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Weltwirtschaft "Trump wird die Anleger mittelfristig enttäuschen!"

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02.02.2017, 13:07  |  1214   |   |   

Massive Steuersenkungen, Zölle, eine Infrastrukturoffensive – das ist nur eine Auswahl der radikalen Änderungen in der US-Wirtschaftspolitik, die Donald Trump im Wahlkampf
in Aussicht gestellt hatte. Nach der Wahl Donald Trumps hoffen viele Investoren, dass seine Politik die Wirtschaft kräftig anschiebt. Aber was kann er umsetzen, und wird dies der Wirtschaft helfen oder sogar schaden? Dies wird eine wichtige Frage in den kommenden Monaten sein.

Zusammen mit Dr. Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, analysiert Thomas Timmermann, Bereichsleiter Asset Management IB, im Video die wichtigsten Wahlversprechen Trumps und zeigt warum Donald Trump mittelfristig die Anleger enttäuschen wird!

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Steuersenkungen: erhebliche Entlastungen kommen rasch
Im Wahlkampf hatte Donald Trump deutlich niedrigere Einkommen- und Unternehmenssteuern versprochen. So soll etwa der Körperschaftsteuersatz von 39% auf 15% gesenkt werden, was der künftige Finanzminister Mnuchin in seinem ersten Interview nach der Nominierung nochmals unterstrichen hatte. Die Maßnahmen würden die Steuerzahler um mindestens 2% des Bruttoinlandsproduktes entlasten. Diese Pläne werden zwar im von den Republikanern beherrschten Kongress grundsätzlich auf offene Ohren stoßen. Mangels einer ausreichenden Finanzierung dürften die Pläne aber zusammengestrichen werden. Realistischer erscheint uns eine Entlastung um 1,5% des Bruttoinlandsproduktes, wie sie die Republikaner im Repräsentantenhaus in einem eigenen Plan vorgeschlagen haben. Dies würde eine Überlastung der Staatsfinanzen zunächst wohl vermeiden. Von dem Paket dürften vor allem die Spitzenverdiener profitieren, die wohl einen relativ großen Teil des zusätzlichen Nettoeinkommens sparen werden. Zudem operiert die US-Wirtschaft nahe der Vollauslastung. Der expansive Effekt der Steuersenkungen sollte daher nicht überschätzt werden. Es bleibt auf jeden Fall aber eine positive Wirkung.

Die sich bisher abzeichnenden Maßnahmen einer Administration Trump werden die US-Wirtschaft nur leicht anschieben.

Außenhandel: America first
Trump hat nach der Wahl sein Versprechen wiederholt, das Handelsabkommen mit Kanada und Mexiko (NAFTA) neu zu verhandeln und aus dem pazifischen Abkommen TPP auszusteigen. Während Trump den Rückzug von TPP mit einem Federstrich beschloss, dürften die NAFTA-Neuverhandlungen auf wenig Gegenliebe bei den Partnern stoßen und sich
daher länger hinziehen. Auf Schwierigkeiten könnte Trump auch treffen, wenn er China unverzüglich als Währungsmanipulator einstufen lassen will. Denn eine derartige Einstufung setzt voraus, dass ein Land mit den Markteingriffen bezweckt, den Zahlungsbilanzausgleich zu verhindern oder einen unfairen Wettbewerbsvorteil im Handel zu erlangen. Zwar hat China in den letzten Jahren in großem Umfang am Devisenmarkt interveniert, damit aber nicht die Währung verbilligt, sondern sie gestützt, um eine stärkere Abwertung zu verhindern. Alle seine Drohungen wird Trump kaum wahrmachen – darauf deuten auch einige vorsichtigere Äußerungen Mnuchins in Sachen Währungsmanipulation hin.

Einwanderung: Nicht mehr Abschiebungen als unter Obama
Ein anderes zentrales Wahlversprechen von Donald Trump war die Bekämpfung illegaler Einwanderung in die Vereinigten Staaten und die Ausweisung bereits im Lande befindlicher Personen ohne legalen Aufenthaltsstatus. Zurzeit befinden sich vermutlich rund 11 Mio. illegale Einwanderer in den USA. Dies entspricht 3,5 % der US-Bevölkerung. Trump hat einige seiner Forderungen relativiert. Allerdings hat er mit Jeff Sessions einen erklärten Befürworter einer strikten Begrenzung der Einwanderung als Justizminister nominiert. Zu erwarten ist vor allem eine Durchsetzung bestehender Regelungen („Enforcement“) und höhere Strafen für Arbeitsgeber, die illegale Einwanderer beschäftigen. Ziel dabei wäre vor allem, den Zustrom weiterer illegaler Einwanderer zu stoppen.

