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Schockkommentar zum Brexit Italiens Vize-Außenminister: "Es kommt zum Kalten Krieg der Wirtschaft"

30.01.2017, 13:27  |  3154   |   |   

Es ist klar, dass in Europa nach dem EU-Austritt Großbritanniens nichts mehr so sein wird, wie vormals. Der italienische Vize-Außenminister Mario Giro prophezeit schon einen "Kalten Krieg der Wirtschaft", der im Westen mehr Chaos anrichten und Europa schwächen wird.

"The Guardian" sprach mit Mario Giro über die Zukunft Eurpoas. Es sind alles andere als rosige Aussichten, denn es wird zu einem großen Interessenskonflikt zwischen der EU und Großbritannien kommen. Giro spricht von einem wirtschaftlichen Kalten Krieg und sieht als Folge eine Schwächung des Kontinents.

Ausstiegsverhandlungen: Neuer Kalter Krieg

Die Verhandlungen mit Großbritannien werden zeigen, wie geschlossen die anderen Staaten auftreten können oder auch nicht. Immerhin spekulieren einige damit, dass sie die ehemalige Rolle Londons übernehmen könnten. Auf der anderen Seite will Theresa May die besten Ausstiegschancen aus der EU. May würde in ihrem Land die Steuern senken, um ausländische Unternehmen anzulocken, so der "Guardian". Giro spricht sich gegen einen solchen ökonomischen Kalten Krieg aus.

EU-UK: Im Fokus sind nicht die Länder, sondern die Wirtschaft

Es gehe laut Giro nicht um Interessenskonflikte auf staatlicher Ebene, sondern um eine rein wirtschaftlich getriebene Konkurrenz. In der Folge werde es aus der Perspektive des stellvertretenden italienischen Außenministers dazu kommen, dass die Finanzwelt sich im Laufe des Brexits neu positionieren wird.

Mario Giro sagte über die Ausstiegsverhandlungen mit Großbritannien: "Wir müssen mit Geduld und Ruhe verhandeln, ehrlich zueinander sein und ein 'Fair-Play' beachten. Wenn wir das nicht tun und aus dem Bauch heraus - mit Rachegefühlen und Emotionen - handeln, dann werden alle in Schwierigkeiten geraten."  

Italien hatte stets auf einen "weichen" Brexit gehofft und ist enttäuscht über die Marschrichtung des Vereinigten Königreichs. Giro hoffe insgeheim, dass die Rede von Theresa May zum Brexit lediglich eine offizielle Form war und nicht 1:1 umgesetzt wird. Die Aussichten sind laut Giro jedoch düster, denn der Brexit ist nur eines von vielen Themen, welches die Welt auseinanderreißt. Die alte Ordnung wird obsolet, denn wie Giro sagt, werde zukünftig jeder versuchen, sich selbst zu retten.

Italy Loves EU 

Wenn es nach Giro geht, dann würden weder Trump noch der Brexit die eigene Überzeugung verändern, denn Italien sei für eine Stärkung der EU und nicht für eine Auflösung. Die Italien-EU-Ehe wird von bisweilen besonders dickem Leim zusammengehalten. Italien profitiert von der EU sehr stark, denn die Europäische Zentralbank stützt mit ihrer Anleihenpolitik die italienischen Banken. In den Augen vieler drohen Italien ohne die EU enorme Rückschritte. Nichtsdestotrotz wurde bereits 2016 vielerorts für einen "Italexit" getrommelt.    

  

 



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Kommentare

Ja nur leider kann ein Land wie Italien nicht allein von Südtirol leben.
Und auch das abwerten einer Währung hat irgendwann einmal ein ende.
Italien profitiert von der EU sehr stark, denn die Europäische Zentralbank stützt mit ihrer Anleihenpolitik die italienischen Banken"

Was hat denn die EU mit der Zentralbank zu tun?

Euro-Raum und EU sind nicht identisch.
Eine Reihe von Ländern sind EU-Mitglieder aber nicht Mitglied des Euro.
Und das ist gut so. Vielleicht wäre dann das Euro-Problem noch größer als
heute schon.
Dass Italien von der Anleihen-Politik der EZB profitiert, glaube ich gern.

Aber vielleicht ginge es Italien und seiner Wirtschaft insgesamt besser,
wenn Italien nicht Mitglied des Euro-Verbundes wären.

Italien könnte endlich wieder abwerten und damit die Absatz-Chancen seiner Industrie erhöhen,
könnte das machen, was man vor Einführung des Euros in Italien immer gemacht hat.
Habe die Abwertungen der italiensischen Lira in den achtziger jahren auf meinen
Skireisen nach Südtirol des öfteren erlebt.

Der Wert der Lira schrumpfte und schrumpfte gegenüber der DM.
Dadurch blieb das Reiseziel Südtirol preismäßig günstig, für meine Freunde und mich
ein wichtiger Grund nach Südtirol zu fahren statt anderswo hin.

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