es unterschiedliche Typen von Aktienanleihen, wenn ja welche?

Am meisten nachgefragt wird die klassische Aktienanleihe. Bei diesem Instrument steuert der Anleger sein Risiko über das Zusammenspiel von Basispreis und Kupon. Hier gilt das klassische Chance-Risikoverhältnis: je tiefer der Basispreis unterhalb des aktuellen Aktienkurses gewählt wird, umso kleiner die Renditechance, also umso geringer der Kupon und umgekehrt. Darüber hinaus gibt es noch die sogenannten Protect Aktienanleihen. Diese verfügen über eine zusätzliche Barriere und schützen den Anleger vor möglichen Kursrückgängen des Basiswerts. Bei diesen Produkten korreliert der Abstand zur Barriere ebenfalls mit der Höhe des Kupons. Anleger steuern hier das Risiko über den Abstand des Basispreises zur Barriere und nicht über den Basispreis alleine. Berührt der Basiswert während der Laufzeit diese Barriere nicht oder fällt nicht darunter, so erhält der Anleger seinen investierten Betrag und den hohen Kupon. Berührt der Basiswert hingegen die Barriere oder fällt darunter, wird dem Anleger der Basiswert oder ein Betrag entsprechend eines vorher festgelegten Bezugsverhältnisses anstatt seines investierten Geldes geliefert. Anleger, die den Abstand zur Barriere schätzen und gleichzeitig aber eine höhere Renditechance haben möchten, greifen zur dritten Gruppe an Aktienanleihen – der sogenannten Protect Multi Aktienanleihe. Diese Gattung basiert auf mehreren Basiswerten und impliziert dadurch die höhere Wahrscheinlichkeit eines Barrierebruchs. Dieses erhöhte Risiko wird deshalb in der Regel mit einem höheren Kupon belohnt.

Wie steht es um das Chance-Risiko-Verhältnis bei Aktienanleihen?

Mit Aktienanleihen können Anleger individuelle Chance-Risiko Profile abbilden. Wer aktienaffin ist, aber die Aktie nicht zum aktuellen Kurs kaufen möchte, könnte eine Aktienanleihe mit Basispreis von bspw. 10 Prozent im Geld, also 10 Prozent unterhalb des aktuellen Aktienkurses, erwerben. Somit kann der Anleger einen Kursrückgang des Basiswerts von bis zu 10 Prozent auffangen und erhält am Laufzeitende immer noch den Nennwert zurückbezahlt. Den Kupon erhält er auf jeden Fall, unabhängig von der Wertentwicklung des Basiswerts. Sollte der Basiswert den Sinkflug fortsetzen, kann der Anleger die Aktienanleihe wieder verkaufen oder bei einer Betrachtung des Szenarios zum Laufzeitende eine Aktienlieferung zum dann gültigen Aktienkurs erhalten. Da der Market Maker fortlaufend An- und Verkaufskurse stellt, können Aktienanleihen wie Aktien gehandelt werden und bieten für Anleger somit maximale Liquidität.

Das heißt Aktienanleihen sind wie Aktien ein solider Baustein für den mittel- bis langfristigen Vermögensaufbau?

Ja selbstverständlich. Es gibt mittlerweile viele Anleger, die ihr Depot mit Aktienanleihen anreichern. Der große Investor Andre Kostolany sagte einst: „Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten und schauen Sie Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen, sie sind reich.“ Diese sehr populäre Regel funktioniert heute nicht mehr. Viele Anleger trauen sich nicht mehr zu, ein Marktszenario für länger als 12 Monate zu skizzieren. Die meisten Aktienanleihen haben eine Laufzeit von 12 – 15 Monaten. Anleger sind sich heute bewusst, dass sie ihr Portfolio aktiv bewirtschaften müssen. Wer sich eine Zielrendite vornimmt und weiß, welches Risiko er bereit ist, dafür einzugehen, findet bei Aktienanleihen oder Protect Aktienanleihen einen hervorragend ausgestatteten Baukasten, der es Anlegern ermöglicht, individuelle, maßgeschneiderte Portfolios im Aktienmarkt aufzubauen. In besonders volatilen Märkten handeln Anleger sogar kurzlaufende Aktienanleihen mit einer Restlaufzeit von lediglich drei bis sechs Monaten. Somit können in Sondersituationen punktuelle Akzente im Portfolio gesetzt werden.

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Bildquelle: dieboersenblogger.de / Vontobel



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Christoph Scherbaum M.A. und Diplom-Betriebswirt Marc Schmidt sind die Gründer von dieboersenblogger.de. Der Social-Börsenblog wurde Ende 2008 im Zeichen der Finanzkrise von den zwei Finanzjournalisten gegründet und hat sich seither fest in der Börsenmedienlandschaft etabliert. Heute schreibt ein gutes Dutzend Autoren neben Christoph Scherbaum und Marc Schmidt über Aktien, Geldanlage und Finanzen. Weitere Informationen: www.dieboersenblogger.de.

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