DAX-0,01 % EUR/USD+0,02 % Gold+0,47 % Öl (Brent)0,00 %

ETF Securities - Ausblick 2017 Rohstoffausblick

Nachrichtenquelle: ETF Securities
01.12.2016, 10:56  |  467   |   |   

Rohstoffe dürften von eigenen Fundamentaldaten bestimmt werden

Zwar werden Rohstoffe von vielen Markteilnehmern als eine einzige Anlageklasse erachtet. Tatsächlich weist aber jeder Rohstoff eigene fundamentale Treiber auf. Die Korrelation zwischen Rohstoffen ist historisch gesehen relativ gering. In diesem Ausblick geben wir einen Überblick über unsere Ansichten zu den wichtigsten Rohstoffen innerhalb jeder Unterkategorie.

Gold und Silber: kurzfristig unter Druck, mittelfristig stark

Wir gehen weiter davon aus, dass die Fed die Zinsen im Dezember 2016 erhöhen wird. Zwar waren die Präsidentschaftswahlen mit einer gewissen politischen Unsicherheit behaftet. Trumps wachstumsfördernde Politik dürfte sich aber inflationär auswirken. Die Gold- und Silberpreise dürften im Vorfeld der Zinserhöhung kurzfristig unter Druck geraten. Die Fed wird unseres Erachtens aber hinter der Kurve zurückbleiben und die Zinsen nicht so schnell erhöhen wie die Inflation steigt, sodass die Realzinsen sehr niedrig bleiben. Gemäß den neuesten Dotplot-Prognosen des geldpolitischen Ausschusses der Fed zu angemessenen Maßnahmen dürfte die Zentralbank die Zinsen 2017 nur zweimal anheben. Niedrige Realzinsen wirken günstig auf den Goldpreis. Unseres Erachtens liegt der faire Wert von Gold bei 1440 USD/oz. (aktueller Preis: 1206 USD/oz.).

Silber ist eng mit Gold korreliert, sodass der Silberpreis ebenfalls steigen dürfte. Im Gegensatz zu Gold, das wie eine Währung behandelt wird, wird der Silberpreis auch durch das physische Angebot und die Nachfrage bestimmt. Unter Berücksichtigung der rückläufigen Mineninvestitionen und einer zunehmenden Aktivität im Industriesektor schätzen wir den fairen Wert von Silber auf 23 USD/oz. (aktueller Preis: 19 USD/oz.).

Die spekulativen Gold- und Silberpositionen haben ausgehend von ihren im Juli verzeichneten Hochs nachgegeben, bleiben aber erhöht, da die Anleger eine Absicherung gegen geopolitische Risiken anstreben. Das Verfassungsreferendum in Italien, die Präsidentschaftswahlen in Frankreich und die Bundestagswahlen in Deutschland sind nur einige der im kommenden Jahr anstehenden politischen Ereignisse. Wann und ob Großbritannien den EU-Austrittsprozess in Gang setzen wird, ist nach wie vor unklar. Der zunehmende Populismus stellt eine Gefahr für die Stabilität dar, und die Anleger werden eine Absicherung gegen dieses Risiko anstreben.

Ölmarkt weiter auf dem Weg zu einem Gleichgewicht

Unseres Erachtens dürfte der Ölpreis weiter in einer Spanne zwischen 40-55 USD/Barrel verharren, bis es zu deutlichen Produktionskürzungen kommt.

Der Markt nähert sich weiter einem Angebots-Nachfrage-Gleichgewicht an. Der Weg dahin ist aber steinig. Seit dem Beginn des Ölpreisverfalls im November 2014 wurden die Investitionen in die Öl- und Gasbranche um beinahe 1 Bio. USD gekürzt. Dies dürfte das Angebot ab 2017 allmählich schmälern.

 

Die OPEC hat zudem Produktionskürzungen von 33,4 Mio. Barrel (September 2016) auf 32,5-33 Mio. Barrel in Aussicht gestellt. Allerdings hängt die Bereitschaft der OPEC vom Engagement der Länder außerhalb der OPEC ab. Auf den vorbereitenden Sitzungen zwischen den OPEC- und einigen Nicht-OPEC-Mitgliedsstaaten konnten bisher keine Fortschritte in Richtung einer Einigung erzielt werden. In großen Nicht-OPEC-Ländern wie Russland, Brasilien und Kasachstan werden neue Produktionsanlagen in Betrieb genommen, in die vor Jahren investiert wurde. Zudem wollen zahlreiche OPEC-Mitglieder von Produktionskürzungen ausgenommen werden, wodurch Länder wie Saudi-Arabien und andere Mitglieder des Golf-Kooperationsrates die Last zu tragen hätten.

Trotz dieser Schwierigkeiten könnte der Markt bereits im ersten Quartal 2017 zu einem Gleichgewicht finden, sofern es der OPEC auf ihrer Sitzung am 30. November gelingt, die Produktionskürzungen unter den Mitgliedsstaaten aufzuteilen und danach an den Förderquoten festzuhalten. Unseres Erachtens dürfte die OPEC aber erst im zweiten Quartal 2017 in der Lage sein, die Produktion auf 33 Mio. Barrel zu drosseln, und der Markt würde entsprechend erst im dritten Quartal 2017 zu einem Gleichgewicht finden.

