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Analyse 5 Gründe für eine Korrektur am Rohstoffmarkt!

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06.02.2017, 10:09  |  4356   |   |   

Das Jahr 2016 bescherte den Rohstoffmärkten eine überraschend scharfe Trendwende. Nach drei Jahren fallender Preise verbuchte der breit gefasste CRB-Rohstoffindex im letzten Jahr erstmals wieder ein Plus: Vom niedrigsten Stand seit der Finanzkrise, den er zum Jahreswechsel 2015/2016 erreicht hatte, legte er 13 Prozent zu. Einzelne Rohstoffe, darunter auch Öl, verteuerten sich sogar um mehr als 50 Prozent. Die folgenden fünf Faktoren könnten gegen einen weiteren Anstieg des Marktes sprechen.

1) Wie diszipliniert ist die OPEC?

Nach monatelangem zähem Ringen einigte sich die OPEC Ende November 2016 auf eine Produktionskürzung um 1,2 Millionen auf 32,5 Millionen Barrel pro Tag. Darüber hinaus haben sich auch einige Nicht-OPEC-Länder, darunter Russland, bereit erklärt, ihre Ölproduktion um insgesamt 560.000 Barrel pro Tag zu reduzieren. Die Rohstoffanalysten der Commerzbank gehen davon aus, dass die OPEC den Kürzungsbeschluss, welcher zunächst für sechs Monate gilt, zu Beginn größtenteils umsetzen wird. Die Perspektiven für 2017 haben sich dadurch deutlich verändert. Denn bei vollständiger Umsetzung des OPEC-Beschlusses würde der Ölmarkt in der ersten Jahreshälfte erstmals seit Ende 2013 in ein Angebotsdefizit rutschen.

Skeptisch ist die Rohstoffanalyse der Commerzbank, dass sich Russland wie versprochen an einer Produktionskürzung beteiligen wird, denn die dortigen Produktionserfolge sind vor allem den privaten Ölunternehmen zu verdanken, die bereits weitere Produktionssteigerungen angekündigt haben. Die Disziplin der OPEC dürfte daher nachlassen, sodass für den weiteren Verlauf des Jahres 2017 von fallenden Ölpreisen auszugehen ist. Brent dürfte deshalb Ende 2017 wieder weniger als 50 US-Dollar je Barrel kosten. Das Risiko der aktuellen Prognosen liegt darin, dass die OPEC sich nicht an die Kürzungsabmachung hält und ihre Produktion weiter steigert.

2) Fracking – Kehren die Schieferölproduzenten zurück?

Das zu Jahresbeginn höhere Ölpreisniveau von deutlich über 50 US-Dollar je Barrel wird außerdem zu einem schnelleren Anstieg der US-Ölproduktion führen. Die Zahl der aktiven Ölbohrungen ist laut dem Öldienstleister Baker Hughes bereits seit Ende Mai 2016 nahezu ununterbrochen gestiegen und lag Ende 2016 fast wieder auf Vorjahresniveau. Zudem hat Trump versprochen, die Förderung fossiler Energieträger im eigenen Land zu erleichtern. Das könnte das Investitionsklima in der US-Ölindustrie zusätzlich aufhellen. Die US-Ölproduktion könnte daher 2017 positiv überraschen und somit den Ölpreis wieder unter Druck setzen.

3) Gold stabil, aber was ist mit Silber?

Die weiterhin sehr niedrigen und teilweise negativen Realzinsen, die ultralockere Geldpolitik der meisten westlichen Zentralbanken und die steigende Inflation sprechen für eine wieder robustere Investmentnachfrage nach Gold, auch wenn diese kaum wieder das Niveau des ersten Halbjahres 2016 erreichen dürfte. Mit der Stabilisierung an den Devisenmärkten im Jahresverlauf dürfte der Goldpreis zulegen und bis Ende 2017 auf 1.300 US-Dollar je Feinunze steigen. Außerdem könnte es jederzeit zu einem erneuten Anstieg der Risikoaversion an den Märkten kommen.

Silber dürfte sich zwar etwas besser als Gold entwickeln und damit einen Teil der Unterbewertung wettmachen, das Gold-Silber-Verhältnis liegt mit über 70 deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. Silber ist damit gegenüber Gold relativ preiswert. Eine deutlich bessere Entwicklung als Gold trauen die Rohstoffanalysten der Commerzbank Silber allerdings nicht zu. Dagegen spricht vor allem die weiterhin nur verhaltene Industrienachfrage, welche etwa die Hälfte der gesamten Silbernachfrage stellt. Diese soll laut Thomson Reuters GFMS das siebte Jahr in Folge schrumpfen und auf das niedrigste Niveau seit der Weltwirtschaftskrise im Jahr 2009 fallen.

