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GKV - Krankenversicherung Nur nicht übermütig werden: Krankenkassen melden Überschuss von 1,5 Milliarden Euro

24.11.2016, 13:02  |  2990   |   |   

Die Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung hat sich im Sommer nochmals verbessert. Ende September wiesen die 117 gesetzlichen Kassen einen Überschuss von knapp 1,5 Milliarden Euro aus, berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (F.A.Z.) unter Berufung auf Daten der Krankenkassen. Demnach hätten sie ihren Überschuss von 600 Millionen Euro aus dem ersten Halbjahr im dritten Quartal damit mehr als verdoppelt (mehr dazu hier).

Mit 757 Millionen Euro weisen die Ersatzkassen den höchsten Überschuss aus. Die Allgemeine Ortskrankenkassen (AOK) folgen mit 558 Millionen Euro. Die Knappschaft nannte ein Plus von 124 Millionen Euro, die Betriebskrankenkassen erwarteten ein leicht positives Ergebnis. Nur die Innungskassen rutschen leicht ins Defizit.

Als Grund für die positive Entwicklung wurden die verhaltene Entwicklung der Ausgaben genannt. Der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbands, Martin Litsch, warnte davor, von der guten Lage auf die Zukunft zu schließen: „Wir stellen uns auf starke Ausgabenschübe im nächsten Jahr ein, erst dann werden die vielen kostspieligen Reformen durchschlagen.“

GKV - Zusatzbeitrag

Ein wesentlicher Aspekt könnte aber auch in der Erhöhung der Zusatzbeiträge liegen, die viele Kassen mit Beginn des Jahres beschlossen hatten und den die Krankenkassenmitglieder allein tragen müssen. Auch wenn die Kassen aktuell einen Überschuss melden, dürfte der Zusatzbeitrag in den nächsten Jahren kräftig anziehen, könnte sich bis zum Jahr 2020 gar verdoppeln. Denn: Die Krankenkassen laufen auf ein dauerhaftes Defizit zu. Legen wir die zu erwartende Dynamisierung der Ausgaben zugrunde, dürften den Kassen im Jahr 2020 über 10 Mrd. Euro fehlen. „Zur Finanzierung müsste der durchschnittliche Beitragssatz auf etwa 16,4 Prozent steigen, der durchschnittliche Zusatzbeitrag betrüge damit 1,8 Prozentpunkte“, betont der Kieler Ökonom Jens Boysen-Hogrefe. „Trotz der derzeitig günstigen Arbeitsmarktlage sei die Dynamik der Einnahmen niedriger als die Dynamik der Ausgaben,“ so der Finanzexperte.

Hintergrund - Zusatzbeitrag

Ab 1. Januar 2016 können die gesetzlichen Krankenkassen erneut über einen Teil der Beiträge bestimmen. Zuvor wurde der allgemeine Beitrag zur GKV um 0,9 Punkte auf 14,6 Prozent abgesenkt und für Arbeitgeber fixiert. Sprich: Alle weiteren Beitragssteigerungen - genannt Zusatzbeitrag - fallen zu Lasten der Arbeitnehmer. Je nach individueller Kassenlage können die gesetzlichen Krankenkassen diesen Zusatzbeitrag erheben. Bei der letzten Schätzung vor einem Jahr legte der Schätzerkreis einen durchschnittlichen Zusatzbeitrag von damals 0,9 Prozentpunkten fest.

Die gesetzlichen Krankenkassen machen die große Koalition dafür verantwortlich, dass die Kassenbeiträge zum Jahreswechsel deutlich steigen. „Die Gesetze der Koalition im vergangenen Jahr belasten die Krankenkassen zusätzlich. Auch deshalb muss der Zusatzbeitrag steigen“, sagte die Vorstandschefin des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen, Doris Pfeiffer, im Dezember vergangenen Jahres den Zeitungen der "FUNKE Mediengruppe". Zwar würden die Beitragseinnahmen der Kassen wegen der guten Konjunktur steigen, die Ausgaben stiegen aber seit Jahren noch stärker, so Pfeiffer (mehr dazu hier).



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