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Pfeiffer Vacuum und die kuriose Reaktion

Gastautor: Daniel Saurenz
22.11.2016, 13:00  |  634   |   |   

Das hätte auch anders laufen können. Obwohl Manfred Bender, der Vorstandsvorsitzende von Pfeiffer Vacuum Technology, die – eher enttäuschenden – Neun-Monats-Zahlen auch noch mit einer klitzekleinen Umsatzwarnung für 2016 einwickelte, zog die Notiz des TecDAX-Titels um rund 7,5 Prozent auf die Schnapszahl von 88,88 Euro an. Offensichtlich waren die Investoren erleichtert, dass es bei dem Anbieter von Vakuumpumpen und Messgeräten, wie sie zum Beispiel in der Halbleiterbranche, dem Beschichtungssektor oder zu Analysezwecken benötigt werden, zu keinen größeren Einschnitten gekommen ist. Negativbeispiele aus dem heimischen Spezialmaschinenbau gab es mit LPKF Laser & Electronics oder auch GEA Group zuletzt ja genügend. Insofern ist es offenbar fast schon beruhigend, wenn Bender sagt: „Obwohl die letzten Monate von einer vorübergehenden Kaufzurückhaltung einiger unserer Großkunden geprägt waren, konnten wir dies mit Umsätzen einer ganzen Reihe von Neukunden fast vollständig ausgleichen. Vor dem Hintergrund der Verzögerungen ist das bisherige Umsatzziel von rund 470 Mio. Euro ambitioniert, aber erreichbar. Gleiches gilt auch für die angestrebte Margenverbesserung.“

Nach neun Monaten kommt die Gesellschaft aus dem hessischen Asslar auf Erlöse von 337,38 Mio. Euro, was knapp 0,5 Prozent weniger sind als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Kalkuliert hatten die Analysten eigentlich mit einem leichten Anstieg. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) fiel um annähernd acht Prozent auf 42,12 Mio. Euro zurück, was sich allerdings mit den Erwartungen der Börsianer deckt. Maßgeblich gedrückt auf den Umsatz haben dabei negative Währungseffekte, die sich auf mehr als 4 Mio. Euro getürmt haben. Regional hat der Bereich Asien an Bedeutung gewonnen, während die Geschäfte in Nord- und Südamerika rückläufig waren. Keine Veränderungen gibt es hingegen hinsichtlich des Großaktionärs Busch. Der Vakuumpumpenhersteller aus Maulbach in der Nähe von Lörrach war im vergangenen Jahr bei Pfeiffer eingestiegen und hatte seinen Anteil in der Folge bis auf 27,19 Prozent ausgebaut. Ein Überschreiten der 30-Prozent-Schwelle, was ein Pflichtangebot auslösen würde, sei allerdings nicht geplant, hieß es damals.

 

Pfeiffer Vacuum  Kurs: 89,280 €

 

Lohnt es sich als Anleger nach dem jüngsten Kurskick bei Pfeiffer Vacuum neu einzusteigen? Die Analysten von Hauck & Aufhäuser sagen ja und empfehlen den Titel – trotz eines von 100 auf 94 Euro reduzierten Kursziels – zum Kauf. Die Experten von Kepler Chevreux halten 102 Euro für eine realistische Größenordnung, die Commerzbank-Analysten trauen dem TecDAX-Papier gar 112 Euro zu. Keine Frage: Pfeiffer Vacuum ist ein hochwertiges Unternehmen mit weit überdurchschnittlicher Bilanzqualität. Die Eigenkapitalquote beläuft sich per Ende September auf 64,3 Prozent. Lässt man die Pensionsrückstellungen von mittlerweile immerhin 56,62 Mio. Euro einmal außen vor, türmt sich die Netto-Liquidität auf 80,55 Mio. Euro. Heruntergerechnet auf die einzelne Aktie sind das rund 8,15 Euro – also etwa zehn Prozent des Kurswerts. Klarer Malus ist dagegen die geringe Ergebnisdynamik in den vergangenen Jahren. Sollte Pfeiffer im laufenden Jahr auf ein EBITDA von 83 Mio. Euro kommen, entspräche das gerade einmal dem Niveau von 2011. Bewertet ist die Aktie aber mit immerhin dem 9,6fachen des für 2016 zu erwarteten EBITDA. Und auch das klassische Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis der Ergebnisschätzungen für 2018 kommt mit rund 18 nicht gerade einladend daher.

Dafür gleicht die Dividendenrendite von 3,6 Prozent einiges aus, sofern Pfeiffer Vacuum auch im kommenden Jahr 3,20 Euro je Aktie ausschütten sollte – wovon boersengefluester.de momentan ausgeht. Summa summarum rechtfertigt dieser Kennzahlenmix eine gute Halten-Empfehlung. Für zusätzliche Kurstreiber, etwa ein Aufstocken des Anteils von Busch, fehlen derzeit dagegen die Anhaltspunkte. Immerhin zeigt die Reaktion auf den Q3-Bericht, dass die Erwartungshaltung an das Zahlenwerk zurzeit nicht sonderlich ambitioniert ist.



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Der ehemalige FTD-Redakteur und Börse Online-Urgestein Daniel Saurenz hat zusammen mit Benjamin Feingold das Investmentportal „Feingold Research“ gegründet. Dort präsentieren die beiden Börsianer und Journalisten ihre Markteinschätzungen, Perspektiven und Strategien samt Produktempfehlungen. Im strategischen Musterdepot werden die eigenen Ideen mit cleveren und meist etwas „anderen“ Produkten umgesetzt und für alle Leser und aktiven Anleger verständlich erläutert. Weitere Informationen: Feingold Research.

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