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Mischfonds-Mosaik: Welcher ist denn nun der Richtige?

Gastautor: Dieter Fromm
04.01.2017, 17:42  |  864   |   |   

Mischfonds sind die meistverkauften Produkte der Fondsbranche. Zu Recht: Mehrere Flaggschiff-Fonds erzielten 2016 attraktive Renditen. Doch Spitzenprodukte sind schwer aufzuspüren. Denn seit der Finanzkrise blieb in dieser Anlageklasse kein Stein auf dem anderen. Doch Ratingagenturen bieten kaum Orientierung.

Beim Deutschen Fondsverband (BVI) klingt alles noch ganz einfach: 8,3 Milliarden Euro flossen bis Ende Oktober in Mischfonds, 2,3 Milliarden Euro in Dachfonds. Damit sind gemischte Fondsportfolios wie schon 2014 und 2015 auch 2016 die beliebteste Fondskategorie der Deutschen.

26 Mischfondskategorien bei Morningstar

Doch für Anleger ist eine Orientierung schwierig. Denn die großen Ratingagenturen tragen wenig zu einer klaren Abgrenzung von klassischen Mischfonds und modernen Multi-Asset oder Absolute Return-Fonds bei. So unterscheidet Morningstar zwar sage und schreibe 26 Mischfondskategorien. Doch für die meist risikobewussten Investoren, die sich für gemischte Portfolios interessieren, machen eigentlich nur die acht Euro-Tranchen Sinn. Die ersten beiden sind defensive Mischungen mit maximal 30 Prozent Aktienanteil, die vor allem konservative Investoren ansprechen. Dynamische Mischfonds mit bis zu 70 Prozent Aktien eignen sich für risikofreudige und ausgewogene Mischfonds bis zu 50 Prozent Aktien liegen in der Mitte. Bei flexiblen Varianten gibt es keine Vorgaben. Diese Manager verteilen das Vermögen je nach Marktlage auch auf die Aktienmärkte.

Bestseller liefert Top-Performance

Der in Deutschland meistverkauften Fonds ist der Multi Opportunities R des Kölner Vermögensverwalters Flossbach von Storch. Allein 3,7 Milliarden Euro flossen in den ersten zehn Monaten 2016 in die Publikumsfonds des Hauses. Mehr als elf Milliarden Euro verwalten Bert Flossbach und Elmar Peters in diesem Fünf-Sterne-Fonds. Mit 4,8 Prozent Plus im laufenden Jahr schnitt er um 2,6 Prozentpunkte besser ab als der Durchschnitt der Fondskategorie. 8,9 Prozent per annum sind es über drei Jahre. Damit überflügelt der beliebteste Einzelfonds deutscher Anleger den Durchschnitt sogar um 6,4 Prozentpunkte. Morningstar stuft den Flossbach von Storch Multiple Opportunities als flexiblen Mischfonds ein. Doch schon bei seiner Auflegung im Oktober 2007 war dieses Portfolio kein klassischer Mischfonds, bei dem chancenreiche Aktien mit konservativen Anleihen kombiniert werden. Bert Flossbach nutzte zusätzlich vor allem physisches Gold und Wandelanleihen. Auch derzeit sind 68 Prozent der Mittel in Aktien investiert, zwölf Prozent in Gold und neun Prozent in Anleihen. Der Fonds profitierte 2016 auch von Währungsgewinnen. Der breit gestreute Investmentansatz geht Hand in Hand mit einem ausgefeilten Risikomanagementsystem. An diesem Fonds werden einzig die Gebühren kritisiert. So werden beim Kauf bis zu fünf Prozent Ausgabeausschlag und 1,68 Prozent jährlich verlangt. Ein Vergleich bei moneymeets zeigt: Bei Online-Banken wie comdirect, dab-bank oder ebase zahlen Investoren keine Kaufgebühr und von den laufenden Gebühren sind bis zu 0,54 Prozentpunkte Innenprovsion. moneymeets erstattet bis zu 66 Prozent davon. Auch bei den folgenden Misch- und Absolute-Return-Fonds können Anleger sparen.

Bestperformer mit hohem Risiko

Der absolute Performance-Spitzenreiter bei flexiblen Mischfonds im laufenden Jahr setzt hingegen massiv auf gehebelte Produkte. Der Fonds heißt Acatis Datini Valueflex und erzielte 2016 stolze 20,7 Prozent Plus. 13,1 Prozent per annum schafften der Spitzenmanager Hendrik Leber und sein Team in den vergangenen drei Jahren. Doch dieses Portfolio ist riskanter als viele Aktienfonds: So zählten im November zu den besten Positionen eine Call-Option auf den S&P anlässlich der Präsidentschaftswahl in den USA und eine Call-Option auf Monsanto anlässlich der Übernahme durch Bayer. Werden Derivate nicht nur zur Absicherung eingesetzt, sondern nutzt man sie gezielt für Spekulationen, können diese Hebelprodukte riskanter sein als Aktieninvestments. Zudem ist 70 Prozent des Aktienfondsvermögens in kleineren Aktien investiert. Technologiewerte machen 43 Prozent aus. Zwei Fonds rangieren also bei Morningstar in derselben Fondskategorie, obwohl sie sich beim Risiko erheblich unterscheiden.

