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Dow Jones und S&P500 – Neue Rekorde oder das verflixte siebte Jahr

Gastautor: Daniel Saurenz
05.01.2017, 11:00  |  2501   |   |   

Börse_USA_NewYork_5Der US-Aktienmarkt bewegt sich seit Wochen in einer extrem engen Spannbreite. Zeitgleich ist die Volatlität sehr niedrig. Es stellt sich also die Frage, ob dem Dow Jones Industrial Average eine kräftige Korrektur bevor steht oder die Hürde von 20.000 Punkte dynmisch genommen wird. Aus technischer Sicht lohnt sich ein Blick auf die Zyklen. 2017 ist sowohl eines der “7er Jahren”, als auch ein Nachwahljahr. Dazu stellen wir die ausführliche Analyse der HSBC vor. Beachten Sie auch den ersten Teil des HSBC – Jahresausblicks.

Als Orientierungshilfe ziehen wir im Jahresausblick regelmäßig auch saisonale Kursverläufe bzw. zyklische Faktoren heran. Insbesondere der Dekaden- und der US-Präsidentschaftszyklus als die wichtigsten beiden Zyklen überhaupt sollen dabei Berücksichtigung finden. Wenngleich die „Prognosequalität“ dieser zyklischen Einflussgrößen in den letzten Jahren sehr gut war, sollten Anleger die folgenden Aussagen niemals 1:1 auf das Jahr 2017 übertragen. Vielmehr geht es uns darum, die Phasen herauszuarbeiten, in denen Investoren mit saisonalem Rückenwind rechnen können bzw. anhand der durchschnittlichen Entwicklungen Tendenzaussagen und mögliche Wendepunkte abzuleiten.

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Der Abgleich mit der konkreten charttechnischen Situation ist dabei grundsätzlich ratsam. Gemessen am durchschnittlichen Verlauf des „7er-Jahres“ – also 1897, 1907, 1917, 1927, 1937 … 2007) steht dem Dow Jones im neuen Jahr ein Husarenritt ins Haus. Während bis Anfang August mit zyklischem Rückenwind gerechnet werden kann – die beste Phase ist dabei von Mitte April bis Anfang August –, sind US-Aktien von August bis November extrem rückschlagsgefährdet (siehe Chart 1). Unter dem Strich steht im durchschnittlichen Verlauf sogar ein Minus zu Buche.

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Rückschlag im Herbst – Klappe, die Zweite!

Im zweiten Schritt möchten wir den US-Präsidentschaftszyklus betrachten. Im durchschnittlichen Verlauf aller Nachwahljahre von 1897 bis 2013 zeigt der Dow Jones typischerweise eine bis in den September andauernde Haussebewegung (siehe Chart 2). Von Ende Februar bis in den Hochsommer hinein ist dabei die beste Phase. Im Herbst wird es dann allerdings fragil: Bis zum Monatsultimo Oktober/November signalisiert der Wahlzyklus ein hohes Risiko an den Aktienmärkten – sprich der Durchschnittsverlauf legt eine klassische „Herbstdelle“ nahe.

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Erst danach sorgt eine Jahresendrally für ein versöhnliches Ende des Nachwahljahres. Das unter dem Strich zu Buche stehende Kursplus wird allerdings durch die Trefferquote relativiert. Seit 1897 bescherten 14 Nachwahljahre Anlegern Verluste, während der Dow Jones 16 Mal gestiegen ist. Eine Wahrscheinlichkeit für steigende Notierungen im Bereich eines Münzwurfs muss angesichts des zugrunde liegenden Bullenmarktes der letzten 120 Jahre als herbe Enttäuschung bezeichnet werden. Regelmäßige Leser unseres Jahresausblicks ahnen aber, was jetzt folgt. Richtig: Die beiden diskutierten zyklischen Einflussfaktoren lassen sich auch kombinieren.

