DAX+0,56 % EUR/USD-0,21 % Gold-0,24 % Öl (Brent)+0,65 %

Private Krankenversicherungen auch für Neukunden teurer

Gastautor: Dieter Fromm
30.12.2016, 12:00  |  780   |   |   

Dieser Tage liegt bei vielen privat Krankenversicherten unangenehme Post im Briefkasten. Wie angekündigt steigen bei vielen Tarifen ab 2017 die Beiträge oft in zweistelliger Höhe. Darauf gilt es zu reagieren, denn eine Kündigung ist für Versicherte oft die schlechteste Lösung. Ein Trost: Seit der Einführung der Unisex-Tarife im Dezember 2012 steigen nicht nur die Beiträge für Bestandskunden.  Auch die Beitragsentwicklung im Neugeschäft, zeigt eine Untersuchung des unabhängigen Analysehauses MORGEN & MORGEN.

Die Experten haben die Beiträge im Neugeschäft für die Altersgruppen 30, 40 und 50 Jahre untersucht. Für 2017 wurden rund die Hälfte der Versicherer analysiert. 2014 wurden im Schnitt zwölf Prozent der Tarife angepasst, 2016 waren es knapp 26 Prozent. Zudem stiegen 2015 und 2016 deutlich mehr Tarife in der jungen Altersgruppe. Die durchschnittliche Erhöhung lag 2016 bei 2,5 Prozent und dürfte 2017 deutlich höher ausfallen.

Versicherte unter Druck Dennoch liegen diese Anpassungen für Neukunden deutlich unter den Steigerungen für Bestandskunden. Hier haben sich die Prämien in Einzelfällen um 20 Prozent verteuert. „Steigende Beiträge“ und „Basistarif“ sind daher die häufigsten Schlagwörter, mit denen privat Krankenversicherte derzeit ein Beratungsgespräch über Anpassungen ihrer privaten Krankenversicherung beginnen, zeigt eine Auswertung von moneymeets.

Langjährige Versicherte lassen Tarife checken Eine Kündigung des Vertrages ist jedoch die schlechteste Variante für privat Krankenversicherte. Denn damit gehen Altersrückstellungen und Gesundheitseinschätzungen verloren. Für Mitglieder einer privaten Krankenversicherung kann es aber sinnvoll sein, in einen günstigeren Tarif der gleichen Gesellschaft zu wechseln. Vor allem langjährig Versicherte können oft erheblich sparen. Bei einem Wechsel innerhalb einer Gesellschaft bleiben Altersrückstellungen und Gesundheitseinschätzungen erhalten. Dennoch gibt es Tücken: Wer beispielsweise einen modernen Unisextarif wählt, muss wissen, dass er in Notfällen womöglich keinen beitragsgünstigen Standardtarif mehr bekommt.

Wegen möglicher Fallstricke ist es daher ratsam, einen Experten einzuschalten.

Leistungen anpassen Der medizinische Fortschritt verbessert die Heilchancen und verlängert Leben. Doch er ist nicht zum Nulltarif zu haben. So liegt die „Inflationsrate Medizin” im Schnitt derzeit bei etwa fünf Prozent pro Jahr. Wem die Beiträge zu hoch werden, der kann daher Leistungen wie Einbettzimmer abwählen. Doch grundsätzlich ist Spitzenmedizin ein Vorteil, der im Alter immer wichtiger wird. Checken Sie daher genau, wie wichtig Ihnen bestimmte Leistungen sind.

Selbstbehalte erhöhen Wer alljährlich einen Teil der Krankheitskosten selber übernimmt, kann bei den Beiträgen oft deutlich sparen. Ein Selbstbehalt lässt sich dabei bei vielen Tarifen auch nur für Teilbereiche wie Zahnbehandlungen vereinbaren.

Bestandsprovisionen teilen Bei einer privaten Krankenversicherung entfällt zwar der Löwenanteil der Vertriebsvergütung auf die Abschlussprovision. Doch auch für die laufende Kundenbetreuung erhalten Vermittler vom Versicherer eine jährliche Zahlung. Davon können sich Versicherte bei moneymeets 50 Prozent erstatten lassen.

geld-sparen.jpg Rückkehr in die gesetzliche Krankenkasse Arbeitnehmer deren Bruttoverdienst unter die Jahresarbeitsentgeltgrenze von 49.900 Euro sinkt, werden in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert. Wer mehr verdient, kann eine Aufstockung der variablen Gehaltsanteile vereinbaren. Auch wenn ein Privatversicherter arbeitslos wird, geht er zurück in die gesetzlichen Kassen. Schwierig wird ein Wechsel ab 55 Jahren.

In den Standard- oder Basistarif wechseln Vor allem der Standardtarif bringt Kostenvorteile: Wer ihn bekommt, zahlt maximal den Höchstbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung. Da Versicherte aber Altersrückstellungen mitnehmen, liegt der tatsächliche Beitrag meist deutlich niedriger. Sind zudem beide Ehepartner privat versichert, zahlen sie nicht mehr als 150 Prozent des Höchstbeitrags zur gesetzlichen Krankenversicherung, sofern ihr Gesamteinkommen die Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Krankenversicherung nicht übersteigt. Der Tarif steht Versicherten offen, die vor dem 1. Januar 2009 in die private Krankenversicherung eingetreten sind und dort seit mindestens zehn Jahren versichert sind. Zudem müssen sie älter sein als 65 Jahre, oder über 55 Jahre sein und ein Einkommen haben, dass unter der Jahresarbeitsentgeltgrenze liegt. Gleiches gilt für Bezieher einer Erwerbsminderungs- oder Witwenrente.

Wer in den Standardtarif darf, kann alternativ auch in den Basistarif wechseln. Diesen Tarif können auch Privatversicherte mit Verträgen wählen, die nach dem 1. Januar 2009 abgeschlossenen wurden. Sie zahlen in der Regel den Höchstbeitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung plus den durchschnittlichen Zusatzbeitrag der Kassen. Dafür entspricht das Leistungsniveau wie beim Standardtarif etwa dem der gesetzlichen Kassen. Doch nur im Basistarif können Kranken-Zusatzversicherungen abgeschlossen werden.




Verpassen Sie keine Nachrichten von Dieter Fromm

Dieter Fromm ist Gründer und Geschäftsführer von moneymeets. Vorher war er 29 Jahre als Berater, Private Banker und Gesamtverantwortlicher für das Privatkundengeschäft der drittgrößten Sparkasse Deutschlands tätig. Mit der Gründung von moneymeets im Jahr 2011 hat er sich auf die Transparenz und die digitale Alternative zur klassischen Anlageberatung konzentriert.

Abonnieren Sie jetzt Ihren Lieblingsautor
Ich habe die Allgemeinen Nutzungsbedingungen und die Datenschutzerklärung gelesen und stimmt diesen zu.
Autor abonnieren
Wir respektieren Ihre Privatsphäre, es werden keine Daten an Dritte weitergegeben!
Verpassen Sie nichts mehr aus der wallstreet:online Redaktion!
Newsletter kostenlos abonnieren

Schreibe Deinen Kommentar

 

Disclaimer