Carmignac Patrimonie liegt wieder vorn

Kein Wunder also, dass viele Anleger offenbar übersehen, wenn die Performance eines Spitzenfonds einbricht. So liegt bei ausgewogenen Mischfonds mit einem Aktienanteil von maximal 50 Prozent der 28-Milliarden-Euro-Fonds Carmignac Patrimonie zwar mit 9,6 Prozent Plus im laufenden Jahr weit vorn. Doch die Erfolgsbilanz fiel in den vergangenen fünf Jahren mit durchschnittlich 2,7 Prozent per annum mager aus. Gewinne bei Devisen, bei Schwellenländeranleihen und Rohstofftiteln haben der Performance 2016 aber offensichtlich wieder auf die Sprünge geholfen.

Starcapital Winbonds glänzt bei den defensiven Fonds

Bei den konservativen Mischfonds mit bis zu 30 Prozent Aktienanteil hatte der Starcapital Winbonds mit 11,9 Prozent Plus ein besonders gutes Jahr. 4,7 Prozent per annum beträgt das mittlere Jahresplus auf drei Jahres Sicht. Zum Vergleich: Im Schnitt schafften defensive Mischfonds auf Eurobasis 2016 nur 0,5 Prozent Plus. Fondsmanager Peter E. Huber sieht für 2017 wenig Spielraum bei Anleihen und große Chancen für Aktien. Dabei wurde der Fondsmanager mehrfach für die Verwaltung seiner Anleihe-Portfolios ausgezeichnet und hat bewiesen, dass er auch in schlechten Zeiten positive Renditen erzielen kann.

Absolute-Return in der Krise

Ganz anders die Bilanz der Absolute-Return-Produkte, die Anleger bei Morningstar erst einmal finden müssen. Sie laufen unter den Oberbegriffen Alt-Multistrategy und Alt-Dachfonds-Multistrategy – so verschieden ihre Strategien auch sein mögen. Die Ratingagentur bewertet die Fonds nicht und bietet auch keine durchschnittlichen Performancezahlen für diese Fondskategrien. Die konkurrierende Fondsratingagentur Feri unterscheidet zwar Mischfondskategorien und Multi-Asset-Strategien mit und ohne Verlusttoleranz, veröffentlicht aber lediglich Ratings, keine Fonds-Performancezahlen. Privatkunden zählen hier offenbar nicht mehr zur Zielgruppe. Doch das schlechte Abschneiden der Dachfonds, die in Absolute-Return-Produkte investieren, lässt Schlimmes ahnen. Von 81 Fonds schneiden nur 24 im laufenden Jahr mit einer positiven Performance ab, zeigt ein Vergleich vom 28. Dezember. Selbst der fast 400 Millionen Euro schwere Sauren Absolute Return Fund büßt nach vier positiven Jahren 2016 fast neun Prozent ein. Doch das schlechte Abschneiden liegt nicht unbedingt an den Fonds, in die die Dachfondsmanager investieren dürfen, zeigt ein Blick auf die Absolute-Return-Fonds. Immerhin 304 der 533 Absolute-Return-Fonds beenden 2016 mit einem Plus.

Spitzenmanager Klaus Kaldemorgen weit vorn

Weit vorn rangiert das Absolute-Return-Portfolios Deutsche Kaldemorgen Concept von der Deutschen Asset-Management. Fondsmanager Klaus Kaldemorgen verfolgt hier im Prinzip einen Multi-Asset Ansatz, setzt aber klare Grenzen bei Risiken. So soll der Fonds pro Jahr nicht mehr als zehn Prozent verlieren. Die US-Dollar-Tranche des Fonds liegt im laufenden Jahr in punkto Performance mit 14,6 Prozent ganz vorn. Auch die Euro Tranche kann sich mit 7,4 Prozent Plus sehen lassen. Mit inzwischen rund fünf Milliarden Euro Fondsvolumen dürften viele Privatanleger von den jährlich durchschnittlich 5,4 Prozent Wertzuwachs im Drei-Jahres-Mittel profitiert haben. Diese kleine Bilanz für gemischte Portfolios im Jahr 2016 zeigt: Sowohl bei Mischfonds als bei Absolute-Return-Produkten wählten viele Privatanleger bessere Fonds aus als die Profis. Anleger, die sich bei moneymeets Bestandsprovisionen erstatten ließen, kamen mit einem Mix aus Misch- und Aktienfonds in den vergangenen zwölf Monaten im Schnitt sogar auf mehr als acht Prozent Performance.   



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Dieter Fromm ist Gründer und Geschäftsführer von moneymeets. Vorher war er 29 Jahre als Berater, Private Banker und Gesamtverantwortlicher für das Privatkundengeschäft der drittgrößten Sparkasse Deutschlands tätig. Mit der Gründung von moneymeets im Jahr 2011 hat er sich auf die Transparenz und die digitale Alternative zur klassischen Anlageberatung konzentriert.

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