DAX-0,15 % EUR/USD-0,27 % Gold+0,90 % Öl (Brent)+1,90 %

Window Dressing Window Dressing verstehen und für das eigene Depot nutzen

Gastautor: Dieter Fromm
29.12.2016, 15:52  |  1599   |   |   

In den letzten Tagen des Jahres wird es auch an den Finanzmärkten hektisch. Denn viele Fondsmanager versuchen dann kurzfristig die Performance ihrer Portfolios zu verbessern. Was bedeutet dies für die Anleger und wie können sie davon profitieren?

Ein Weihnachtsmärchen Viele Fondmanager werden aktiv, um ihre Portfolios „aufzuhübschen“, bevor das Börsenjahr 2016 sich dem Ende neigt. Ein solches „Window Dressing“ ähnelt der Schaufensterdekoration, die Kunden in die Geschäfte locken soll. Die Fassade scheint auf den ersten Blick ansprechend, doch der Schein kann trügen. Auch die Endabrechnung der Fonds zum Jahresende soll zeigen, was für einen tollen Job der Fondmanager gemacht hat. Denn, auf der Wunschliste der Anleger steht eine gute Performance ganz weit oben. Und diese wird vor allem durch die Aktien erzielt wird, die 2016 besonders hohe Kursgewinne erzielt haben. 

Anleger sollen dabei vor allem das Ende des Jahres mit einem guten Gefühl abschließen. Den Portfoliolenkern spielt dabei in die Hände, dass zu dieser Zeit das Handelsvolumen meist deutlich abflacht, weil sich viele Händler in den Weihnachtsurlaub verabschieden. Daher fallen erwartete Kursausschläge oft stärker aus. Doch was bedeutet Window-Dressing für den Investor? Und wie ist dieses Phänomen erkennbar?

2015 haben offenbar viele Manager deutscher Aktienfonds im Dezember zwei solche Titel vermehrt aufgekauft habenTitel mit besonders schlechter Jahresperformance zu dann höheren Kursen nachgekauft, um ihre Verluste mit diesen Aktien zu begrenzen. Auch die Top-Performer Adidas und Infineon konnten Ende 2015 ihre Gewinne weiter ausbauen. Um das Phänomen Window-Dressing bei Managern deutscher Aktienfonds aufzuspüren, hilft es also die Aktien mit der besten und schlechtesten Performance im Geschäftsjahr 2015 zu kennen:

Die Top-Drei-Aktien 2015 im Dax Adidas (+ 55 Prozent), Infineon (+ 52 Prozent) und Fresenius (+ 48 Prozent) lieferten die höchsten Kursgewinne. Alle drei Titel legten im September eine Verschnaufpause ein, als aufgelaufene Gewinne realisiert wurden. Die größten Verlierer im Dax waren RWE (- 55 Prozent) und E.On (- 36 Prozent), gefolgt von Volkswagen (- 6,6 Prozent). Die drei Verliereraktien sorgten auch 2016 für wenig Freude bei den Anlegern. Im Dezember 2015 bewegte sich E.On kaum,  RWE legte hingegen um  6,7 Prozent zu. Volkswagen stieg sogar um 27 Prozent. 

Die ehemalige Fondmanagerin und Bestsellerautorin Susan Levermann, beschreibt in ihrem Buch „Der entspannte Weg zum Reichtum“ Window-Dressing aus der Position einer langjährigen Insiderin. Demnach kommen am Ende eines Berichtszeitraums selbst einige erfahrene Fondmanager in die Bredouille. Vor allem, wenn ohne solche Verschönerungsmaßnahmen ersichtlich wird, dass der Markt offensichtlich falsch eingeschätzt wurde und bisher die „falschen“ Titel im Portfolio liegen.

Verbreitet bei Underperformern Besonders stark untersucht wurde das Phänomen bisher vor allem bei US-Fonds. Das Kölner Centre for Financial Research (CFR) der Universität Köln, untersuchte zuletzt 2014 den Zusammenhang zwischen US-Fondmanagern und Window-Dressing. Dabei wurden 2.623 US-amerikanische Fonds zwischen 1997 und 2008 analysiert. Das Forscherteam fand unter anderem heraus, dass es einen messbaren Zusammenhang zwischen Window-Dressing-Aktivitäten und abnehmender Fondmanagementqualität gibt. Im Klartext: Fondmanager versuchen vor allem ihre bescheidene Performance durch die Aufnahme von attraktiven Titeln zu verbessern, um für anstehende Rechtfertigungen gerüstet zu sein. Daher sollten Anleger ihre Fonds auf verdächtige Käufe von Gewinneraktien oder Verliereraktien kurz vor Jahresende untersuchen.  

Denn liegen die Aktien im Depot, die im abgelaufenen Jahr am besten gelaufen sind, zeigt das natürlich  , dass der Fondsmanager den richtigen Riecher hatte. Das gilt natürlich nur, wenn solche Werte rechtzeitig gekauft wurden und vom überdurchschnittlichen Kursanstieg profitieren konnten. Anleger sollten also die größten Gewinner und Verlierer im Vergleichsindex betrachten und das Börsenjahr 2016 Revue passieren lassen. Vergleichen Sie dann anhand der Quartals- und Halbjahresberichte, wann der Fondsmanager diese Titel gekauft hat. 

Wie Sie 2016 profitieren Auch für Aktienkäufer lohnt sich ein Blick auf die Top-Aktien des Jahres. Denn, diese Titel werden in den nächsten Wochen voraussichtlich vermehrt ins Portfolios geholt und haben Aufwärtspotenzial. Aber auch schwache Aktien können stark aufgekauft werden, wenn Portfoliomanager Anfang des Jahres auf diese Aktien gesetzt haben und ihre Verluste durch günstigere Nachkäufe begrenzen wollen. 

Im Dax entwickelte sich 2016 mit Abstand die Adidas-Aktie am besten, die bisher um 60 Prozent zulegte. Nach einem Vorstandschefwechsel und der Anhebung der Konzernprognose stieg ihr Kurs. Auf Platz zwei und drei folgen Linde (plus 14 Prozent) und Heidelberg Cement (plus 12 Prozent).

Die größten Dax-Verlierer sind bisher die Deutsche Bank (minus 37 Prozent), Pro Sieben Sat 1 (minus 35,7 Prozent) und die Commerzbank (minus 34 Prozent).

Sollten Sie planen sich von Fonds zu trennen, kann Window-Dressing auch als Timing-Indikator genutzt werden. Anstehende Fondverkäufe sollten daher erst im Januar 2017 vorgenommen werden. Fondskäufe lohnen hingegen im Dezember. Ein Vergleich bei moneymeets.com, zeigt wie Anleger Fonds ohne Ausgabeaufschlag kaufen können und wieviel Bestandsprovisionen (Kickbacks) sie sich erstatten lassen können.



0 Kommentare

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Disclaimer