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Chartanalyse: RWE & Co: Versorger Aktien im Chart-Check – Technische Analyse Spezial vom 21. November 2016
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Chartanalyse RWE & Co: Versorger Aktien im Chart-Check – Technische Analyse Spezial vom 21. November 2016

Gastautor: Achim Matzke
21.11.2016, 11:08  |  1127   |   |   

RWE greift wieder nach der „roten Laterne“ im DAX
Die Tendenz zu anziehenden Anleiherenditen, die sich nach der US-Wahl noch verstärkt hat, drückte in früheren, vergleichbaren Marktphasen „Bondersatz- Sektoren“ und -Titel wie z.B. die europäischen Versorger in eine relative Schwäche gegenüber dem Stoxx 600. Genau mit dieser technischen Entwicklung hat aktuell der Stoxx Utilities wieder zu kämpfen. In diesem Sektorindex sorgt ein neues Verkaufssignal für eine Fortsetzung der laufenden Baisse. Bei den Sektorschwergewichten liegt beim britischen Stoxx-50-Titel National Grid ein übergeordnetes Take- Profit-Signal vor. Beim französischen Euro-Stoxx-50-Wert Engie hat der Baisse- Trend neue Jahrestiefs geliefert. Der DAX-Wert RWE ist nach der Zwischenrallye im Umfeld des Börsengangs der Tochter Innogy wieder in eine relative Schwäche zurückgefallen. Auch im Sektormittelbau haben technische Verkaufssignale für grundlegende Eintrübungen gesorgt. Dies gilt z.B. in Italien für den Erdgasfernleitungsnetzbetreiber Snam und den Stromnetzbetreiber Terna Rete Elettrica Nazionale sowie für den französischen Versorger Veolia Environnement.

Stoxx Utilities: Wieder im Baisse-Trend
Der Stoxx Utilities, in dem zurzeit die 28 nach Free-Float-Marktkapitalisierung größten europäischen Versorger zusammengefasst sind, gehört mit einem Anteil von ca. 3,9% am Stoxx 600 zu den mittelgroßen Stoxx-Sektoren. Der Sektor hatte sich erst zum Jahreswechsel 2013/2014 mit dem Verlassen seiner technischen Bodenformation dem bereits seit September 2011 laufenden Hausse-Trend im Stoxx 600 angeschlossen. Im Mai 2015 erreichte der Sektorindex, der seine Aufwärtsbewegung bei ca. 242 Punkten begann, sein Kurstop bei ca. 342 Punkten. Seitdem hat sich wieder eine Baisse-Bewegung herausgebildet, wobei der Baisse-Trend aktuell bei ca. 290 Punkten liegt. Während der Gesamtmarktschwäche zum Jahresauftakt 2016 hatte der Sektor einen Kursrutsch bis auf 265 Punkte (neue Support-Zone) hinnehmen müssen. Während sich die Gesamtmarktindizes seitdem erholen konnten, ergab sich im Stoxx Utilities nur eine Stabilisierung oberhalb dieser Unterstützung. In den letzten Handelstagen ist der Sektorindex dann mit einem neuen Verkaufssignal durch diese Support-Zone gerutscht. Als technische Konsequenz sollte sich in den kommenden Wochen/Monaten sowohl der Baisse- Trend als auch die mittelfristige relative Schwäche gegenüber dem Stoxx 600 fortsetzen. Die defensive technische Haltung gegenüber dem Stoxx Utilities sollte deshalb weiterhin nicht aufgegeben werden.

National Grid: Übergeordnetes Take-Profit-Signal
Die britische National Grid, die Strom- und Gasnetze in weiten Teilen Großbritanniens betreibt, ist nach Free-Float-Marktkapitalisierung die größte Aktie im Stoxx Utilities. Seit dem Jahr 2009 und Kursen um 460 GBp befindet sich die Aktie in einem Hausse-Zyklus. In dem Wert ergab sich nach der technischen Pause (mittelfristige Konsolidierung in den Jahren 2014/2015) ausgehend von Kursen um 806 GBp eine Aufwärts- und Haussebeschleunigung, die die Aktie bis auf Kurse um 1016 GBp (Frühsommer 2016) geführt hat. Als Ergebnis des Brexit-Votums und der Schwäche des britischen Pfundes kam es zu einem Kurssprung auf neue All-Time- Highs von 1148 GBp. Vor dem Hintergrund der stark überkauften Lage setzte danach – weiterhin innerhalb des Hausse-Trends – eine normale Konsolidierung ein, die den Titel bis auf den beschleunigten Hausse-Trend und die steigende 200-Tage-Linie (jeweils bei ca. 1030 GBp) zurückbröckeln lies. In den letzten Handelstagen ist National Grid bei deutlich erhöhten Handelsvolumina an der Börse mit einem übergeordneten Take-Profit-Signal aus dem beschleunigten Hausse-Trend herausgefallen und hat dabei die 200-Tage-Linie geschnitten. Aufgrund dieser grundlegenden mittelfristigen technischen Eintrübung sollte National Grid, die eine (Brutto-)Dividendenrendite von ca. 4,7% aufweist, bestenfalls eine neue mittelfristige Seitwärtspendelbewegung an bzw. oberhalb der alten Support-Zone von 900 bis 965 GBp etablieren. Sollte die Aktie z.B. im Zuge weiter leicht anziehender britischer Bond-Renditen unter diese Support-Zone fallen, sollte die defensive technische Haltung gegenüber dieser Aktie noch intensiviert werden.

