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Wie sich aktives Management lohnt

29.11.2016, 09:17  |  457   |   |   

Anleger begeistern sich immer mehr für passive Strategien. Ist aktives Management damit passé? Nicht ganz. Fünf Profis zeigen auf der Berenberg-Konferenz „Aktives Management“, wie unterschiedlich erfolgreiche aktive Strategien aussehen können.

Es ist noch nicht ganz dunkel draußen, als sich die mehr als 50 Teilnehmer der Berenberg-Konferenz „Aktives Management“ auf ihre Plätze setzen. Sie sind gekommen, um die Antwort auf eine der wohl bedeutendsten Fragen des Assetmanagements zu hören: Lohnt sich aktives Management noch? „Ein einfaches Ja oder Nein reicht als Antwort nicht aus“, warnt Werner Hedrich, CEO bei Morningstar für Deutschland und Österreich, gleich zu Beginn seines Vortrags. Die düstere Stimmung vor den Fenstern, trifft also auch auf aktives Management zu: „Die Fondsbranche wächst. Vor allem im Multi-Asset-Bereich. Gleichzeitig sehen wir hohe Abflüsse aus aktiven Strategien und hohe Zuflüsse in passive Strategien.“ Selbst Warren Buffett, so Hedrich, trage zwei Herzen in seiner Brust: „Er empfahl seiner Frau im Falle seines Todes sein Vermögen in passive Strategien zu investieren.“ Ganz abschreiben solle man aktive Strategien jedoch nicht: „Es gibt einige Bedingungen unter denen aktives Management sehr erfolgreich sein kann.“ So könnten aktive Manager passive Strategien beispielsweise über fünf Jahre vor allem in den Bereichen Schwellenländer und Small- sowie Mid-Caps schlagen: „Aktive Fonds lohnen sich unter der Bedingung, dass die Wahrscheinlichkeit auf ihrer Seite ist. Für den Fall europäischer Large-Caps ist dies sicherlich nicht der Fall.“ Zweite Bedingung: Die Kosten. „Investoren sollten sich die direkten und indirekten Kosten genau ansehen. Sie erodieren die Performance.“ Auch von Faktor-Wetten rät Hedrich ab: „Es ist ex-ante nicht klar, welche Faktor-Wette aufgehen wird. Zu diesem Zweck reicht ein ETF.“ Gleichzeitig gelte es die Spreu vom Weizen zu trennen. Denn viele Fonds gäben vor, aktiv zu sein, klebten aber am Index. „Sogenannte Index-Hugger können über die Kennzahl Active-Share identifiziert werden. Sie misst, wie stark ein Manager von der Benchmark abweicht.“ Dass das Instrument nicht in jedem Fall passt, liege an einer weiteren wichtigen Bedingung, die Investoren beachten sollten: „Die wissenschaftliche Literatur untersucht die Kennzahl in verschiedenen Marktphasen. Doch wenn es ruppig wird an den Märkten suchen die meisten Manager die Nähe zur Benchmark.“ Nicht nur das Segment sei demnach entscheidend, sondern auch die Marktphase.

„Prospekte lesen kann sich lohnen“

Bottom-up orientiert analysiert Nicolas Schmidlin, Partner und Vorstand der ProfitlichSchmidlin AG, Unternehmen und Anleihen; volkswirtschaftliche Faktoren spielen für ihn nur eine untergeordnete Rolle. Der 28-jährige liest viel – gerne auch Emmissionsprospekte von Aktien oder Anleihen. Das hat handfeste Gründe: „Wir investieren nur in Unternehmen, die wir auch verstehen“. Schmidlin und sein Partner setzen auf unterbewerte Unternehmen und auf Werttreiber, die diese Unterbewertungen auflösen. Beispiel: die Vivendi-Tochter Canal Plus. Nachdem er und sein Team die Geschäftsbereiche durchgegangen waren, fiel eine Besonderheit auf: „Der Mutterkonzern Vivendi hatte sich verpflichtet, einen um 2,5% jährlich steigenden Mindestgewinn zu garantieren“, erzählt Schmidlin. Eine teure Angelegenheit für Vivendi. Der Fondsmanager rechnete nach. Mit vernünftigen Abzinsungsfaktoren kam er auf einen fairen Wert von 7 bis 10 EUR pro Aktie. Schmidlin kaufte bei 6 EUR, nachdem der Investor Vincent Bolloré bei Vivendi eingestiegen war, um den Mischkonzern zu restrukturieren. Die Vermutung: Bolloré würde für die noch ausstehenden Canal Plus Aktien bieten, um dem Vivendi-Konzern Geld zu sparen. Und so kam es. „Situationen in denen sich die Aktionärs- und Anreizstruktur des Managements ändert lieben und suchen wir“.  

Das kann auch bei Anleihen funktionieren. Schmidlin bringt hier das Beispiel der „Polish Television 11% PIK 2021“. Nachdem Bolloré bei Vivendi eingestiegen war, sah Schmidlin Anzeichen für eine vorzeitige Rückzahlung der Anleihe durch eine sogenannte „make-whole“-Kündigung, einer Rückzahlung mit hoher Vorfälligkeitsentschädigung. „Dieses Premium ergab sich aus dem Emissionsprospekt und war Bollorés einzige Möglichkeit seine strategischen Interessen umzusetzen.“ Schmidlin und sein Team wurden auch hier belohnt: „Manchmal ist unsere Arbeit richtig spannend“, lacht der Fondsmanager.

Lesen Sie morgen den zweiten Teil: Mehrwert durch aktives Management 

(TL/DIF)



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Teresa Laukötter hat den M. Sc. in Volkswirtschaft der Universität Maastricht. Als Redakteurin und Content-Managerin bei €uro Advisor Services GmbH ist sie zuständig für die Top-Themen auf www.fundresearch.de.

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