4) Industriemetalle – Spielball der Spekulanten?

Die Metallpreise sind im letzten Jahr förmlich nach oben geschossen. Der LME-Industriemetallindex erreichte Ende November ein 18-Monats-Hoch und schloss das Jahr mit einem Plus von gut 20 Prozent ab. Auftrieb erhielten die Metallpreise von deutlich gestiegenen Aktienmärkten, die den höheren Risikoappetit der Marktteilnehmer ausdrückten. Auch wurden die Metallpreise offenbar in Erwartung einer höheren Nachfrage nach oben getrieben, denn Trump hatte während seines Wahlkampfs angekündigt, viel in die Infrastruktur des Landes zu investieren. Die potenziellen Impulse der neuen US-Regierung dürften daher ein zentrales Thema in diesem Jahr sein.

Zu den kurzfristigen Schwankungen dürften 2017 die spekulativen Finanzinvestoren wieder maßgeblich beitragen. Deutliche Positionsverschiebungen hatten schon im letzten Jahr zu beträchtlichen Preisausschlägen geführt. Anfang/Mitte Dezember 2016 waren die spekulativen Finanzinvestoren bei den meisten Metallen so optimistisch wie nie zuvor hinsichtlich der weiteren Preisentwicklung positioniert. Seit Mitte Dezember nehmen die ersten Finanzinvestoren hier aber Gewinne mit, was die Preise belastet.

5) Angebotsdefizit bei Zucker und Kaffee bald überwunden?

Der Preis für Rohzucker gehört mit einem Plus von 28 Prozent zu den Gewinnern des Jahres 2016. Angetrieben wurde der Preisanstieg durch die Aussicht auf ein zweites Angebotsdefizit in Folge am globalen Zuckermarkt und phasenweise unterstützt durch einen rasanten Anstieg der Netto-Long-Positionen der kurzfristig orientierten Marktteilnehmer. Inzwischen ist die Verarbeitungssaison in Brasiliens Hauptanbauregion Center-South quasi ausgelaufen. Das Plus an Zucker beläuft sich im Vergleich zum Vorjahr auf 17 Prozent. Dies hilft, den Angebotsausfall in den noch negativ von den Auswirkungen von El Niño betroffenen Ländern Indien und Thailand abzufedern. Auch in der EU, in Russland und der Ukraine dürfte die Produktion steigen. Daher werden die Defiziterwartungen für 2016/2017, die lange Zeit immer wieder angehoben wurden, inzwischen reduziert. Auch die Internationale Zuckerorganisation hat ihre Defizitprognose für 2016/2017 auf 6,2 Millionen Tonnen zurückgenommen. Zudem sieht sie Licht am Horizont: Normale Witterung vorausgesetzt, könnte die Defizitphase 2017/2018 enden und der Markt ausgeglichen sein.

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Anouch Wilhelms ist Derivate-Experte bei der Commerzbank und in diesem Bereich mehr als 12 Jahre tätig. Er studierte Betriebswirtschaft in Frankfurt und Madrid und startete direkt nach dem Studium bei der Commerzbank in Frankfurt im Bereich Aktien und Rohstoffe. Heute ist er Spezialist für strukturierte Wertpapiere. Anouch Wilhelms ist als Derivate-Experte der Commerzbank regelmäßig Gast im TV (z.B. n-tv Telebörse) und schreibt regelmäßig Gastbeitrage in Tageszeitungen und Fachmagazinen. Außerdem moderiert er die Sendung ideasTV.

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Anouch Wilhelms ist Derivate-Experte bei der Commerzbank und in diesem Bereich mehr als 12 Jahre tätig. Er studierte Betriebswirtschaft in Frankfurt und Madrid und startete direkt nach dem Studium bei der Commerzbank in Frankfurt im Bereich Aktien und Rohstoffe. Heute ist er Spezialist für strukturierte Wertpapiere. Anouch Wilhelms ist als Derivate-Experte der Commerzbank regelmäßig Gast im TV (z.B. n-tv Telebörse) und schreibt regelmäßig Gastbeitrage in Tageszeitungen und Fachmagazinen. Außerdem moderiert er die Sendung ideasTV.

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