Die Ölförderung in den USA wird weiterhin preissensibel bleiben. Angesichts der kurzfristigen Breakeven-Preise für Schieferöl von 40 USD/Barrel dürfte die US-Produktion wachsen. Dies dürfte das Aufwärtspotenzial der Preise in der ersten Hälfte des neuen Jahres auf 55 USD/Barrel begrenzen.

Das Versprechen des designierten Präsidenten Donald Trump, auf eine Energieunabhängigkeit hinzuarbeiten, könnte einen Anstieg der US-Ölförderung nach sich ziehen. Dieses Ziel soll allerdings erst auf Sicht von sechs Jahren erreicht werden, sodass in diesem Jahr nicht mehr mit einem Anstieg der Produktion zu rechnen ist.

Sollte es in der zweiten Hälfte 2017 zu deutlichen Produktionskürzungen kommen und die Produktionsdefizite die erhöhten Lagerbestände sinken lassen, dürfte der Ölpreis auf über 55 USD/Barrel klettern.

Korrektur bei Industriemetallen vor nächster Rally

Industriemetalle verzeichneten 2016 eine starke Rally, da die Angebotsdefizite zunehmend ins Bewusstsein gerückt sind. Selbst Kupfer, das sich in der ersten Jahreshälfte schwach entwickelt hatte, verbuchte in den letzten Wochen einen starken Anstieg. Da sich aus fundamentaler Sicht kaum etwas verändert hat, befürchten wir, dass die Gewinne zum Teil durch umfangreiche spekulative Käufe aus China bedingt sind, sodass kurzfristig eine Korrektur möglich ist.

Im Vorfeld des 19. Nationalkongresses der Kommunistischen Partei Chinas im Herbst 2017 streben die chinesischen Behörden politische Stabilität an. Dies könnte zur Folge haben, dass die Reformpläne in den Hintergrund rücken und die Überproduktion einiger Metalle in China weiter anhält.

Der zunehmende Populismus in anderen Teilen der Welt dürfte höhere Infrastrukturausgaben nach sich ziehen, was wiederum die Nachfrage nach Industrierohstoffen beflügeln dürfte. Beispielsweise hat Donald Trump bis zu 1 Bio. USD an Infrastrukturausgaben versprochen (diese sollen durch eine Kombination aus Steuergutschriften und Krediten des Privatsektors finanziert werden). Dies dürfte nach der oben beschriebenen kurzfristigen Korrektur einen Anstieg der Industriemetallpreise nach sich ziehen.

Auch andere politische Risiken könnten sich auf die Preise für Industriemetalle auswirken. So haben z.B. die Philippinen kürzlich mit einem Verbot von Erzausfuhren gedroht. Das Verhältnis von Präsident Duterte zu den USA dürfte sich unter der Regierung Trump allerdings verbessern. Aufgrund der neuen politischen Annäherung an China dürften zudem zumindest die größten Abnehmer weiterhin von Erzexporten profitieren.

La Niña dürfte für bessere Wachstumsbedingungen in der Landwirtschaft sorgen

Das zu erwartende Wetterphänomen La Niña dürfte im Sommer auf der Südhalbkugel für kühlere Temperaturen sorgen und damit die Hitzeschäden bei Arabica-Kaffee, Mais und Sojabohnen begrenzen. Die aktuelle Regensaison hat zu einer starken Blütenbildung bei den Kaffeesträuchern in Brasilien geführt, was auf eine gute Ernte in diesem Jahr schließen lässt.

Eine stärkere Schneedecke in Nordamerika während La Niña könnte zudem Winterweizen zugutekommen.

Die Reservoirs in Indien sind – nach der enttäuschenden Monsunzeit im letzten Jahr – dank der wieder normalen Regenmenge in diesem Jahr nun wieder gefüllt. Diese günstigen Bedingungen dürften zu einem Rückgang des Produktionsdefizits bei Zucker beitragen. Die Aufhebung der Produktionsobergrenze für Zucker im Oktober 2017 durch die EU dürfte zu einem Anstieg des Angebots an Zuckerrüben in Europa führen und die Nachfrage nach Rohrohrzucker senken, was die Preise ebenfalls belasten dürfte.



Verpassen Sie keine Nachrichten von ETF Securities

ETF Securities ist einer der weltweit führenden, unabhängigen Anbieter von börsennotierten Rohstoffprodukten (ETPs) und bietet eine umfangreiche Palette an börsennotierten Aktien-, Rohstoff- und Währungsprodukten an. Das Unternehmen hat im Jahr 2003 das erste börsennotierte, physisch hinterlegte Gold-Produkt emittiert. Mittlerweile bietet ETF Securities über 300 ETPs in den Assetklassen Rohstoffe, Währungen und Aktien an, die an den wichtigsten Börsen weltweit notiert sind.

Abonnieren Sie jetzt Ihren Lieblingsautor
Ich habe die Allgemeinen Nutzungsbedingungen und die Datenschutzerklärung gelesen und stimmt diesen zu.
Autor abonnieren
Wir respektieren Ihre Privatsphäre, es werden keine Daten an Dritte weitergegeben!
Verpassen Sie nichts mehr aus der wallstreet:online Redaktion!
Newsletter kostenlos abonnieren

Schreibe Deinen Kommentar

 

Disclaimer

Europas größte ETP-Plattform

Erfahren Sie alles zum Thema Investieren in ETPs. Informieren Sie sich auf etfsecurities.com

Zum Leitfaden

Weitere Nachrichten des Autors

Titel
Titel
Titel