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Cashkurs*Trends-Probeausgabe Krebs-Immuntherapien: Von der tödlichen Bedrohung zur chronischen Krankheit?

Gastautor: Dirk Müller
29.12.2016, 12:27  |  3257   |   |   

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

es gehört zu den schwersten Momenten des Lebens, wenn man selbst oder ein naher Angehöriger – meist völlig überraschend – die Diagnose einer unheilbaren und tödlichen Krankheit erhält. So geht es auch in diesen Tagen wieder zahlreichen Menschen in Deutschland und weltweit, für die das Weihnachtsfest ein schlimmes wird. Bei dem alle im Raum den ganzen Abend die eine Frage umtreibt „Wird das unser letztes gemeinsames Weihnachtsfest sein?“. Es folgt eine Phase des Aufbäumens, man will nicht einfach aufgeben und versucht alles in seiner Macht stehende zu tun, das unvermeidbare abzuwenden. Es muss doch eine Lösung geben. Die Medizin macht doch so große Fortschritte. In den meisten Fällen bleibt es bei der Hoffnung und man sieht seine Liebsten in schmerzvollen unendlich langen Monaten immer schwächer werden und gehen.

Der Tod ist immer eine schmerzvolle Erfahrung, aber mir scheint es doch ein Unterschied zu sein, ob er einen von einem Moment auf den anderen ereilt, man bis zuletzt in der Überzeugung „ewig zu leben“ noch sein Leben gelebt und genossen hat, oder ob man plötzlich ein Ablaufdatum genannt bekommt. „Sie haben noch 12 Monate, machen Sie das Beste daraus.“ Wie soll man das machen, wenn sich von diese Stunde an alle Gedanken nur noch um das nahe Ende drehen? Diese Ohnmacht, diese Hilflosigkeit diese Verzweiflung über Monate ist es, die ein solches Sterben durch eine unheilbare Krankheit so viel brutaler macht als der plötzliche Herzschlag über Nacht.

Ich schreibe Ihnen das so detailliert, da es mich selbst gerade betrifft. So erleben wir das gerade in unserer Familie. Mir geht es dabei wie allen anderen direkt oder indirekt Betroffenen, wir suchen weiter und geben die Hoffnung nicht auf doch noch eine rettende Lösung für unseren Angehörigen zu finden. Die Hoffnung stirbt immer zuletzt. Man sucht nach Ärzten, nach neuesten Forschungen, Selbsthilfegruppen, alternativer Medizin und vermeintlichen oder echten Wundern. Wo ist es jemandem gelungen diese Krankheit in einem Einzelfall zu besiegen? Wie hat er es gemacht? Kann man das wiederholen oder war es einfach nur ein Glück?

Ich habe alle meine Kontakt genutzt und mich tief in den aktuellen Stand der Krebsforschung eingegraben. Durch unsagbare Zufälle, die allesamt an Wunder grenzen und ein eigenes Buch wert wären, kamen spannende Kontakte und Hoffnungswege auf. Tatsächlich ist die Medizin an der Grenze zum Durchbruch für viele Krebsarten, die bislang als unheilbar gelten. Aber es werden noch Monate und Jahre vergehen, bis alle Tests absolviert, die Nebenwirkungen ausgetestet, die Genehmigungen erteilt und Behandlungsmethoden für alle zugänglich sind.

Zu lange für diejenigen, die heute um ihr Leben kämpfen. Daher sind viele bereit, sich der Forschung anzubieten. Als „Versuchskaninchen“ für neue hoffnungsvolle, experimentelle Behandlungsmethoden. Wobei der Begriff völlig falsch ist. Es ist die letzte Hoffnung, die einem eine Chance gibt. Und selbst wenn sie am Ende scheitert hat es etwas Wichtiges gebracht. Die Hoffnung! Die Hoffnung, vielleicht der Glückliche zu sein, der als erster diese Krankheit überlebt. Diese Hoffnung trägt durch die schweren Monate. Trägt besser und weiter als die Hoffnungslosigkeit und Kapitulation. Lässt noch mal jeden Tag mit großem Bewusstsein über seinen Wert genießen. Kleinigkeiten werden plötzlich zu wundervollen Dingen.

