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US-Finanzprofi zeigt auf „Das ist Trumps Mandat für Yellen: „Druck mehr Geld, oder du bist gefeuert““

21.11.2016, 13:49  |  1406   |   |   

Der S&P500 schnuppert am Rekordhoch: Grund ist die Aussicht, dass der designierte US-Präsident Donald Trump nach seinem Amtsantritt am 20. Januar 2017 ein Billionen schweres Konjunkturprogramm auflegen und damit die Konjunktur kräftig ankurbeln wird. Allerdings dürfte das die Inflation anheizen, weshalb Investoren aus Anleihen flüchten, woraufhin die Zinsen nach oben geschossen sind. So sind die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen auf 2,32 Prozent nach oben gehüpft, gegenüber dem Rekordtief von 1,36 Prozent vom Juli. Obwohl das deutlichen Gegenwind für den Aktienmarkt bedeutet, fokussieren sich Investoren auf die positiven Seiten von Trumps möglicher Politik. Der US-Finanzprofi Michael Pento ist aber der Überzeugung, dass die stark steigenden Zinsen enorme Probleme verursachen und Trump zum Handeln zwingen werden. Michael Pento hat in den vergangenen Jahren, wie nur wenige andere Finanzprofis die US-Notenbank für das Aufblasen der Blasen am Anleihen- und Aktienmarkt kritisiert. Pento ist Chef der US-Investmentfirma Pento Portfolio Strategies und Autor des Buches „The Coming Bond Market Collapse“ („Der bevorstehende Kollaps am Anleihenmarkt“).

Trump wird die Inflation kräftig anheizen

„Wenn Donald Trump vermeiden will, dass seine Amtszeit mit einer ähnlichen Krise wie die seines Vorgängers Barack Obama startet, muss Trump ziemlich schnell einen Deckel auf die langfristigen Zinsen draufmachen. Um das zu erreichen, muss er die Chefin der angeblich politisch unabhängigen US-Notenbank Janet Yellen überzeugen, nicht nur von weiteren Zinserhöhungen Abstand zu nehmen, sondern auch eine neue QE-Gelddruckrunde zu starten“, schrieb Pento. Warum gebe es den Kursrückschlag am Anleihenmarkt, also die stark steigenden Zinsen? „Dafür gibt es zwei Gründe: Einerseits führt die wachstumsorientierte Politik niedrigerer Steuern für Unternehmen und private Haushalte in Kombination mit dem Abbau der Regulierung dazu, dass Investoren Anleihen verkaufen und das Geld in Aktien stecken. Wachstumsaktien bieten einfach das Potenzial für bessere Renditen als die aktuell niedrigen Anleihezinsen. Zweitens – und das ist am wichtigsten: Trumps Präsidentschaft bedeutet eine hohe Inflation, weil sein massives, eine Billion Dollar schweres Modernisierungsprogramm für die Infrastruktur, ebenso wie die Absicht, das Militär aufzurüsten, zumindest kurzfristig einen starken Anstieg der jährlichen Neuverschuldung bedeutet. Zur Erinnerung: Seit Anfang 2015 steigen die US-Staatschulden monatlich um mehr als 75 Mrd. Dollar – das sind mehr als 900 Mrd. Dollar pro Jahr. Entsprechend sind die Schulden zuletzt auf 19,9 Billionen Dollar gestiegen. Bei dem Tempo wird die 20-Billionen-Marke überschritten werden, noch ehe Obama sein Amt übergibt. Damit wären die Schulden innerhalb von acht Jahren von anfänglich 10,7 Billionen um 87 Prozent explodiert.

