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Rückschritt beim Fortschritt Bundesregierung will Meerwindbranche ab 2021 ins Leere laufen lassen

21.01.2017, 08:00  |  4842   |   |   

Die Energiewende erhält einen Dämpfer von der Politik. Im Bereich der kostenintensiven Offshore-Windenergie wird die Bundesregierung den Zubau drosseln. Ab 2021 sollen nur noch so viele neue Anlagen errichtet werden, dass nicht mehr als 500 MW pro Jahr zusätzlich erzeugt werden können.

In den vergangenen Jahren stand die Energiewende im Fokus der Politik. Eine Maßnahme bilden die Stiletto-Windräder. Ihre Platzierung in der Landschaft - auf See, Bergen oder im Flachland - ist umstritten, wohingegen klar ist, dass der Strom aus dieser erneuerbaren Quelle eine saubere Sache ist.

Technik, die verunsichert

Die Anlagen sind durchaus anfällig und knicken auch mal um, wie "SZ-Online" berichtet. In einem solchen Fall ist nicht nur der Knöchel verstaucht, sondern es erwischt alle Gliedmaßen. Dieser wirtschaftliche Totalschaden hat je nach Standort weitreichende Folgen. Auch bei Offshore-Anlagen kommt es immer mal wieder zu Zwischenfällen. Wie das "Hamburger Abendblatt" im Sommer 2015 berichtete, war beim Offshore-Windpark Nordsee Ost bei einer Anlage ein Rotorblatt abgebrochen. Daraufhin wurde der gesamte Windpark zweitweise abgeschaltet.

Trotz kleiner Unregelmäßigkeiten ist Deutschland weit voraus. In den USA wurde erst im vergangenen Sommer der erste Offshore-Windpark, 20 Meilen südlich von Rhode Island, errichtet. Trotz neuer Technik und großen Potential werden Offshore-Windanlagen an den US-amerikanischen Küsten Exoten bleiben. 

Stand der Dinge

Aktuell gibt es in Nord- und Ostsee 947 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 4.108 MW, die am Stromnetz sind. Im vergangenen Jahr waren 156 neue Anlagen mit 818 MW hinzugekommen. Und damit steigerte sich die Stromerzeugung zum Vorjahr um 57 Prozent, wie "BörsenNews.de" berichtet. Aktuell können rund drei Millionen Haushalte mit grünem Strom versorgt werden. 

Für 2017 wird damit gerechnet, Anlagen mit einem Gesamtleistung von 1.400 MW zu errichten. Anschließend gehen die Zahlen zurück und 2021 und 2022 sollen nur noch so viele neue Anlagen zugelassen werden, dass sie jährlich nicht mehr als 500 MW zusätzlich produzieren. Experten befürchten, dass die Wertschöpfung der Offshore-Windindustrie am Standort Deutschland verliert, wie BörsenNews darlegt.

Kostenspirale

Zwei Dinge liefen in der Vergangenheit suboptimal: der Ausbau erforderte hohe Subventionen und die Netze zur Einspeisung konnten nur sukzessive ausgebaut werden.

Die Energiewende zahlt der Verbraucher und das nicht zu knapp - jährlich circa 23 Milliarden Euro, wie jetzt das "Handelsblatt" berichtet. Der Staat zahlt den Betreibern 20 Jahre hinweg garantiert je Kilowattstunde von anfänglich bis zu 19,4 Cent über acht Jahre und anschließend 3,9 Cent für weitere zwölf Jahre - oder 15,4 Cent für zwölf Jahre und anschließend achte Jahre lang 3,9 Cent. Über das sogenannte Stauchungsmodell fließt ordentlich Geld in die Kassen von Dong, Eon oder EnBW. Dies ist nur einer der Gründe, warum sich die Betreiber die Hände reiben und einen Wachstumstrend bis 2025 beschwören. Haben wir es bei diesem Subventionsmodell mit der nächsten Blase zu tun?  

Was wird sich ändern?

Ab 2017 müssen Betreiber von Windkraftanlagen auf See, die ab 2021 in Betrieb genommen werden, zur Beantragung von Fördergeldern an Ausschreibungen teilnehmen. Bislang gab es vom Staat eine feste Vergütung über die EEG-Umlage. Eine Übergangsfrist gibt es für die, die vor 2017 eine sichere Zusage für eine Netzanbindung hatten und bis 2019 stehen werden.

Neue Wege sind unumgänglich 

Die Ausgabensenkung für den Staat bringt die Branche in die Bredouille, denn die Planungs- und Baukosten bleiben weiter hoch und können nicht durch Skaleneffekte aufgefangen werden. An der Kostenschraube würde man nur drehen, wenn neue Technologie zum Einsatz käme, sagte Manuel Frondel dem "Handelsblatt"

In den europäischen Nachbarländern gingen die Entgelte für Windstrom bereits drastisch zurück: in Dänemark auf 4,99 Cent je Kilowattstunde. Hierzulande sorgen jedoch Bestimmungen, wie zum Beispiel die Entfernung zur Küste, für höhere Kosten und somit wird eine Vergütung von etwas unter zehn Cent als absolute Schmerzgrenze angesehen.

Branche im Umbruch

Während in den vergangenen Jahren die deutsche Ingenieurskunst in der Offshore-Anlagentechnik immer eine Nasenlänge voraus war, kommt jetzt neue Konkurrenz aus China. Wie das "Handelsblatt" berichtet, ist der Turbinenbau in China auf dem Vormarsch. Hier sind erhebliche Sparpotentiale möglich, denn immerhin verschlingt die Turbine fast 40 Prozent der Herstellungskosten.

Auch die Platzierung von Offshore-Windenergieanlagen vor den Küsten Chinas, Indiens und Japans würde eine Trendwende einläuten, denn bislang stehen 80 Prozent der Meerwindmühlen in europäischen Gewässern (Handelsblatt).

Zudem wird 2017 der US-Konzern General Electric einen neuen Produktionsstandort im französischen St. Nazaire eröffnen.

Carsten König, Energieexperte der Unternehmensberatung Alix Partners, geht von Überkapazitäten, kürzeren Produktionszyklen, Pleiten, Übernahmen und neuen Partnerschaft aus. Analysten von Roland Berger kommen in ihrer Studie zu dem Ergebnis, dass Offshore-Windenergie immer wettbewerbsfähiger wird und einen sicheren Platz im zukünftigen Mix der Energieträger hat.

Blick in die Zukunft

Wenn es nach Daniel Günther geht, CDU-Landesvorsitzender Schleswig Holstein, dann sollten zukünftig noch mehr Windkraftanlagen auf dem Wasser errichtet werden. Dort gibt es keine Bürgerproteste, die Technik ist umweltverträglich und es rechnet sich betriebswirtschaftlich, wie ihn die "shz.de" zitiert. In der Zwickmühle sind alle jene Betreiber die ihren Kunden Kostensenkungen angedeutet haben.

Die neuen Förderrichtlinien und geringen Skaleneffekte deuten eher auf ein Luxusprodukt, als auf eine günstige Alternative hin. Die noch im Sommer 2016 versprochene Preissenkung innerhalb weniger Jahre scheint vorerst passé.  

   

 

 



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