Es gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Menschheit, diese heimtückischen Krankheiten ein für alle Mal zu besiegen. Welche Rolle spielt dagegen Geldanlage oder Literaturdiskussion? Das wird gelingen und möglicherweise sogar in diesen Monaten. Auch ich bin gerade dabei und versuche mit meinem Netzwerk die Forschung voranzubringen, Elfenbeintürme zu öffnen, Menschen zu vernetzen. Es geschehen dabei faszinierende Dinge und ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht. Ich werde Sie darüber informieren, sobald es mehr zu sagen gibt. Wichtig ist es, die Hoffnung nie aufzugeben, alles zu tun was in der eigenen Möglichkeit steht um Dinge zu verändern, scheinen sie auch noch so unabänderlich.

Noch immer ist das Geld, sind die Forschungsgelder ein großer Hemmschuh. Die Berichte über die hohen Kosten im Gesundheitswesen sind vielfältig. Oftmals wird das Geld in den falschen Kanälen vergeudet. Oft kommt die Frage auf, wieso ein Medikament so unverschämt teuer sein muss.

Die im folgenden Beitrag erwähnten Checkpoint-Inhibitoren kosten sechsstellige Beträge im Jahr. Pro Patient! Aber wenn man bedenkt, wie viele Forschungsversuche im Laufe der Entwicklung abgebrochen werden müssen, welche Kosten diese Forschungen vor allem in den letzten Studienphasen 3 und 4 verursachen und am Ende vielleicht doch in der Mülltonne landen müssen, weil eine Nebenwirkung zu heftig ausfiel, dann wird klar, dass diese eine Wunderpille, die es zur Anwendung geschafft hat, all das wieder reinholen muss, was zuvor auf dem Weg dorthin investiert wurde. So kommt es, dass eine Infusion, die für sich alleine genommen recht günstig herzustellen ist, plötzlich einen unvorstellbar hohen Betrag kostet. Ganz besonders, wenn es nur einige tausend Patienten gibt und sich die Kosten nicht auf Millionen Patienten verteilen können. Aber wäre die Konsequenz zu sagen „Es gibt nur ein paar tausend Patienten, das wird zu teuer, lasst sie sterben, hört auf daran zu forschen"? Jeder, der in dieser Situation ist, hat plötzlich eine ganz andere Sicht auf diese Frage, als der Unbeteiligte. Wie viel ist ein Leben wert? Wie viel ist das eigene Leben wert? Wie viel das der Eltern oder Kinder?

Ganz unberechtigt ist die Kritik an der Preisfindung dennoch nicht. Die enormen Renditen der Pharmakonzerne zeigen, dass hier noch viel Platz wäre und entweder die Medikamente doch günstiger angeboten werden könnten oder doch mehr Geld für eine schnellere Forschung investiert werden könnte. Manchmal ist es doch die persönliche Betroffenheit, die Dinge beschleunigen. So hat der amerikanische Vizepräsident Joe Biden seinen ältesten Sohn Beau an den Hirntumor verloren. Das führte dazu, dass er die Krebsforschung zu einem „Moonshot“-Projekt erklärt hat. Es soll in 5 Jahren das erreicht werden, was sonst in 10-15 Jahren passieren würde. Niemand soll künftig mehr dieser Hilflosigkeit ausgesetzt sein, die er erfahren hat. Dafür werden große Summen investiert und Netzwerke verbunden. Manchmal ist es die persönliche Betroffenheit, die Dinge voranbringen. Vielleicht kann auch ich eines Tages ein ganz klein wenig dazu beitragen.

Ich wünsche Ihnen allen – besonders denen, die dieses Jahr eines dieser schweren Weihnachtsfeste verbringen werden – von Herzen viel Kraft und vor allem viel Hoffnung. Weihnachten ist auch die Zeit der Wunder und vielleicht beschert uns die Wissenschaft ja ein solches schneller als man denkt.

Ihr

Dirk Müller

Sie können sich diese Cashkurs*Trends-Probeausgabe unter diesem Link kostenlos herunterladen:

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Dirk Müller ist Finanzexperte, mehrfacher Spiegel-Bestseller Autor, Politikberater, Vortragsredner, Gründer von Cashkurs.com – und gilt als „Dolmetscher zwischen den Finanzmärkten und den Menschen außerhalb der Börse“. Sein Weg an der Börse begann 1992, heute zählt er zu den bekanntesten Gesichtern des Börsenparketts. Von vielen Medien wird er daher auch gerne Mr. DAX genannt.

