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Paris, Madrid, Frankfurt Raus aus dem düsteren London, Bänker können jubeln

31.01.2017, 14:46  |  2451   |   |   

Londoner Banker dürfen endlich die Koffer packen. Das Motto lautet: Raus aus dem überteuerten und kalten London und rauf aufs attraktive Festland. Was soll es sein: das moderne Madrid, piekfeine Paris oder freche Frankfurt? Europa freut sich auf die Spitzenverdiener von der Insel!

Die Auswirkungen des Brexits werden mit großer Angst erwartet und die Unsicherheit scheint unsere Zeit zu dominieren. Für manch einen Pessimisten läuft alles aus dem Ruder, zerbricht die alte Ordnung, platzt die Welt aus den Nähten und geht vielen die Muffe. Schlägt man sich jedoch auf die Seite der ewigen Optimisten, dann könnten Londoner Bänker mit einem breiten Lächeln durch die City of London flanieren. Madrid, Paris und Frankfurt buhlen um die Finanzexperten und Bankhäuser. Nie wieder muffige Tees, kitschige Queen-Tassen, karierte Socken und fettige Scons, sondern ein richtig hippes Leben im bunten Europa wird geboten.  

Wenn London dicht gemacht wird...

Mittlerweile pfeifen es die Spatzen von den Dächern, der Brexit wird in London zu erheblichen Jobabbau führen. Allein im Finanzsektor dürften rund 20.000 Arbeitsplätze verlagert werden ("Welt"). Glasgow und Bournemouth könnten auch betroffen sein. In diesen beiden Städten haben J.P. Morgan, Citi Bank und Deutsche Bank Mitarbeiter in den Bereichen Dienstleistungen, Risikomanagement und Buchhaltung sitzen ("ntv"). 

UBS-Präsident Axel Weber spricht von 1.000 Jobs, die an alternative Standorte verschoben werden wenn Großbritannien nach dem Brexit keinen Zugang zum Binnenmarkt erhält ("Finews"). Damit würde 20 Prozent der UBS-Mannschaft abgezogen werden. Die Planungen laufen bereits auf Hochtouren. Es könnte sein, dass UBS am Ende nur noch 3.000 Mitarbeiter in London haben werden - so die optimistische Prognose ("ntv").

Auch J.P. Morgan plant den Stellenumzug von 2.500 Mitarbeitern. Die amerikanische Großbank sucht Büros in Deutschland, Polen und Mitteleuropa ("Finews"). Ferner wird Goldman Sachs den Standort London personell verschlanken und dafür Frankfurt ausbauen, so die US-Investmentbank. Auch will die Bankengruppe Lloyds Frankfurt für die Gründung einer Tochtergesellschaft prüft ("ntv").

Die HSBC Bank plant die Verlagerung von Tausenden Jobs aus London an andere Standorte. Die britische Bank besitzt in Frankreich die Geschäftsbank CCF und könnte diesen Zweig ausbauen ("ntv").

Das Clearingshaus LSE befürchtet, dass in London einige zehntausend Arbeitsplätze verloren gehen und deren Abwicklung nach dem Brexit auf dem Festland stattfinden müsste ("ntv"). Die Commerzbank hat ihr Investmentbanking am Standort London schon stark gekürzt und die Citigroup will hunderte Arbeitsplätze nach Dublin verschieben ("Finanzen.net").

...dann sind Madrid, Paris, Frankfurt...

UBS will die meisten Job nach Frankfurt verlagern ("Finews"). Immerhin hat UBS an diesem Standort bereits entsprechende Lizenzen, um Invetsmentbank-Geschäfte abzuwickeln. Die Nähe zur EZB könnte ein weiterer Standortvorteil sein. Ferner ist Madrid für UBS attraktiv ("finews"). So führt das Unternehmen schon Gespräche mit der spanischen Regierung und eine Entscheidung könnte im Sommer fallen ("Finews").

Goldman Sachs erwägt eine Verlagerung in die Mainmetropole und die Gründung einer Europa-Bank ("Finanzen.net"). Darüber hinaus sollen Mitarbeiter aus dem Back-Office nach Warschau, Investmentbanker nach Spanien und Frankreich und Mitarbeiter ohne Kundenkontakt in die New Yorker Zentrale wechseln.  

Aktuell wird damit kalkuliert, dass 20 Prozent des Londoner Handelsgeschäfts nach Paris verlagert wird ("ntv"). Wird die Europäischen Bankenaufsicht von London nach Paris ziehen, dann wäre das ein starkes Argument für die Seine-Metropole. Daneben hat Frankfurt die einmalige Chance das Erbe Londons anzutreten ("Welt"). Das wäre eine wahrhafte Renaissance für Mainhattan. Bei der Finanzaufsicht BaFin sind erste Anfragen von Banken eingegangen ("ntv"). Positive Zeichen: Die Unternehmen interessieren sich für die rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland, um das Potenzial für ihr Geschäft einzuschätzen.

...auch ohne Hauruck-Aktion eine tolle Chance. 

Noch können die Banken - mit einer britischen Lizenz und "EU-Pass" - größtenteils grenzüberschreitend agieren und ihre Proudkte und Dienstleistungen in der ganzen EU-anbieten ("ntv"). Nach dem Brexit könnte das Geschäft mit den EU-Staaten von der Insel aus eingeschränkt sein, denn im Extremfall werden alle Banken und Finanzdienstleister genauso behandelt, wie Institute mit Sitz in Brasielien oder den Vereinigten Staaten ("Welt"). Dann werden von den aktuell 360.000 Arbeitsplätzen in London bestimmt mehr als 20.000 umgesetzt werden.

Um einen geordneten Umzug organisieren zu können, plädiert die Vize-Chefin des Vermögensverwalters Allianz Global Investors, Elizabeth Corley, für Übergangsfristen bis mindestens 2021 ("ntv").

Neben den Banken, denkt aktuell jede 7. Firma im Vereinigten Königreich über einen Umzug nach Europa nach ("SRF"). Ob ganze Unternehmen oder Firmenteile, die Wunschnation ist Deutschland. Mit Abstand (54 Prozent) landet Deutschland auf der Pole-Position und weit abgeschlagen auf dem zweiten Platz die Niederlande (33 Prozent).

Worauf warten, wozu Übergangsfristen? Europa freut sich auf neue Mitarbeiter, neue Stellen und die Weiterentwicklung des Finanzplatzes Europa. Wer einen harten Brexit will, der muss auch damit zurechtkommen, dass an den Bürohochhäusern in London ab 2019 Plakate "For Rent" hängen und die Preise fallen werden.

 

 



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Kommentare

Ich gestehe obigen Artikel kurz nach der Überschrift abgescrollt zu haben,weil ich alles was mit Bankerkuschelei zu tun hat total ablehne Lasst sie krepieren,Sie haben es nicht anders verdient.Sie fühlen sich so wichtig,sind aber so unbedeutend,wenn ihnen die Politik nicht beispringt.

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