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Bellevue-Asset-Manager Lucio Soso "Beim BB Global Macro Fonds haben wir die 250-Millionen-Euro-Marke überschritten"

30.11.2016, 08:00  |  1965   |   

Die schweizerische Bellevue Group hat sich für ihren BB Global Macro Fonds ein ehrgeiziges Renditeziel gesetzt. Leadmanager Lucio Soso erklärt, mit welcher Strategie er dieses realisieren will und inwiefern sein Fonds vom aktuellen Niedrigzinsumfeld profitiert.

Herr Soso, Sie managen den BB Global Macro Fonds von Bellevue Asset Management. Können Sie uns Ihren Fonds bitte kurz etwas genauer vorstellen?

Lucio Soso: Wir verfolgen eine an makroökonomischen Kriterien ausgerichtete weltweite Multi-Asset-Strategie. Bei uns kommen in erster Linie Anleihen und Aktien zum Einsatz. Die einzige Voraussetzung ist für uns, dass die Papiere an etablierten internationalen Märkten notieren. Mit diesen Instrumenten setzen wir mehrere Strategien um, um letztlich einen positiven absoluten Ertrag zu erwirtschaften. Wir wollen jährliche Renditen zwischen fünf und sieben Prozent erzielen. Da der Bullenmarkt für Bonds beendet ist, ist dieses Ziel natürlich eine Herausforderung. Wir sind allerdings vorbereitet. Wenn eine Zinswende bevorsteht, kann man für ein ausbalanciertes Portfolio aus 75 Prozent Anleihen und 25 Prozent Aktien Renditen zwischen drei und 3,5 Prozent jährlich erwarten. Da wir jedoch sehr liquide aufgestellt sind, sind wir in der Lage, unsere Positionen zu hebeln. Dies gelingt teilweise sogar zu negativen Kosten. So erreichen wir Renditen bis fünf Prozent. Die restliche Performance erzielen wir mit unserer Asset-Allocation.

Ihr Fonds besitzt bereits einen Track Record von mehr als fünf Jahren. Wo sehen Sie die Alleinstellungsmerkmale Ihres Fonds gegenüber anderen Produkten am Markt?

Soso: Die expansive Geldpolitik der Zentralbanken bietet ein äusserst attraktives Umfeld für Global-Macro-Strategien. Durch den vermögensverwaltenden Ansatz sind wir in der komfortablen Lage, unabhängig von der Grosswetterlage an den Finanzmäkrten postitive Renditen anzuvisieren. Das ist uns in der Vergangenheit sehr gut gelungen.

Das Börsenjahr 2016 verlief ja bisher ziemlich turbulent. Wie konnte sich Ihr Fonds in diesem Umfeld bisher schlagen? Entsprechen die Ergebnisse Ihren Erwartungen?

Soso: Während der vergangenen drei Jahre hat der BB Global Macro im Mittel eine jährliche Rendite von sieben Prozent erreicht. Das kam bei unseren Kunden gut an – der Fonds hat inzwischen die 250-Millionen-Euro-Marke überschritten. Vor allem Investoren, die eine Alternative zu Aktien suchen, haben unseren Fonds entdeckt. Auch im laufenden Jahr sind wir gut unterwegs mit einer Performance von 4.8% per Ende Oktober.

Derzeit ist unter anderem das expansive Verhalten der großen Notenbanken ein Thema an den Weltbörsen. Wie können Sie mit Ihrer Global-Macro-Strategie davon profitieren?

Soso: Da sich der BB Global Macro an keiner Benchmark orientiert, lässt sich das neutrale Portfolio, bestehend aus 25% Aktien und 75% Anleihen, im aktuellen Marktumfeld sehr flexibel bewirtschaften. So kann in die aussichtsreichsten Aktien- und Anleihenmärkte investiert werden. Zudem können Leerverkäufe auf einzelne Märkte getätigt werden, falls es die Marktsituation erfordert. Dadurch bietet der Fonds ein neutrales Mischportfolio, das auch weiterhin überwiegend konservativ ist, jedoch über deutlich mehr Stabilität verfügt. Bei den aktuellen Niedrigzinsen kann zudem günstig begrenzter Leverage von typischerweise 20-50% aufgebaut werden, um so eine Extrarendite von 1-2% pro Jahr zu erwirtschaften. Für den flexiblen Mix aus verschiedenen Anlageklassen kommen Aktien, globale Staatsanleihen sowie Währungen und Rohstoffe in Frage. Derzeit bevorzugen wir allerdings Anleihen und Aktien.

Welche Erwartungen haben Sie an die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft?

Soso: Die Märkte vorherzusagen erachten wir als sehr schwierig. Wir versuchen deshalb die Faktoren, welche die Märkte bewegen, zu verstehen und leiten daraus in der Regel drei Zukunftsszenarien mit unterschiedlicher Eintrittswahrscheinlichkeit ab. In unserem derzeitigen Hauptszenario mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit von 60% gehen wir von steigenden Aktienmärkten und sinkenden Kursen von Staatsanleihen in einem durch langsames weltweites Wirtschaftswachstum geprägten Umfeld aus. In einem zweiten, neuen Szenario (Eintrittswahrscheinlichkeit 20%) könnten die Zinsen in Europa sich normalisieren und dann ansteigen. Dies würde zu Kursverlusten bei europäischen Staatsanleihen führen. Nach dem Brexit-Referendum sind die Erwartungen am Zinsterminmarkt in Europa auf sehr tiefe Niveaus gesunken. Die Terminmärkte deuten an, dass negative Zinssätze bis Dezember 2020 anhalten werden. Negative Zinssätze widerspiegeln restriktive (nicht akkommodierende) monetäre Bedingungen und stehen deshalb im Widerspruch zu den Absichten der EZB. Es könnte also eine Frage der Zeit sein, bis nötige Schritte unternommen werden, um die negative Renditesituation zu korrigieren und umzukehren. Unser drittes Szenario (Eintrittswahrscheinlichkeit: 20%) geht von einer globalen Rezession aus. Mögliche Ursachen dafür wären eine Abschwächung der US-Wirtschaft oder ein Platzen der chinesischen Kreditblase mit einer darauffolgenden weltweiten Abkühlung. In beiden Szenarien gehen wir davon aus, dass die chinesische Währung abgewertet wird, und halten zur Risiko- absicherung des Portfolios eine Short-Position.

 



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