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Vorwurf gegen Ferrero-Zulieferer Image-Gau: Verdacht auf Kinderarbeit bei Ferrero-Überraschungseiern

24.11.2016, 17:07  |  2274   |   |   

Kinderüberraschung! Das kommt nicht nur im Vorweihnachtsgeschäft gar nicht gut an und kann die Ferrero ordentlich die Verkaufszahlen vermasseln. Der Vorwurf wiegt schwer: Kinderarbeit bei dem Herstellern von Überraschungseiern für Kinder. Von Kindern für Kinder?

Medienberichten zufolge sollen schulpflichtige Kinder in Rumänien zur Befüllung der Überraschungskapseln eingesetzt worden sein, die dann in Ü-Eiern samt Schokoladenmantel verkauft werden. Laut „The Sun“ sollen zwei sechs und elf Jahre alte Geschwistern im Norden Rumäniens bis zu 13 Stunden täglich die Plastekapseln befüllen. Für 1000 Eier bekommen sie dem Bericht zufolge umgerechnet 4,43 Euro.

Allerdings bestünden im Nachinein auch Unstimmigkeiten über die Entstehung des von der "Sun" veröffentlichten Videos: Eine dort gezeigte Frau, die als Heimarbeiterin in Rumänien für den Zulieferer arbeiten soll, bezeichnete den Bericht der Briten als falsch und das Video als "Inszenierung". Sie mache diese Zulieferer-Arbeit zu Hause, Kinder seien nicht beteiligt, sagte sie rumänischen Medien - auch wenn dies im Video so gezeigt werde.

Ermittlungen eingeleitet: Eine Frage des Ethik-Kodex

Ferrero kündigte umfassende Untersuchung an und verwies auf die Unternehmenspolitik, wonach Kinderarbeit verboten sei. "Wir nehmen diese Angelegenheit äußerst ernst und haben sofortige, umfassende Ermittlungen initiiert." Man kooperiere mit den rumänischen Behörden in vollem Umfang und werde den Vorwürfen nachgehen. Ferrero verfüge über strenge Regelungen für Lieferanten, die Kinderarbeit zwingend ausschlössen. "Ein solches Fehlverhalten verstößt absolut gegen unseren Ethikkodex.“ Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, würden die Verträge mit den betroffenen Fabriken sofort gekündigt.

Ermittlungen zum Verdacht der Ausbeutung Minderjähriger wurden auch von staatlicher Seite eingeleitet. In den Ermittlungen der rumänischen Justiz gehe es auch im den Verdacht des Kinderhandels, so Mihaela Porime, Sprecherin der auf organisierte Kriminalität spezialisierten Staatsanwaltschaft DIICOT gegenüber der Nachrichtenagentur „AFP“. Derzeit gebe es aber noch keinen klaren Verdächtigen, man ermittle zunächst nur "zur Sache“, heißt es.

Grüne fordern Rückrufaktion und Prüfung der Hygiene-Vorschriften

Die Grünen fordern angesichts der Kinderarbeit-Vorwürfe gegen Ferrero notfalls eine Rückrufaktion des Herstellers und des Lebensmitteleinzelhandels. „Wir brauchen eine umgehende Klarstellung, sonst muss eine Rückrufaktion von Ferrero und dem Lebensmitteleinzelhandel erfolgen“, sagte Renate Künast (Grüne), Vorsitzende des Bundestagsausschuses für Verbraucherschutz, der „Welt“. Und ergänzt: „Sie müssen die Überraschungseier so lange aus den Regalen nehmen, bis sie sicher sagen können: Ab dieser Charge gibt es kontrollierte Arbeitsbedingungen.“

Heftig kritisierte Künast die Informationspolitik von Ferrero. „Wie kann ein so großes Unternehmen behaupten, es wisse nicht, wie seine Produkte hergestellt werden? Ich glaube Ferrero nicht.“ Wer in Rumänien oder wo auch immer  produzieren lasse, müsse fragen, wo und wie.

Nicht unerheblich wiege auch der Verdacht, es könnten auch Hygiene-Vorschriften nicht beachtet worden sein. „Die Hygienevorschriften für Lebensmittel sind aus gutem Grund sehr streng. Da möchte ich jetzt von Ferrero ganz genau wissen, ob und wie diese Vorgaben eingehalten werden.“ Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) und die zuständigen Landesminister müssten Ferrero vorladen und Aufklärung über die Produktionsbedingungen verlangen. (mit dpa-AFX)
 

Themen: Staat, Bundestag, CSU


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Kommentare

Wussten Sie, dass es für ein Kind in Palästina das "Grösste" ist, einmal so ein Ferrero Überraschungsei in die Hände zu bekommen. In Ihrem Buch "Als die Sonne im Meer verschwand", hat Susan Abulhawa dieses Phänomen mehrfach erwähnt. Also, wenn Rückruf, dann doch lieber Export nach Palästina, denn dort werden diese Eier trotz angeblicher Kinderarbeit ein Leuchten in die Kinderaugen zaubern.

Im übrigen ist dieser Vorfall wieder einmal ein Paradebeispiel für spekulativ manipulatives Vorgehen der Medien. Zuerst mal schiessen, dann recherchieren und zuletzt, wir werden es erleben, zurück rudern.

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