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Schwellenländer-Investitionen Was Top-Experten raten

18.01.2017, 15:27  |  617   |   |   

Schwellenländer haben sich 2016 gut erholt, doch die politischen Risiken steigen. FundResearch zeigt, wie Experten die Chancen für 2017 einschätzen.

Hohes Risiko, aber auch viel Rendite – das gilt vor allem für Investitionen in Schwellenländer. Noch 2015 stand die Kategorie Aktienfonds Emerging Markets mit 4,1 Prozent im Minus, 2016 drehte sie bereits wieder mit einem Zuwachs von zwölf Prozent ins Plus. So haben beispielsweise Russland und Brasilien im vergangenen Jahr die Rezession überwunden, schreiben die Deka-Volkswirte. Auch Glen Finegan von Henderson zeigt sich zufrieden: „Nach längerer Durststrecke ist das Anlegerinteresse an Schwellenländern 2016 spürbar gestiegen. Der Anlageklasse hat das eine starke absolute Rendite beschert.“ Ein Teil davon sei zwar darauf zurückzuführen, dass sich die Kurse von Qualitätsunternehmen von ihren extrem niedrigen Bewertungen erholt haben. „Aber in der zweiten Jahreshälfte schnitten auch nicht ganz so gute Titel aus Schwellenländern überdurchschnittlich ab.“ Positive demografische Trends wie das Bevölkerungswachstum und der Aufstieg der Mittelschicht würden die Nachfrage nach einer Vielzahl von Produkten und Dienstleistungen an anfachen. „Die Kombination aus solideren Kennzahlen und niedrigen Bewertungen hellt die Aussichten für Schwellenländer-Aktien auf“, sagt auch Matthew Vaight, Fondsmanager des M&G Global Emerging Markets Fund.

Für Morgan Harting, Manager des Emerging Markets Multi-Asset Portfolios bei AB, kommen Schwellenländern einige weitere Faktoren zu Gute: „Die geopolitischen Kraftverhältnisse verschieben sich zugunsten der Schwellenländer“, sagt der Experte. China festige zusehends seine Machtposition in Asien. Russland habe seinen Einfluss in der Ukraine, Ungarn, Bulgarien und mehreren ehemaligen Sowjetrepubliken wieder ausgeweitet, trotz westlicher Sanktionen. Und Schwellenländer seien weniger stark auf externe Hilfe angewiesen, um Wachstum zu generieren und Notfallmaßnahmen zu ergreifen. Gleichzeitig befänden sich Schwellenländer auf dem Weg zu größerer wirtschaftlicher Unabhängigkeit. „Vielmehr wird das Wachstum durch inländische Trends gestützt.“ Und weniger ausländisches Kapital bedeute sinkende Anfälligkeit für steigende Zinsen. Politische Reformen – beispielsweise in Argentinien und Brasilien - kämen dabei auch den Anleihenmärkten zu Gute. „Die US-Zinsen werden aufgrund des erstarkenden Wirtschaftswachstums in den USA wohl weiter steigen – und die Schwellenmärkte könnten hiervon sogar profitieren“, so der Fondsmanager weiter. Denn die lockere Finanzpolitik der USA begünstige auch Schwellenländer. Sein Fazit: Auch in turbulenten Zeiten hätten Schwellenländer Investoren einiges zu bieten: „Tatsächlich sind die langfristigen Aussichten unserer Meinung nach robuster, als von vielen erwartet.“ Risiken müssten im Kontext beurteilt werden: „Die sich verändernde geopolitische Ordnung könnte den Einfluss der USA auf die Entwicklungsländer mindern. Positive inländische Entwicklungen in den Ländern der Emerging Markets könnten den potenziellen Schaden begrenzen, der durch US-Protektionismus entstehen könnte. Und es gibt auch weiterhin Unternehmen in den Schwellenländern, die relativ immun gegenüber der Unsicherheit in den USA sind. Dort finden sich Chancen.

Dennoch, es ziehen dunkle Wolken auf: „Der Politikwechsel in den USA führt zu steigenden Risiken für Schwellenländer“, lässt die Deka verlauten. Zwar hätten die Schwellenländermärkte den Wahlsieg Donald Trumps und die Zinserhöhung der US-Notenbank gut verdaut. „Diese gefasste Reaktion kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass durch die Wahl Donald Trumps die Risiken für Schwellenländer gestiegen sind, weil die US-Handels- und -Außenpolitik weniger berechenbar geworden ist.“ Auch bei Henderson sieht man die politischen Entwicklungen kritisch: „Etwas zu denken gibt uns, dass einige der als vergleichsweise stabil geltenden Schwellenländer offenbar nicht immun gegen die populistischen Strömungen in den Industrieländern sind.“ In Ermangelung eines stärkeren, breit angelegten Wirtschaftswachstums dürfte von populistischen Einflüssen künftig ein größeres Risiko für die Anlagerenditen ausgehen. Neben aktuelle Risiken gibt Finegan weitere Einschränkungen zu Bedenken: „Weil Rechtskultur und politische Systeme in vielen Schwellenländern noch unausgereift sind, haben wir es häufig mit unzureichendem Schutz für Minderheitsaktionäre und größeren Konjunkturschwankungen zu tun.“ Als möglichen Krisenherd sieht er derzeit vor allem China. Besonders das weitgehend intransparente Bankensystem gebe Anlass zur Sorge: „Alarmierend fanden wir vor allem, dass die Regulierer Banken im Land als Reaktion auf das schwache Wirtschaftswachstum dazu ermunterten, faule Kredite nicht länger auszuweisen und vermehrt Kredite auszureichen.“ Dies wiederum hätten viele Analysten und kurzfristig orientierte Anleger als Kaufargument chinesischer Bankaktien gewertet. 

(TL)



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Teresa Laukötter hat den M. Sc. in Volkswirtschaft der Universität Maastricht. Als Redakteurin und Content-Managerin bei €uro Advisor Services GmbH ist sie zuständig für die Top-Themen auf www.fundresearch.de.

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