Dirk Müllers Fähigkeit, komplexe Sachverhalte auf das Wesentliche zusammenzufassen und für die Allgemeinheit verständlich zu erläutern, zeichnet seine einzigartige Berichterstattung auf Cashkurs.com aus. Hierbei ist ihm vor allem an der Aufklärung und der Vermittlung von unabhängigen Hintergrundinformationen gelegen. Dirk Müller setzt sich für die Förderung der Aktienkultur in Deutschland ein und unterstützt diese mit einem eigenen Fonds zum Vermögensaufbau (Dirk Müller Premium Aktien).

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Kommentare

Herr Müller,
vielleicht kennen Sie Folgendes ja schon.

In diesem Jahr hat es einen Nobelpreis für die Erforschung der Autophagie gegeben.
Krebszellen schalten in den Zustand der Autophagie,
wenn sie mit Strahlung und oder Chemotherapie angegriffen werden.
Die Autophagie ist ein Zustand modifizierten Stoffwechsels, der den Krebs-Zellen hilft zu überleben.
Genau das also, was niemand will.
Blockt man die Autophagie im späten Stadium, so erhöht sich der Anteil der
durch Strahlung und Chemotherapie absterbenden Krebszellen.
Manche Krebszellenarten sind geradezu süchtig nach dem Zustand der Autophagie und benötigen diesen Stoffwechselmodus, um zu überleben.
Ein altbekanntes Mittel zur Blockade der Autophagie im späten Stadium ist das Medikament Resochin (Wirkstoff Chloroquin), Dieser Wirkstoff wird auch gegen gegen Malaria eingesetzt wurde und dessen mögliche Nebenwirkungen sind bestens bekannt. 100 Tabletten (a 250 mg, davon 151 mg Chloroquine Base) kosten um die 40 Euro, der Wirkstoff ist also geradezu spottbillig verglichen mit üblichen Antikrebsmitteln.
In Medline (Pubmed) finden sich Studien zur Blockade der Autophagie mit Chloroquine zu zahlreichen Krebserkrankungen, darunter Bauchspeicheldrüsenkrebs, Brustkrebs tripelnegativ, Glioblastomen Meistens sind das Berichte über Forschungen im Reagenzglas.
Oft findet man in der Zusammenfassung die Anmerkung, dass die Kombination des Mittels Chloroquine die Wirksamkeit der Bestrahlung und Chemotherapie erhöhen könnte.
Wenn es interessiert, der sollte mit der Kombination Chloroquine und der englischen Bezeichnung der Tumorart suchen, z.B. chloroquine glioblastoma, oder Chloroquine breast cancer oder chloroquine pancreatic oder ....
Vielleicht ist ja etwas potentiell Nützliches dabei.
Guten Tag Herr Müller,

zunächst einmal wünsche ich Ihnen und allen Lesern ein frohes neues Jahr.

Wenn wir über Krebs und Tumoren sprechen, dann reden wir über auf zellulärer Ebene hochkomplexe Neoplasien. Diese komplexen Zellsysteme sind ausgesprochen heterogen und variabel. Die Tumorerkrankung insgesamt ist ebenso komplex und unterliegt multiplen Einflussfaktoren. Eines ist den zellulären Prozessen aber gemein - sie haben als Neoplasien gegenüber dem Normalgewebe einen enormen Stoffwechsel- und Energiebedarf.

Klar - es gibt auch langsam wachsende Tumoren - aber die Kachexie des Patienten ist unter anderem Resultat des hohen Stoffwechselbedarfs der zu Grunde liegenden Krebserkrankung.

Hier gilt es einzugreifen. Zuckerentzug wäre eine mögliche Option - die Umstellung des körpereigenen Stoffwechsels auf Ketoazidose könnte eine Option sein, den Stoffwechsel einer Tumorerkrankung massiv zu hemmen. Denn die Energiegewinnung aus Fett via Ketonkörperbildung ist komplex. Viele Tumorentitäten sollten damit Probleme haben. Ohne Energie freilich wird ein Tumor nicht weiter wachsen können.

Es gibt keine großangelegten wissenschaftlichen Studien die dies näher untersucht hätten, aber gleichwohl wäre es eine interessante Möglichkeit durch Eliminierung von Kohlenhydraten dem Energiestoffwechsel der Tumorzellen auf die Pelle zu rücken.

Wenn Sie möchten so können sie mich gerne über Boardmail bei WO kontaktieren.

Viele Grüße und Bon Courage für 2017

IT24

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