Privater Sektor steckt tief im Schuldensumpf

„Enorm steigende Defizite, die die hartnäckigen Schulden weiter erhöhen, zwingen eine Notenbank zu einer ultra-lockeren Geldpolitik. Es sind aber nicht nur die 20 Billionen Dollar Staatsschulden, die den Druck auf die Fed erhöhen, weiter Geld zu drucken“, schrieb Pento. Zur Erinnerung: Viele Anleger vergessen, dass die Fed aktuell knapp 50 Mrd. Dollar pro Monat druckt, indem sie auslaufende Staats- und Hypothekenanleihen in neue umtauscht. Die Fed druckt also knapp 600 Mrd. Dollar jährlich. „Die Schulden von privaten Haushalten und Unternehmen außerhalb des Finanzsektors waren seit Ende 2007 von insgesamt 33,1 Billionen auf einen Rekord von 45,6 Billionen für das Ende des ersten Quartals 2016 nach oben geschossen. Das bedeutet das die Schulden im Verhältnis zur jährlichen Wirtschaftsleistung auf 250 Prozent gestiegen sind, gegenüber 226 Prozent vor der 2008er-Schuldenkrise.“ Inklusive der Staatsschulden liegen die Schulden der Amerikaner damit bei horrenden 350 Prozent der Wirtschaftsleistung. „Eine Notenbank, die die Geldmenge stark ausweitet, ist ein Werkzeug der Regierung, um zu verhindern, dass die Zinsen in die Höhe schießen. Das war das Rezept für galoppierende Inflation seitdem es die Wirtschaftslehre gibt.“

Yellen muss eine Kehrtwende einleiten

Neben seinem massiven Konjunkturprogramm wolle Trump zudem hohe Einfuhrzölle auf chinesische und mexikanische Produkte einführen, wodurch diese Produkte in den USA viel teurer würden und die Amerikaner auf einheimische Produkte umsteigen würden. Diese Politik würde laut Pento die Inflation zusätzlich anheizen. "Der unglaublich starke Zinsanstieg als Reaktion auf Trumps Wahl ist Beleg für Trumps fiskalische Verschwendung und seinen Einfluss auf die Inflation“, so Pento. „Das Ende des 35jährigen Bullenmarktes (am Anleihenmarkt) steht uns bevor. Trumps Handelspolitik, sowie seine ausgesprochene Liebe für Schulden führen zu erheblichen Aufwärtsdruck bei den Zinsen. Der Donald wird nun versuchen, Yellen zu überzeugen, ihre anfängliche Verschärfung der Geldpolitik umzudrehen und die Zinsen wieder auf null zu senken – und irgendwann sogar wieder die Gelddruckrunde QE4 zu starten“, so der Profi. „Wenn die Zinsen weiter steigen, werden nicht nur die Anleihenpreise kollabieren, sondern auch jede andere Vermögensklasse, deren Bewertung von dem sogenannten „risikolosen Zins“ abhängig ist. Dann wird man die schmerzvolle Lektion lernen, dass praktisch Nullzinsen seit 90 Monaten überhaupt nicht risikofrei waren. Die niedrigen Zinsen haben bei so vielen Anlageklassen zu massiven Verzerrungen geführt: bei Unternehmensanleihen, Aktien, Rohstoffen, Luxusautos, Kunst. Deren Preise und Kurse werden gleichzeitig mit der Weltwirtschaft fallen.“

„Trump wird Yellen auffordern, genau das zu sein, was er ihr während seines Wahlkampfs vorgeworfen hat: nämlich eine politische Marionette des Präsidenten. Wenn die Fed tatsächlich politisch unabhängig ist, wird sie höflich ablehnen. Was Yellen und Trump aber nicht verstehen ist, dass unsere Nation sowohl Schulden-beschränkt also auch Blasen-abhängig ist, was es erforderlich macht, dass die Zinsen nahe null sind, oder die gesamte „Ersatz-Wirtschaft“ wird implodieren. Der verheerende Kollaps der Anleihenblase wird Trump aber sehr schnell zu dieser Einsicht bringen. Wenn Yellen aber nicht zustimmt, die Geschwindigkeit der Notenpresse zu erhöhen, könnte Yellen die Worte hören: „Du bist gefeuert“, noch ehe ihre Amtszeit im Februar 2018 endet“, so Pento.



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