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Rohstoffe: Öl in den Fängen der Spekulanten – Gold neigt zur Schwäche
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Rohstoffe Öl in den Fängen der Spekulanten – Gold neigt zur Schwäche

Gastautor: Eugen Weinberg
20.12.2016, 11:26  |  3159   |   |   

Energie: Die spekulativen Finanzanleger haben ihre Netto-Long-Positionen bei Brent laut Daten der ICE in der Woche zum 13. Dezember um 22,6 Tsd. Kontrakte auf ein neues Rekordniveau von 451,5 Tsd. Kontrakten ausgeweitet. Dies war der vierte Wochenanstieg in Folge. Während dieses Zeitraums sind die Netto-Long-Positionen um fast 90% gestiegen. Die Zahl der Long-Position liegt zum ersten Mal seit Beginn der Datenreihe im Januar 2011 bei mehr als 500 Tsd. Kontrakten. In die Berichtswoche fiel das Treffen, bei welchem sich OPEC- und Nicht-OPEC-Länder auf gemeinsame Produktionskürzungen einigten und der Brentölpreis im Zuge dessen ein 18-Monatshoch von knapp 58 USD je Barrel erreichte. Der Positionsaufbau in der Woche zuvor war stark auf die Ende November von der OPEC angekündigten Produktionskürzungen zurückzuführen. Der jüngste Preisanstieg war somit stark spekulativ getrieben. Es besteht daher das Risiko einer Preiskorrektur, sollten die Produktionskürzungen Anfang nächsten Jahres hinter den Erwartungen zurückbleiben.
China wird gut informierten Quellen zufolge kleinen unabhängigen Raffinerien („teapot refineries“) für 2017 keine Exportlizenzen für Ölprodukte mehr erteilen. Betroffen sind demnach 11 Unternehmen, welche in diesem Jahr 1,5 Mio. Tonnen an Ölprodukten exportieren durften. Verglichen mit den Gesamtexporten von 30 Mio. Tonnen ist diese Zahl gering. Die „teapot refineries“ waren im zu Ende gehenden Jahr für 90% des Anstiegs der chinesischen Rohölimporte um 925 Tsd. Barrel pro Tag verantwortlich. Die Rohöleinfuhren Chinas dürften daher im nächsten Jahr deutlich geringer steigen.

Produktideen: Faktor-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CD4GWB Long Oil Brent Future Feb 2017 Faktor 4
CD4GWJ Short Oil Brent Future Feb 2017 Faktor -4

Edelmetalle: Gold neigt heute Morgen zur Schwäche und fällt auf gut 1.130 USD je Feinunze. Die Gold-ETFs haben gestern den 27. Handelstag in Folge Abflüsse verzeichnet (9,4 Tonnen) und damit die rekordlange Verluststrecke aus dem Frühjahr 2013 eingestellt. Seit Beginn der Abflüsse am 10. November wurden die Bestände um 214 Tonnen abgebaut. Das ist sogar etwas mehr als es im Frühjahr 2013 an Abflüssen gab. Silber wird von Gold mit nach unten gezogen und handelt am Morgen wieder unter 16 USD je Feinunze. Das Silver Institute hatte letzte Woche eine vom unabhängigen Research-Institut CRU verfasste Studie zur langfristigen Nachfrageentwicklung nach Silber in der Photovoltaikindustrie (PV) und in der Ethylenoxidproduktion (EO) veröffentlicht. Demnach soll die Nachfrage aus der PV-Industrie von knapp 78 Mio. Unzen 2015 (13% Anteil an der Industrienachfrage) auf 148 Mio. Unzen 2018 steigen. Grund hierfür ist eine deutliche Ausweitung der Produktionskapazitäten in China und in Indien, die den rückläufigen Silberanteil in den Solarzellen überkompensiert. Bis 2020 soll die PV-Nachfrage laut CRU dann wieder auf etwa 100 Mio. Unzen sinken. Nach einem Einbruch 2016 wegen hoher Überkapazitäten in China soll die Nachfrage aus der EO-Produktion einen ähnlichen Verlauf wie die PV-Nachfrage nehmen. Allerdings ist die EO-Produktion für die industrielle Silbernachfrage noch relativ unbedeutend (1,7% Anteil). Ethylenoxid wird unter anderem in der Verpackungs¬industrie (z.B. PET) und in der Herstellung von Kühlmittel (z.B. für Autos) verwendet.

