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US-Geldpolitik - Reaktionen Wacklige Finanzstabilität - "Nullzinspolitik stört Funktionsfähigkeit der Kapitalmärkte"

15.12.2016, 10:01  |  4692   |   |   

Die US-Notenbank Federal Reserve hat gestern Abend die US-Leitzinsen erwartungsgemäß um 25 Basispunkte erhöht. Damit liegt das Leitzinsintervall bei 0,50 bis 0,75 Prozent. Zugleich haben die Mitglieder des Federal Open Market Committee ihre Leitzinserwartungen für die kommenden Jahre nach oben revidiert. Statt bislang zwei erwarten sie nun mehrheitlich drei Erhöhungen im nächsten Jahr.

Der Beschluss zur Zinsanhebung sei einstimmig gefallen, hieß es in der Fed-Mitteilung. Man habe mit der Entscheidung die bedeutenden Fortschritte der Wirtschaft gewürdigt, sagte Fed-Chefin Janet Yellen. In den kommenden Jahren erwarte man ein moderates Wachstum. Die Bedingungen am Arbeitsmarkt sollten sich zudem weiter verbessern. Die Inflation habe in diesem Jahr zugelegt und dürfte in Richtung von 2 Prozent steigen. Im Mittel rechnen die US-Notenbanker weiterhin für kommendes Jahr mit einer Inflationsrate von 1,9 Prozent.

Die letzte Anhebung um ebenfalls 0,25 Prozentpunkte erfolgte im Dezember 2015. Zuvor hatte der Zinssatz seit Ende 2008 - also kurz nachdem die weltweite Finanzkrise ihren Höhepunkt erreicht hatte - in der Spanne zwischen null und 0,25 Prozent gelegen.

Richtige Richtung und Wink an die EZB

Der ifo-Präsident Clemens Fuest hat die Zinserhöhung der US-Notenbank begrüßt. „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, dem weitere folgen müssen. Die Inflationsrate in den USA steigt, und es ist wichtig, dass die Geldpolitik rechtzeitig gegensteuert", sagte er in München. „Auch die Europäische Zentralbank sollte sich auf einen Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik vorbereiten, denn es ist absehbar, dass die Inflationsrate nächstes Jahr auch im Euroraum ansteigen wird. Die Nullzinspolitik stört die Funktionsfähigkeit der Kapitalmärkte, verunsichert die Sparer und führt zu Vermögensblasen, die beim Platzen das Finanzsystem in Not bringen können.“

Kleiner Schritt in Richtung Normalisierung

„Die Zinserhöhung der amerikanischen Notenbank ist eine gute Nachricht. Sie unterstreicht, dass die US-Notenbank (Fed) den wirtschaftlichen Aufschwung in den USA für hinreichend robust hält, um einen weiteren, kleinen Schritt in Richtung geldpolitischer Normalisierung zu gehen“, erklärte Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes. Damit trage die Fed auch dazu bei, die Konjunkturerwartungen zu stabilisieren. Kemmer bekräftigte jedoch auch die anhaltenden Mahnungen des Bankenverbandes: „Die Niedrigzinspolitik ist weiterhin mit unerwünschten Nebeneffekten für die Finanzstabilität verbunden.“ Der Bankenverband hätte sich aus diesem Grund den zweiten Zinsschritt im laufenden Zyklus sogar etwas früher in diesem Jahr gewünscht.

Mit Blick auf die bereits deutlich gestiegenen Kapitalmarktzinsen in den USA sei keine lineare Fortsetzung des jüngsten Anstiegs zu befürchten. Kemmer: „Unseres Erachtens sollte es bei den langjährigen Zinsen im nächsten Jahr nur moderat aufwärtsgehen, denn wir sehen weiterhin keine rapide Beschleunigung bei der Inflationsrate in den USA.“ Das gelte erst recht, da die jüngste Aufwertung des US-Dollar die Preisentwicklung dämpfe und die Kapitalzuflüsse weiter antreibe. „Das sollte wiederum den Anstieg der Langfristzinsen zügeln“, erwartet der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes.

