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Vermögensteuer - Pläne Widerstand gegen Vermögensteuer: „unglaublich aufwendig und führt nur zu Betrügereien“

22.11.2016, 15:01  |  2199   |   |   

Gegen die von den Grünen, der Linken und Teilen der SPD favorisierte Vermögenssteuer regt sich massiver Widerstand. Einer der Gründe: Der Wert von Vermögenswerten bei Immobilien oder von Firmen sei häufig schwer zu ermitteln, argumentieren Fachleute.

„Auf solche Güter eine Steuer zu erheben, ist mit einem immensen bürokratischen Aufwand verbunden“, sagt Steueranwalt Karsten Randt von der Bonner Kanzlei Flick Gocke Schaumburg der „Welt am Sonntag“. Letztlich müssten für jeden Wertgegenstand Gutachten erstellt werden – und das Jahr für Jahr. „Da wird schnell verständlich, warum die Vermögenssteuer noch nie ein Lieblingskind der Finanzverwaltung war“, sagt Randt.
 
Statt die Substanz zu besteuern, also Jahr für Jahr einen bestimmten Prozentsatz vom gesamten Vermögen zu verlangen, fällt es dem Staat leichter, lediglich bei den Erträgen zuzugreifen – also erwirtschaftete Gewinne zu besteuern. „Eine zusätzliche Ertragssteuer wäre sicherlich einfacher zu handhaben“, so der Steueranwalt.
 
Das Problem des gebundenen Vermögens

Und noch schwieriger wird es mit der Reichensteuer, wenn man den Wert von Unternehmen taxieren will. „Die Vermögensteuer legt die Axt an das deutsche Erfolgsmodell der soliden Familienunternehmen. Die meisten großen Vermögen sind als Anteile in Unternehmen gebunden und gar nicht frei verfügbar“, kritisiert Wolfgang Steiger, Generalsekretär des Wirtschaftsrates der CDU, in der „Welt am Sonntag“ die Steuerpläne.
 
Derlei Befürchtungen hält der Grünen-Politiker Hofreiter für unberechtigt. „Wenn man es richtig macht, wird eine Vermögensteuer einem Unternehmen, das sich gerade in einer Schwächephase befindet, nichts anhaben“, sagte er der Zeitung. „Wenn ein Mittelständler beispielsweise viel investiert hat und deshalb wenig oder keinen Gewinn erzielt, wird er die Steuer erst zahlen müssen, wenn diese Investitionen Gewinne erbringen. Zahlen wird hingegen derjenige sofort, der seine Gewinne nicht investiert, sondern zum Beispiel ausschüttet.“
 
In der SPD ist man sich des Problems von in Betrieben gebundenen Vermögen bewusst. „Dass man beispielsweise im Fall von Familienunternehmen eine Trennung von Privat- und Betriebsvermögen kompliziert ist, wissen wir“, sagte Parteivize Thorsten Schäfer-Gümbel der Zeitung. „Da wir Betriebe nicht in ihrer Substanz gefährden dürfen, brauchen wir eine Lösung, die genau das verhindert.“
 
Die Unternehmen selbst beruhigen Aussagen wie diese dagegen kaum. Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, macht folgende Rechnung auf: „Ein Prozent Vermögensteuer bedeutet in 30 Jahren 30 Prozent des Unternehmenswertes. Da die Vermögensteuer aus dem versteuerten Einkommen zu bezahlen wäre, bedeutet dies wiederum, dass annähernd das Doppelte der Steuerlast verdient werden muss, um die Vermögensteuer bezahlen zu können.“ 

Keine generelle Ablehnung, aber…
 
Dennoch stößt eine Vermögenssteuer bei den Betroffenen nicht generell auf Ablehnung. „Einige, nicht alle Kunden, sind durchaus bereit, etwas von ihrem Vermögen abzugeben“, sagt Frank Straatmann vom Vermögensverwalter Feri mit Sitz im vornehmen Bad Homburg bei Frankfurt der „Welt am Sonntag“. 200 der wohlhabendsten Familien des Landes lassen dort ihr Geld betreuen. Die Kunden wollten durchaus ihren Anteil dazu beitragen, um dem Land aus der Schuldenfalle herauszuhelfen, so Straatmann. Unabhängig von Feri sagte Dirk Roßmann, Chef der Drogeriekette Rossmann der Zeitung „Ich bin für eine einfache und klare Erbschaftsteuer. Aber das Vermögen zu besteuern, ist unglaublich aufwendig und führt nur zu Betrügereien.“



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