Ungeklärt bleibt die Erteilung von Arbeitsvisa für hochqualifizierte Einwanderer, auf die insbesondere die Hochtechnologieunternehmen angewiesen sind. Bei den bereits in den USA lebenden Personen ist, mit Ausnahme der allseits akzeptierten Abschiebung straffällig gewordener Immigranten, eher mit einem zurückhaltenden Vorgehen zu rechnen. Umfassende Deportationen, die noch über die bereits unter Obama erreichten rekordhohen Zahlen von 400.000 Personen pro Jahr hinausgehen, sind administrativ und rechtlich wohl nur schwer zu bewerkstelligen.
Infrastruktur: Viel Lärm um nicht viel
Trump hatte – wie seine Konkurrentin Clinton – erhebliche Investitionen in die US-Infrastruktur abgekündigt. Seit 2010 fallen die staatlichen Investitionen in die Infrastruktur in realer Rechnung. Nach einem Papier des wirtschaftspolitischen Beraters von Trump, Peter Navarro, sollen Steueranreize von bis zu 137 Mrd. Dollar 1.000 Mrd. Dollar an privatem Geld für eine „Public Private Partnership“ (PPP) zum Bau oder Erhalt von Infrastruktur mobilisieren. Die bisherigen Erfahrungen mit ähnlichen Ansätzen lassen es zumindest als fraglich erscheinen, ob tatsächlich so viele Mittel mobilisiert werden können. Zudem dürften sie wegen einer oft komplexen Vertragskonstruktion erst mit einer großen Verzögerung umgesetzt werden. Aus Sicht von Investoren wie Pensionsfonds, die keine Bundessteuern zahlen, sind Steueranreize ohnehin nicht attraktiv. Deshalb mögen von einem solchen Programm zwar positive Impulse auf die Wirtschaft ausgehen, diese aber kaum sehr groß ausfallen.

Deregulierung: Der Teufel liegt im Detail
Die Regierung Obama hat die Regulierung für die US-Unternehmen verschärft. Teilweise wurden dabei die Einschränkungen – insbesondere durch die Umweltschutzbehörde EPA – auf dem Verordnungsweg am Kongress vorbei erlassen. Da Trump Scott Pruitt, einen ausgewiesenen Gegner überbordender Umweltschutzregulierungen und ein Skeptiker des menschenverursachten Klimawandels, für den EPA-Chefposten nominiert hat und die Republikaner den Kongress dominieren, ist zumindest ein Ende der Verordnungspraxis und ein Außerkraftsetzen zahlreicher der von Obama verordneten Regulierungen wahrscheinlich.
In Reaktion auf die Finanzmarktkrise wurde mit dem „Dodd-Frank“-Gesetz auch die Banken-regulierung umfassend überarbeitet, verschärft und komplexer gemacht. Zahlreiche Mitglieder des Team Trump wollen dieses Gesetz entschärfen. Trump dürfte aber Dodd-Frank kaum völlig eliminieren. Denn weite Teile des umfangreichen Gesetzes sind bereits kostenträchtig in die Praxis umgesetzt worden. Eine erneute umfassende Änderung der gesetzlichen Grundlagen wäre erneut ein komplexes gesetzgeberisches Vorhaben, was kaum rasch umzusetzen wäre – und für Trump wohl keineswegs Priorität hat. Es ist eher davon auszugehen, dass einige Bedingungen entschärft werden, um besonders kleineren Banken das Geschäft zu erleichtern. Allgemein sind Deregulierungsvorhaben aufgrund der Komplexität der Materie meistens nur langsam umzusetzen. Ein rascher positiver Effekt ist daher unwahrscheinlich. Wichtiger für die Unternehmen ist wohl das von einer Trump-Regierung ausgehende Signal, dass die Regulierung nicht weiter verschärft wird, was sich positiv auf die Investitionsbereitschaft auswirken dürfte.

Fazit
Die sich bisher abzeichnenden Maßnahmen einer Administration Trump werden die Wirtschaft wohl nur leicht anschieben. Darum gehen wir auch davon aus, dass sich das Wachstum der US-Wirtschaft 2018, wenn die ersten Maßnahmen greifen werden, mit 2,3% wohl auch nur etwas stärker ausfallen wird als 2017 (+2,0%). Auch der am Markt diskutierten „Trumpflation“ stehen wir eher skeptisch gegenüber. Zwar wird der Preisauftrieb wegen der zunehmenden Anspannung am Arbeitsmarkt weiter allmählich anziehen, mit einer merklichen Verstärkung dieses Trends rechnen wir wegen Trumps Plänen aber nicht. Darum dürfte die US-Notenbank mit zwei Zinserhöhungen im kommenden Jahr die Geldpolitik nur unwesentlich stärker straffen als 2016.

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Autor

Anouch Wilhelms
Derivate-Experte, Commerzbank AG

Anouch Wilhelms ist Derivate-Experte bei der Commerzbank und in diesem Bereich mehr als 12 Jahre tätig. Er studierte Betriebswirtschaft in Frankfurt und Madrid und startete direkt nach dem Studium bei der Commerzbank in Frankfurt im Bereich Aktien und Rohstoffe. Heute ist er Spezialist für strukturierte Wertpapiere. Anouch Wilhelms ist als Derivate-Experte der Commerzbank regelmäßig Gast im TV (z.B. n-tv Telebörse) und schreibt regelmäßig Gastbeitrage in Tageszeitungen und Fachmagazinen. Außerdem moderiert er die Sendung ideasTV.

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