Potenzierte Rückschlagsgefahr

Dazu analysieren wir den durchschnittlichen Verlauf der Jahre, die beides zugleich sind – also 7er Jahr und Nachwahljahr. Letztlich wird also der Durchschnitt über die Jahre 1897, 1917, 1937, 1957, 1977 und 1997 gebildet. Die Kombination der beiden Zyklen zeigt ein volatiles 1. Quartal, ehe es auch hier Mitte April zu einer dynamischen Kursrally kommt, die bis in den Hochsommer anhält. Wenn beide Einflussfaktoren zusammenwirken, scheinen sich allerdings die Gefahren zu potenzieren. Es bleibt zwar bei der zeitlichen Ausdehnung der Korrektur – von August bis November –, allerdings fällt diese auf der Preisachse noch schärfer aus (siehe Chart 12). Auch von der klassischen Jahresendrally im typischen Nachwahljahr bleibt nichts mehr übrig

. Apropos Jahresendrally: Das Saisonmuster war 2016 einer der wesentlichen Aspekte, weshalb wir im letzten Quartal konstruktiv für die Aktienmärkte gestimmt waren. Mit Blick auf die drei vorgestellten Zyklen dürfte 2017 eine Wiederholung des bekannten Verlaufsmusters eine Herausforderung darstellen. Vielmehr droht die Jahresendrally im neuen Jahr auszufallen. Da es 2017 offensichtlich eine signifikante Wahrscheinlichkeit von Rückschlägen im 3. Quartal gibt, möchten wir dieses Phänomen im Folgenden eingehender untersuchen.

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Das verflixte 7. Jahr

Wir entfernen uns nun also von der Durchschnittsbetrachtung der drei vorangegangenen Charts und wenden uns vielmehr der Betrachtung der einzelnen Jahre zu. Um es vorwegzunehmen: Diese Herangehensweise macht es noch schlimmer. Die Wahrscheinlichkeit mit einem Engagement im August, September bzw. Oktober Gewinne zu erzielen, liegt in allen 7er Jahren seit 1897 deutlich unter 50 % (siehe Chart 4). Dabei sticht der Oktober negativ heraus, der nur in zwei von zwölf Fällen (=16,7 %) oberhalb der Nulllinie abschließen konnte und in einem Drittel der Fälle sogar zweistellige Kursabschläge brachte.

Welches Gefahrenpotential diese Monate bergen, verdeutlicht möglicherweise die folgende Zahl: Investoren, die immer nur von August bis Oktober in einem 7er-Jahr in die amerikanischen Standardwerte engagiert gewesen wären, hätten heute drei Viertel ihrer Ursprungsinvestition verloren. Auch im Nachwahljahr verlieren Anleger in jedem der drei genannten Monate unter dem Strich Geld. Hier sticht der September negativ hervor, denn mit einer Wahrscheinlichkeit von knapp 59 % brachte dieser Kursverluste. Aus einer Anfangsinvestition von 100.000 USD wurden hier nur noch gut 55.000 USD. Per Saldo sind die Aussichten für die internationalen Aktienmärkte zwar noch gut, das Zeitfenster, um daraus Kapital zu schlagen, wird aber kleiner.

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Disclaimer: Wir weisen darauf hin, dass HSBC für die Platzierung dieses Beitrags bezahlt und auch die genannten Produkte ausgewählt hat. Darüber hinaus stellt Feingold Research Produkte von HSBC in ihren Publikationen und Beiträgen vor.



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Der ehemalige FTD-Redakteur und Börse Online-Urgestein Daniel Saurenz hat zusammen mit Benjamin Feingold das Investmentportal „Feingold Research“ gegründet. Dort präsentieren die beiden Börsianer und Journalisten ihre Markteinschätzungen, Perspektiven und Strategien samt Produktempfehlungen. Im strategischen Musterdepot werden die eigenen Ideen mit cleveren und meist etwas „anderen“ Produkten umgesetzt und für alle Leser und aktiven Anleger verständlich erläutert. Weitere Informationen: Feingold Research.

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