Leitzinsanhebung der Fed - alle Jahre wieder ...?

Die Analysten der DekaBank kommentieren: „Die Änderungen im Statement sind überschaubar und entsprachen unseren Erwartungen. In der anschließenden Pressekonferenz war Janet Yellen bemüht, die Änderung bei den Leitzinsprojektionen herunterzureden. Gleichwohl haben sich die FOMC-Mitglieder nun die Möglichkeit einer nächsten Leitzinserhöhung beim Zinsentscheid im März kommenden Jahres geschaffen. Wir gehen allerdings vorerst weiterhin davon aus, dass der nächste Zinsschritt der Fed im Sommer 2017 erfolgen wird.“

Erwartete Zinserhöhung, moderate Sprache -  Erstmal Pause für Dollar-Rally

Stefan Kreuzkamp, Chief Investment Officer Deutsche Asset Management, kommentiert: „Im vergangenen Jahr hatten Skeptiker noch befürchtet, dass die US-Wirtschaft nicht mit einer Zinserhöhung umgehen könnte. Nun ist die größere Sorge der Märkte, dass die Fed sogar zu langsam erhöhen könnte. Nichtsdestotrotz halten wir es für klug, erst einmal abzuwarten, wie die Fiskalpolitik des kommenden Präsidenten Donald Trump wirklich aussehen wird.
 
Obwohl weitestgehend erwartet, kommt die Entscheidung der US-Notenbank zu einem kritischen Zeitpunkt: Der Sieg von Donald Trump bei den Präsidentschaftswahlen hat die jüngsten Markttrends noch verschärft: US-Aktien stehen auf Rekordständen, zehnjährige US-Anleihen haben seit der Wahl um mehr als 60 Basispunkte zugelegt und notieren bei gut 2,5 Prozent. Inflations- und Wachstumserwartungen sind geradezu erschreckend schnell angestiegen  - erschreckend zumindest für Anleiheinvestoren. Wir erwarten aber dennoch keinen Anleihe-Abverkauf. Die Flitterwochen zwischen Trump und den Märkten könnten schon Mitte 2017 vorbei sein – wenn seine Regierungsmannschaft mit dem täglichen Klein-Klein des Politikbetriebes konfrontiert sein wird. Bis dahin werden Unternehmen und private Haushalte bereits den ersten Gegenwind durch höhere Zinsen spüren.“

Aktienmärkte müssen mit Gegenwind rechnen

Dr. Otmar Lang, Chefvolkswirt der TARGOBANK kommentiert: „Die FED hat wie erwartet die Zinsen um einen Viertelprozentpunkt angehoben. Das dürfte der Beginn einer ganzen Reihe von Zinsschritten sein – drei oder sogar vier sind 2017 aus unserer Sicht denkbar. Hier wird sich die FED aber noch nicht festlegen: Stattdessen wird sie abwarten, wieviel von dem wirtschaftsfreundlichen „Trumponomic“-Programm am Ende tatsächlich umgesetzt wird.

Fährt die FED tatsächlich konsequent den Kurs der Zinswende, wird der Dollar sehr schnell die Parität zum Euro erreichen. Und das würde US-Aktien in 2017 nicht gut tun. Außerdem dürften die Renditen von US-Anleihen deutlich anziehen. Infolgedessen würde die relative Attraktivität von Aktien zu Anleihen sinken, sodass sich der Anlagenotstand abbauen würde. Das würde wegen der Sogwirkung der US-Treasuries für die Aktienmärkte weltweit gelten, wenngleich auch etwas abgeschwächt.“

Wertpapier: DAX, EUR/USD, Dow Jones, E-Stoxx 50, S&P 500, Öl (Brent), Gold, Silber, Öl (WTI)


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