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Ausverkauf deutscher Technologie? "Besser ein guter chinesischer Investor als ein schlechter Nachfolger"

25.11.2016, 15:12  |  2323   |   |   

Die Chinesen haben ein Auge auf deutsche Unternehmen geworfen. Jüngsten Zahlen zufolge ist der Umfang der Übernahmen mit chinesischer Beteiligung in den vergangenen Monaten geradezu explodiert. Allein in der ersten Hälfte des Jahres zählte die Unternehmensberatung Ginkgo Tree Advisors 30 Zusammenschlüsse und Übernahmen mit chinesischer Beteiligung in Deutschland, berichtete jüngst die „Welt am Sonntag“. Ein enormer Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren: „Im ersten Halbjahr 2016 haben chinesische Investoren mehr Geld für deutsche Unternehmen ausgegeben als in den gesamten fünf Jahren zuvor; vielleicht sogar mehr als in den vergangenen zehn Jahren zusammen genommen“, sagt Daniel Koller, Managing Partner von Ginkgo Tree Advisors. Zum Vergleich: Im gesamten vergangenen Jahr kauften chinesische Unternehmen nur für 900 Millionen Euro in Deutschland ein, im Jahr 2014 waren es 1,7 Milliarden Euro.

Chinas Heißhunger auf deutsche Technologie - Keine Sorge vor Ausverkauf

Vor dem Hintergrund des wachsenden Interesses chinesischer Investoren fordert Hubert Lienhard, Vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses und Chef des Heidenheimer Maschinenbauer Voith, die EU auf, ein transparentes Verfahren für ausländische Investitionen in Deutschland einzuführen. Gegenüber der „WirtschaftsWoche“ erklärte Lienhard: „Ich bin absolut dagegen, dass sich Deutschland abschottet. Besser wäre, die EU würde sich verbindlich auf einen Katalog einigen, unter welchen Bedingungen sich chinesische Unternehmen in den Mitgliedstaaten an Unternehmen beteiligen oder sie übernehmen dürfen. Nehmen Sie Australien als Beispiel: Das Land hat sehr rigide Regeln für Übernahmen, aber die sind absolut transparent.“

Im Zuge der Übernahmen und der weiteren Pläne wurde aus Berlin und Brüssel Bedenken laut, dass wichtige Zukunftstechnologien von Europa nach Asien abwandern und sensible Kundendaten in fremde Hände geraten (mehr dazu hier). Doch die Sorge vor einem Ausverkauf deutschen Know-hows sei unbegründet, so der Vorstandsvorsitzende von Voith: „Über 90 Prozent aller deutschen Unternehmen sind in Privatbesitz. Die kann kein Chinese gegen den Willen der Eigentümer schlucken, das geht nur bei börsennotierten Unternehmen. Und falls eine Familie dafür ist zu verkaufen, was spricht dagegen in einer freien Marktwirtschaft? Besser ein guter chinesischer Investor mit starkem Interesse als ein schlechter Nachfolger“.

Chinas Leap-Frogging - Staatlich verordnete Einkaufsliste?

Eine ernst zu nehmende Frage, laut China-Experte Sebastian Heilmann, der vor einem systematischen Ausverkauf deutscher Hochtechnologie an die Volksrepublik warnt. Pekings Wirtschaftsprogramm ‚Made in China 2025‘ sehe vor, dass die Volksrepublik bis 2025 eine führende Rolle in Hochtechnologiemärkten wie Robotik, künstlicher Intelligenz, Luft- und Raumfahrt, Elektromobilität oder bei gentechnisch hergestellten Medikamenten erobere. Diese Spitzenposition könne Chinas Industrie aber aus eigenen Kräften oft nicht schnell genug erreichen, sagt Heilmann. „Daher streben Regierung und Industrie ein ‚Leap-Frogging‘ an: Sie überspringen Entwicklungsstufen, indem sie ausländisches Know-how übernehmen. ‚Made in China 2025‘ lässt sich als staatlich verordnete Einkaufsliste lesen.“ Hier sei die Politik gefordert, so der  51-jährige Ökonom. (Mehr dazu hier: Eindringliche Warnung: Staat auf Einkaufstour: Ausverkauf deutscher Hochtechnologie an China)

Wertpapier: Aixtron, KUKA, OSRAM Licht


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