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Investition in Strom Unsichtbare Kostentreiber: Stromtrassen verschlingen 50 Milliarden Euro

01.02.2017, 14:00  |  1933   |   |   

Jetzt liegen der Bundesnetzagentur neue Zahlen und Pläne für die zukünftige Netzentwicklung vor. Die Erdverkabelung für die Energiewende wird fünf Mal so teuer wie Hochspannungsleitungen, denn die neuen unterirdischen Stromautobahnen sind fast unkalkulierbar.

Die vier Betreiberfirmen Amprion, 50Hertz, Tennet und TansnetBW gehen von Investitionen i.H.v. circa 50 Milliarden Euro bis 2030 aus. Meerwindbranche und Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungs-Netze (HGÜ) werden zulegen. Den größten Posten nimmt der Netzausbau an Land ein: mit 34 bis 36 Milliarden Euro ("FAZ"). Nur ein Drittel der Gesamtkosten - 15 Milliarden Euro - wird für den Anschluss der Meerwindparks in Nord- und Ostsee kalkuliert. 

Kosten und kein Ende in Sicht

Bis 2035 sollen die Anschlusskosten von Meerwindparks auf 22 Milliarden Euro steigen. Zudem bilden die Ausgaben für neue Leitungen nur einen Aspekt der notwendigen Maßnahmen. Es müssen vorhandene Leitungen verstärkt und erneuert werden, um die lokal erzeugte Elektrizität auf die nächste Netzebene zu transportieren. Auch diese Aufgabe wird Kosten im zweistelligen Milliardenbereich verursachen.

Im Detail müssen bestehende Trassen auf 7.600 bis 8.500 Kilometern erneuert und bis 2030 neue Leitungstrassen mit einer Länge von 3.800 Kilometer errichtet werden. Bei den neuen Trassen entfielen 2.600 Kilometer auf Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsnetze (HGÜ). Die HGÜ-Leitungen sollen 8.000 Megawatt Strom transportieren. 

Meerwindbranche wächst langsam

Ab 2021 wird die Meerwindbranche aus ihrer Komfortzone kommen müssen. Die Bundesregierung will den Zubau drosseln und Ausschreibungen werden die Betreiber schärfer kalkulieren lassen. Die Meerwindparks sollen mit neuen Anschlüssen - zwischen 2.277 und 3.702 Kilometern - noch effizienter werden. Somit könnte es gelingen, dass in 14 Jahren die Anlagen 7.400 Megawatt ans Land bringen. Bis 2035 könnten es sogar 11.400 Megawatt sein, was einer Kapazität von elf Kernkraftwerken entspräche.  

Kritische Stimmen

Die Pläne rufen nicht nur Begeisterung hervor, denn in vielen Regionen wird der Ausbau auch sehr kritisch hinterfragt. So ist die Zukunft des Netzknotens Grafenrheinfeld bei Schweinfurt unklar. Hier geht es um zwei neue Wechselstromtrassen von Hessen nach Thüringen. Es regt sich Widerstand gegen die Errichtung neuer höherer Masten ("BR24").

Auch die Mehrkosten durch die Erdverkabelung von Stromtrassen sind noch unklar. Aktuell geht die Studie davon aus, dass Erdkabel fünf Mal teurer sind, als Freileitungen -  andere Berechnung sagen, dass Erdkabel auch mal das Achtfache kosten können ("BR24"). Genauere Zahlen hängen vom Streckenverlauf, der Kabeltechnik und Kosten für die Erdkabel ab.

Die Bayernredaktion weist daraufhin, dass die Vorgaben für den Netzentwicklungsplan konkrete Zahlen verlangen, die jedoch offenbar nicht lieferbar sind ("BR24"). Vorallem in Bayern sind die Stromtrassen ein Politikum, denn Horst Seehofer (CSU) will die Erdverkabelung voranbringen - weil es aus der Bevölkerung starken Widerstand gegen die oberirdischen Stromtrassen gibt ("Frankenpost").

Norden und Osten unter Strom

Wie "Finanztreff" berichtet, wird Bayern in Zukunft der größte Stromimporteur sein, wohingegen in Nord- und Ostdeutschland die Erzeugung 2030 das Doppelte der lokalen Nachfrage betragen wird. Woher der Strom für Bayern kommen wird, ist jedoch noch ungewiss. Aus der Bevölkerung gibt es starken Widerstand gegen den Suedlink und auch den Suedostlink ("Frankenpost").

 



2 Kommentare

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Kommentare

Sic est! ;)

Schön wär's, wenn die Bundeswehr tatsächlich rein neutral wäre, wertschöpferisch gesehen. Werte-mäßig würde ich das heute wie damals bezweifeln. Und wenn ich nur daran denke, welche Investitionen (Pflegebereich etc. ...) unterlassen werden, weil wir Jahr für Jahr dieses fette Budget durch den Haushalt schleppen, empfinde ich diese Neutralität doch nach wie vor als ziemlich schmerzhaft :cry:
50 mrd an inves´titionen über mehr als 10 jahre - alsoe weniger als 5mrd im jahr ...

und das sollen ksotentreiber sein ?

solche leitungen haben betriebsdauern von gut und gerne 60 jahren - also abschreibungen im niedrigen einstelligen mrd-bereich pro jahr ...

wie vergleicht sich das denn mit anderen infrastrukturprojekten in D, oder dem ausbau von 4G/5G-Netzen, oder den 130mrd, die bis 2030 in die bundeswehr (ein ziemlich wertschöpfungsneutraler verein könnte man sagen) investiert werden ?

hier hat jemand wohl jedes mass verloren ...

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