Engie: Neues Verkaufssignal
Die französische Engie produziert, lagert, handelt und transportiert Erdgas und hat zusätzlich ein breites Angebot an Stromdienstleistungen. Die Aktie befindet sich seit Juni 2008 und All- Time-Highs um ca. €44,8 in einer technischen Baisse-Bewegung. Diese – bisher achtjährige – Baisse besteht aus technischer Sicht aus einem Wechselspiel von Verkaufssignalen, Baisse- Trends und mittelfristigen Erholungsphasen. In den Jahren 2013/2014 konnte die Aktie – ausgehend vom damaligen Kurstief um €14,1 (Support-Zone) – eine von geringem Aufwärtsmomentum geprägte Kurserholung bis auf ein Niveau um €21,2 (Juni 2014) etablieren. Seitdem hat sich – begleitet von neuen Verkaufssignalen – ein neuer Baisse-Trend (Baisse-Trendlinie zurzeit bei €14,6) ergeben. Zuerst rutschte die Aktie zum Jahreswechsel 2015/2016 durch die Support-Zone um €14,1. In den letzten Handelstagen gab es mit dem Rutsch durch die nächste, kleine Support-Zone um €12,3 ein weiteres Verkaufssignal. Als Konsequenz setzt die Aktie mit neuen Life-Time-Lows den aktuellen Baisse-Trend fort. Zusätzlich ist Engie durch diesen Kursverfall zur zweitkleinsten Aktie (nach Streubesitz) im Euro Stoxx 50 geworden, sodass der Titel 2017 die Diskussion bzgl. einer Entnahme aus diesem Index nur noch schwer loswerden sollte. Aufgrund dieser Aspekte bleibt Engie ein technischer Verkauf.

RWE: Gehört wieder zu den kleinsten DAX-Werten
Bei RWE startete im Januar 2008 bei Kursen um €102,2 eine Baisse-Bewegung, wobei der zentrale, neunjährige Baisse-Trend zurzeit bei ca. €22,0 anzutreffen ist. Nachdem die Aktie im Herbst 2011 ein Zwischentief bei ca. €20,5 (Support-Zone) gesetzt hatte, folgte oberhalb dieser Zone eine – immerhin – vierjährige Seitwärtspendelbewegung mit der Kernhandelsspanne von €21,0 bis €31,0. Hierbei handelte es sich aber nicht um eine langfristige technische Bodenformation, sondern die Aktie kam im Juli 2015 mit neuen Verkaufssignalen (Rutsch durch die Support-Zone) unter Druck. Die Abwärtsbeschleunigung führte im September 2015 zu einer Entnahme aus dem Euro Stoxx 50 und zu einem „Sell-Off“ bei Kursen um €9,1. In den Folgemonaten konnte sich RWE mit einer Seitwärtsbewegung stabilisieren, wobei mit Hilfe von Trading-Kaufsignalen im Vorfeld des Börsengangs der Tochter Innogy eine mittelfristige Aufwärtsbewegung bis €16,5 entstanden ist. Bereits im Oktober 2016 traten aber wieder Take- Profit-Signale auf. In den letzten Handelstagen ist RWE aus dem 14-monatigen, moderaten Aufwärtstrend mit einem Verkaufssignal herausgefallen. Je nach Tagesschwankung ist der Titel – nach Free-Float-Marktkapitalisierung – bereits wieder die kleinste Aktie im Index, sodass mit Blick auf 2017 eine mögliche DAX-Entnahme immer wieder in der Diskussion sein wird. Aufgrund der fehlenden (technischen) Perspektiven stellt RWE einen technischen Verkauf bzw. einen Switch dar.

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Achim Matzke leitet den Bereich Technische Analyse & Index Research bei der Commerzbank. Nach dem Mathematik- und BWL-Studium startete er 1990 seine berufliche Karriere bei der Commerzbank. Er ist mit seinem Team maßgeblich für die Technische Analyse sowie die Erstellung von Prognosen und Strategien mit dem Schwerpunkt auf deutsche und europäische Aktien und Aktienindizes verantwortlich. 2014 wurde Achim Matzke von Thomson Reuters Extel Surveys erneut zum besten Analysten des Jahres für deutsche Aktien gewählt.

Achim Matzke ist in Printmedien (z.B. FAZ, Handelsblatt) ebenso als kompetenter Kolumnist tätig wie im TV als Interviewpartner bei ARD, CNBC und natürlich regelmäßig bei ideasTV.

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