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Nordex – extrem ehrgeizige Ziele

Gastautor: Daniel Saurenz
31.01.2017, 06:00  |  553   |   |   

NordexIn den bisherigen Teilen zum alternativen Energiemarkt haben wir uns mit dem schwierigen Marktumfeld und mit den Aussichten von SMA Solar und Solarworld beschäftigt. Heute schauen wir abschließend in den hohen Norden, genauer  zu Nordex. Und die Woche hätte besser starten können für das Rostocker Unternehmen. Die Investmentbank Oddo Seydler senkte das Kursziel von 39 auf 32,80 Euro. Zwar belassen die Analysten die Einstufung auf “buy”, jedoch könnte die Abstufung um fast 16 Prozent ein deutlicher Warnschuss sein. Wie geht es weiter bei Nordex?

Nach einem kräftigen Rückgang Ende letzten Jahres war die Aktie des Herstellers von Windkraftanlagen wieder auf dem Weg nach oben, ehe sie zuletzt wieder den Rückwärtsgang eingelegt hat. Die Perspektiven für den Konzern könnten sich im Gegensatz zu den Planungen von Vorstandschef Lars Bondo Krogsgaard deutlich eintrüben.

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Wie schwer sich der Konzern bereits in dem bestehenden Umfeld tut, zeigt, dass Nordex am 10. November die 2016er-Prognose wegen Auftragsverschiebungen auf das untere Ende der vorherigen Spanne eingegrenzt hat. So solle der Umsatz lediglich auf 3,35 Mrd. Euro steigen. Die Ebitda-Marge werde nur 8,3 Prozent erreichen.

Vorstandschef Krogsgaard treibt derweil die Integration der spanischen Tochter Acciona Windpower voran, die nach der Übernahme seit dem zweiten Quartal 2016 in die Ergebnisse von Nordex einfließt. Durch die Transaktion expandiert der Konzern kräftig in die Emerging Markets, wie Mexiko, Brasilien und Indien, sowie in die USA, in denen Nordex bislang nur schwach oder gar nicht vertreten war.

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Trumps Wahlsieg bedeutet Gegenwind für Erneuerbare Energien

DAX Winter Weihnacht RallyDass das Umfeld für Nordex im Jahr 2017 schwierig werden könnte, darauf deuten die Aussagen des viel größeren Konkurrenten Vestas hin, dessen Label man im Mittelmeerraum häufig auf Windkraftanlagen lesen kann. Vorstandschef Anders Runevad warnte, dass das Wachstum nach drei Jahren mit rasanten Zuwächsen künftig deutlich schwächer ausfallen könnte, worauf es am 8. November, also kurz vor dem Wahlsieg von Donald Trump, zu einem kräftigen Kursrückschlag bei der Aktie gekommen war.

„Wir erwarten, dass vor allem das US-Geschäft im Jahr 2017 auf einem niedrigeren Niveau als 2016 sein wird.“ Runevad rechnet also mit einem Umsatzrückgang für die USA. Diese Aussage hatte Runevad wohlgemerkt vor Trumps überraschendem Wahlsieg gemacht. Experten befürchten, dass Trump, der den Klimawandel als einen Schwindel bezeichnet und das Pariser Klimaschutzabkommen aufkündigen will, verstärkt auf Kohle setzen wird und im Gegenzug die Förderung für erneuerbare Energien deutlich kürzen wird.

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Das wäre ebenfalls eine erhebliche Belastung für Nordex. „Erfolg in Deutschland, USA und Indien wird wichtig sein, um unsere 2018er-Ziele zu erreichen”, schrieb der Konzern in einer Präsentation zum Investorentag am 28. September. So soll der Marktanteil in den USA, der 2016 bei rund zwei Prozent gelegen haben soll, 2018 auf zehn Prozent gesteigert werden. Damit soll der Umsatzanteil in Nordamerika bis 2018 von 4 auf 26 Prozent nach oben schießen, womit die Region der zweitwichtigste Umsatzlieferant von Nordex wäre. Im Gegenzug soll der Anteil des wichtigen Europa-Geschäfts von 64 Prozent auf nur mehr 43 Prozent sinken. Sollte Trump seine Ankündigungen in die Tat umsetzen, könnte es Nordex aber sehr schwer fallen, sein 2018er-Ziel für die USA umzusetzen.

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Wenig rosig erscheinen derzeit auch die Perspektiven für das Indiengeschäft. Mit dem Ziel, Indien zur bargeldlosen Gesellschaft zu machen und deswegen wichtige Banknoten aus dem Verkehr zu ziehen, dürfte Ministerpräsident Narendra Modi für einen Konjunktureinbruch sorgen.

Verschärft würden die Probleme für Nordex werden, wenn die indische Rupie gegenüber dem Euro deutlich nachgeben würde. Dabei will Krogsgaard den Marktanteil in Indien zwischen 2016 und 2018 von zwei Prozent auf zehn Prozent steigern. Immerhin läuft das Geschäft in Deutschland erfreulich. In den ersten neun Monaten 2016 war Deutschland mit 34 Prozent der Auftragseingänge des Konzerns der mit weitem Abstand wichtigste Markt.

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Steigende Ölpreise als Wachstumstreiber

Rückenwind hatte das Papier zuletzt vor allem von den steigenden Ölpreisen. In dem Umfeld rechnen sich Windkraftanlagen eher als vorher, zumal die Energiegestehungskosten in den nächsten Jahren wegen der Weiterentwicklung der Technologie weiter deutlich sinken sollen. Angesichts dessen sehen Investoren also darüber hinweg, dass das Umfeld für Nordex in den nächsten Quartalen deutlich schwieriger sein könnte als bislang erwartet. Ihre Erwartung sieht so aus, dass ein Umsatzanstieg auf 4,2 bis 4,5 Mrd. Euro eintreten möge, während die Ebitda-Marge (Gewinn vor Zinsen, Steuern Abschreibungen im Verhältnis zum Umsatz) auf mehr als zehn Prozent verbessert werden soll. Das würde einem Ebitda von 435 bis 495 Mio. Euro entsprechen, gegenüber geplanten mindestens 280 Mio. für 2016.

Nordex Aktienkurs auf ein Jahr in Euro

Nordex Aktienkurs auf ein Jahr in Euro

Fazit: Auf dem Papier sieht die Sache ganz einfach aus: Laut den Schätzungen der Analysten soll Nordex den Umsatz im Jahr 2017 auf 3,73 Mrd. steigern und 2018 auf 3,95 Mrd. Euro. Für den gleichen Zeitraum soll der Gewinn je Aktie von 1,44 Euro auf 1,70 Euro hochspringen. Damit wäre das 2017er-KGV mit 13,9 keineswegs zu hoch, während es auf Basis der 2018er-Schätzungen sogar auf nur mehr zwölf sinkt.

Seit Trumps Wahlsieg hat sich das Umfeld für die Unternehmen aus dem Bereich erneuerbare Energie aber eingetrübt. Kurzfristig könnten zwar steigende Ölpreise die Aktien der Unternehmen aus dem Bereich erneuerbare Energie beflügeln. Danach könnte es aber wieder abwärts gehen, zumal wenn die Firmen keine überzeugenden Ausblicke abgeben sollten. Nordex legt ebenso wie SMA am 30. März die 2016er-Zahlen vor.



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