Produktideen: Standard-Optionsscheine
WKN Typ Basiswert Merkmale
CD75SA Call Gold Basispreis 1.200,00 USD
CD75SX Put Gold Basispreis 1.000,00 USD

Industriemetalle: Gewinnmitnahmen, erstmals seit längerem schwächere chinesische Konjunkturdaten, und fallende chinesische Aktienmärkte setzen die Metallpreise weiter unter Druck, so dass diese auch heute Morgen in der Breite nachgeben. Der LME-Industriemetallindex (LMEX) verlor gestern 2,2% und hat in den letzten beiden Handelstagen knapp 4% abgegeben. Mit einem Minus von 4,5% war Zink gestern der größte Verlierer, zwischenzeitlich stand hier sogar ein Verlust von 5,5% zu Buche. Kupfer fiel unter die Marke von 5.500 USD je Tonne. Gestern veröffentlichte Daten des Nationalen Statistikbüros zeigten, dass die Häuserpreise in den 70 größten Städten Chinas im November kaum noch gestiegen waren. Die chinesischen Behörden hatten zuvor Maßnahmen zur Abkühlung des Immobilienbooms eingeleitet und sind weiter „sehr besorgt“ über einen überhitzenden Immobilienmarkt. Bei Kupfer hat sich gestern der Aufbau der Vorräte in den LME-Lagerhäusern beschleunigt. Die Bestände wurden um weitere 38,4 Tsd. Tonnen bzw. 12,5% aufgebaut, womit sie mittlerweile auf einem 8-Wochenhoch liegen. Auch bei Eisenerz setzt sich der seit Monaten zu beobachtende Lageraufbau fort. Gemäß Daten von Steelhome lagen in den chinesischen Häfen per Ende letzter Woche 111,6 Mio. Tonnen Eisenerz, so viel wie seit über zwei Jahren nicht mehr. China hatte zuletzt wieder mehr Eisenerz importiert (siehe TagesInfo Rohstoffe vom 8. Dezember), wohl auch über Bedarf. Der Eisenerzpreis hält sich aber noch klar über der Marke von 80 USD je Tonne.

Produktideen: Classic Turbo-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CE4QLS Bull Copper Future Mar 17 Hebel 11,4
CE4QLM Bear Copper Future Mar 17 Hebel 5,7

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Wertpapier: Öl (Brent), Gold, Platin, Palladium, Aluminium, Nickel, Kupfer, Zink


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Eugen Weinberg leitet seit März 2007 das Rohstoff-Research-Team bei der Commerzbank. Der Diplom- Wirtschaftsmathematiker ist in Russland geboren, kam im Jahr 1999 für ein MBA-Studium nach Deutschland. Danach war er als Fondsmanager und Rohstoffanalyst bei der BW-Bank in Stuttgart beschäftigt und baute im Anschluss den Bereich Rohstoff-Research bei der DZ Bank in Frankfurt auf. Bei der Commerzbank ist er mit seinem Team maßgeblich für die Erstellung der Prognosen und der Strategien im Rohstoffsektor verantwortlich.

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Leiter Rohstoffanalyse, Commerzbank AG

Eugen Weinberg leitet seit März 2007 das Rohstoff-Research-Team bei der Commerzbank. Der Diplom- Wirtschaftsmathematiker ist in Russland geboren, kam im Jahr 1999 für ein MBA-Studium nach Deutschland. Danach war er als Fondsmanager und Rohstoffanalyst bei der BW-Bank in Stuttgart beschäftigt und baute im Anschluss den Bereich Rohstoff-Research bei der DZ Bank in Frankfurt auf. Bei der Commerzbank ist er mit seinem Team maßgeblich für die Erstellung der Prognosen und der Strategien im Rohstoffsektor verantwortlich.

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