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Deutsche Post, Kühne + Nagel und Lufthansa: 5-mal Gegenwind

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
31.01.2017, 10:14  |  938   |   |   

Logistik ist eine Paradebranche des deutschsprachigen Raums und mit dem Boom des E-Commerce werden aktuell gute Geschäfte gemacht. Der passende DAX-Sektor-Index hat sich genauso wie das Schwergewicht Deutsche Post (WKN:555200) seit Herbst 2011 etwa verdreifacht (Stand 27.1.).

Der Konkurrent Kühne + Nagel (WKN:A0JLZL) legte ebenfalls eine starke Performance hin. Insgesamt droht das Geschäft aber schwieriger zu werden, weshalb Vorsicht angesagt ist. Hier sind fünf Argumente.

Gegenwind Nr. 1: Neue Konkurrenz

Während Reeder immer noch unter Überkapazitäten ächzen und in der Marktkonsolidierung ihr Heil suchen, feiern Speditionen und Distributoren Umsatzrekorde. Laut ifo-Umfrage besteht aktuell geradezu Euphorie im Transportgewerbe. Immer mehr Waren kommen per Paket direkt zum Kunden. Die Experten von TechNavio erwarten, dass der Trend auch über die kommenden fünf Jahre anhält.

Von diesem wachsenden Kuchen wollen nun aber auch andere etwas abhaben. Amazon (WKN:906866) investiert schon seit längerem massiv in eigene Lager-, Fracht- und Auslieferkapazitäten. Auch der Konkurrent Alibaba ist immer für eine Überraschung gut. Gerade eben haben die Chinesen angekündigt, sich den global tätigen Überweisungsdienstleister Moneygram einverleiben zu wollen. Vorstöße in die internationale Logistik sind bereits absehbar.

Innovationen wie autonome Systeme und die Digitalisierung verändern die Spielregeln und erleichtern den Markteintritt. Hier haben die E-Commerce-Giganten viel Know-how sowie auch die notwendigen Geldmittel und den Mut, Neues auszuprobieren. Die Deutsche Post wehrt sich, indem sie ihrerseits stark investiert. Im umkämpften englischen Markt wurde im September der mittelgroße Distributor UK Mail übernommen und auch in einer Reihe weiterer Länder machen sich die Bonner breit.

Dabei ist das Marktwachstum keinesfalls so sicher.

Gegenwind Nr. 2: Der Drang zur Selbstversorgung

Die Länder, die den freien Warenaustausch propagieren werden seit Jahren eher weniger. Populisten, Sozialisten und Nationalisten sind sich darin einig, dass der erbarmungslose globale Wettbewerb schädlich für das eigene Land sei.

Vor allem in der südlichen Hemisphäre stellen sich immer mehr Staaten gegen die Hegemonie des Westens, von Bolivien über Uganda bis hin zu den Philippinen. Dazu gehört auch, dass sie versuchen, ihre Souveränität dadurch zu stärken, dass sie ihren Autonomiegrad erhöhen. Wer sich besser selbst versorgen kann, der muss nicht mehr von weither Waren importieren.

Kurioserweise will sich nun auch die USA einigeln und durch Handelsschranken dafür sorgen, dass weniger importiert und mehr im Inland produziert wird. Selbst der Globalisierungsgewinner China hat durch gezielte Investitionen seinen Importbedarf gesenkt. All das bedeutet potenziell weniger Handel und damit weniger Geschäft für Logistiker.

Gegenwind Nr. 3: Der Terrorismus

Streiks und Terror legen immer mal wieder ganze Fracht-Drehkreuze lahm. Das sorgt nicht nur für menschliches Leid, sondern auch für immense ökonomische Einbußen. Besonders davon betroffen sind Unternehmen wie Fraport (WKN:577330) oder die Deutsche Lufthansa (WKN:823212).

Dort muss heute viel mehr in die Sicherheit investiert werden, um Zwischenfälle zu vermeiden. Das verteuert entweder die Logistik-Dienstleistungen oder schmälert die Gewinne — und das ist noch nicht alles.

Gegenwind Nr. 4: Die Umweltauflagen

Frachtschiffe gehören zu den größten Luftverpestern auf unserem Planeten. Da sie das billige Schweröl verbrennen dürfen, können sie aktuell noch sehr günstig über die Meere schippern. Damit soll aber bald Schluss sein. Neue Abgasvorschriften zwingen Reeder zu hohen Investitionen beziehungsweise zur Verwendung von schwefelarmen Kraftstoffen wie Flüssigerdgas. Beides erhöht die Transportkosten für Seefracht und macht den Überseehandel weiter unattraktiv, wenn die Preise angehoben werden müssen.

Neue Technologie verstärkt diesen Trend sogar noch.

Gegenwind Nr. 5: Der 3D-Druck

Viele Bau- und Strukturteile oder sogar ganze Produkte müssen zukünftig nicht mehr angeliefert werden, sondern können direkt vor Ort per 3D-Druck hergestellt werden. Wenn ich mir die Entwicklung dieser Technologie über die letzten Jahre anschaue, dann halte ich es für sehr wahrscheinlich, dass schon bald weltweite Netzwerke mit Dienstleistern aufgezogen werden. Die digitalen Modelldaten kommen dabei in der Regel über das Internet, für Logistiker gibt es dann nicht viel zu tun.

Das sind fünf Punkte, die vielen Logistikern Sorgen bereiten dürften. Aber ist der Branchen-Ausblick wirklich so schlimm?

Worauf jetzt zu achten ist

Entscheidend ist nun, wie die einzelnen Wettbewerber auf all diese Herausforderungen reagieren. Mehr digitale Lösungen für Händler und Industrie sowie ein Fokus auf Wachstumsthemen wie die Intralogistik, fertigungsnahe Dienstleistungen oder die letzte Meile könnten passende Rezepte sein. Die Anzahl versandter Pakete wird weiter steigen und die Lieferketten werden noch komplexer verzahnt.

Die Deutsche Post setzt sich beispielsweise seit einiger Zeit intensiv mit technischen Entwicklungen auseinander und entwickelt neue Geschäftsmodelle. Dabei wird unter anderem überlegt, in welcher Form man 3D-Druck-Shops betreiben könnte.

Insgesamt sind also viele gegenläufige Trends mit Chancen und Risiken zu beobachten und es kommt auf die Strategie und Agilität jedes einzelnen Unternehmens an, ob es trotz der Gegenwinde zu den Gewinnern gehören wird. Gerade in den interessanteren Logistiksegmenten steigt der Wettbewerb und es wird sicherlich auch Verlierer geben. Wie schnell der Wind drehen kann, zeigt die Reederei-Branche.

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Ralf Anders hält keine Wertpapiere genannter Unternehmen. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Amazon.com.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf fool.de veröffentlicht.

Wertpapier: Amazon.com, Deutsche Post, Fraport, Lufthansa, Kuehne + Nagel International


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