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Silicon Valley & “America great again” ?

Gastautor: w:o Gastbeitrag
07.02.2017, 19:56  |  1383   |   

Während einer einwöchigen Informationsreise durch das Silicon Valley, Ende des letzten Monats, konnte ich mir nicht nur ein Bild von Firmen und Institutionen wie AirBnB, Google, SAP Innovation Center, dem Institut for the future in Stanford, dem Berkeley Business Institut, einer Business Angel Vereinigung (den Sand Hill BAs), VCs und den wichtigsten Incubatoren wie Rocket Space (Uber), PlugnPlay (Google, Paypal) und StartX (Stanford Uni) machen, sondern auch vom Status Quo der erfolgreichsten Region der Welt, wenige Tage nach dem Amtsantritt des neuen Präsidenten Trump, aber noch vor der Aufhebung des Einreiseverbotes für die 7 muslimischen Länder.

Was fällt auf: immer noch schlechte Straßen, endlich bessere U-Bahn (bart), 80% japanische Autos (meist Toyota Prius) auch auf den Campus-Parkplätzen, kaum Deutsche Luxuswagen außer vereinzelt in Palo Alto und San Jose, viel mehr Homeless People in San Francisco als vor 8 Jahren, astronomische Preise für Immobilien, Hotels und Restaurants (Frühstück im Diner ab 12 US$ bis 30US$; Steak ab 40 US$) und eine rege Bautätigkeit im Gewerbebereich. Die überwiegende Männerwelt, Tech-People und Schwulenhochburg, scheint ein Eldorado für Frauen zu sein; sie haben die freie Auswahl. An jeder Ecke wird man als Mann angesprochen; meist nett, ab und an ziemlich eindeutig, aber in jedem Fall auffallend häufig gegenüber jeder anderen Stadt die ich bisher besucht habe. Wie in New York, Boston und Washington im September 2016, habe ich auch diesmal nur eine einzige ! Frau mit Kopftuch gesehen. Ein “Islam-Thema” scheint nicht existent. Die möglichen Diskussionen dazu finden zumindest im öffentlich Raum nicht statt. Wer da ist gibt Vollgas, eine Integrations- oder Genderdiskussion gibt es nicht (mehr). Die Einreise ist mit einem biometrischem Ausweis und elektronischen Erkennungsdiensten deutlich leichter und schneller als früher; als Bundesbürger wohlgemerkt !

Beeindruckend ist, mit welchem Selbstverständnis die Technologien und Produkte von morgen entwickelt und umgesetzt werden. Es scheint alles möglich zu sein und mit fast 7 Milliarden Dollar p.a. Investitionskapital scheint es unendliche Mittel zu geben, die Ideen und Visionen auch umzusetzen. Dabei geben sich die Tech- und Innovations-Stars alle Mühe, ihre “the-winner-takes-it-all” Attitüde humanistisch anzustreichen. Sowohl bei Google als auch bei AirBnB etc. wird ausführlich darauf hingewiesen, dass Sozialleistungen wie inkludierte Krankenversicherung, Zahnersatz, Essen in max. 50m Reichweite, sichergestellt durch Mikro-Kitchens, freier Transport, Fitnessstudio, Gesprächsräume wie im Robinson-Club und  und vieles mehr für die Mitarbeiter = Leistungsträger bereitstehen, um denen eine Wohlfühloase für Kreativität und Leistung zu bieten. Vielleicht will man es aber auch attraktiv machen, sich 24/7 für die Shareholder aufzuopfern. Egal, alle sind happy.

Diese Leistungen gelten natürlich nur für die, die einen knallharten Ausleseprozeß von bis zu 7 Interviews hinter sich haben; Top-IQ und Spitzenstudium sind bereits Standard. Wer drin ist ist drin und die äußerlich chaotisch erscheinenden Organisationen sind, wie in Amerika üblich, am Ende doch durch knallharte Managementstrukturen manifestiert. Die vielgerühmte Toleranz und Weltoffenheit gegenüber dem anderen gilt wohl nur innerhalb einer archaischen Leistungsgesellschaft. Sie wachsen weltweit weil sie es wollen und können. Was Amerika sonst so bietet, hört für die “fly overs” spätestens hinter der Oakland Bay Bridge und Berkeley auf. “Fly Overs”, also Menschen die von Seattle/San Francisco/L.A./San Diego nur nach NY, Boston, Washington/Miami etc. fliegen und umgekehrt, kennen vom Rest der USA weniger, als vom Rest der Welt, von dem sie zum Teil auch hergekommen sind oder gerne hinreisen. Man muß das wissen und sehen, wenn man die Konfrontation der Kalifornier und Ostküstenelite mit dem Rest der USA verstehen will. 

Das Durchschnitteinkommen im Valley beträgt für einen angestelten Entwickler oder sonstigen leitenden Mitarbeiter, und jeder leitet in der Szene irgendwas, über 160.000 US$; das Doppelte von dem was sonst in Kalifornien verdient wird und das Vierfache eines Durchschnittsamerikaners. Wenn also von hier aus erklärt wird, wie die Welt zu retten wäre, warum investieren dann Zuckerberg, Cook,  Musk, Brin und Co. nicht in Südamerika & Mexico, Afrika, Nahost etc. ? Warum horten sie hunderte von Milliarden in Irland und warum machen uns Facebook, Uber, AirBnB, Postmates etc. zu “abhängigen” Content-/Service-Lieferanten zum Wohle einiger weniger Gründer, VCs oder Aktionäre ? Ja Airbnb und Uber machen Taxifahren billiger, bequemer und wohnen auf Reisen für viele erschwinglicher und wer will, findet gleich noch einen Host, der dir sein Auto leiht und dir die Stadt erklärt, aber auf Rechnung von diesen Unternehmen. Facebook lässt sich seinen Content von den Nutzern machen und teilt seine Werbeeinnahmen und Nutzungsgebühren mit den Content-Lieferanten Du und ich, wie ? gar nicht ! Der individuelle Dienstleister bei Uber und AirBNB wird zum Provisionsempfänger; eine schöne neue Welt, die ein “freiwilligen Heer” von Freelance-Abhängigen schafft. Was sehen sie für eine Produktion wenn sie Uber, twitter, AirBnB etc. besuchen ? keine ! Sie als Nutzer bringen den Wert mit ihren Inhalten. Der wahre Wert, gerade auch bei diesen Firmen, sind die Daten über uns, die Nutzer. Sie werden uns Dinge anbieten und unsere Bedürfnisse lenken, bevor wir wissen was wir überhaupt wollen.

Neulich habe ich ein Auto gekauft und mich natürlich vorher im Netz zusätzlich informiert. Während ich auf den Rückruf mit Angeboten von zwei Herstellermarken heute noch warte, Big Data und Testfahrten hin oder her, habe ich mich für einen dritten Hersteller entschieden. Warum bekomme ich jetzt immer noch Autowerbung eingeblendet ? warum nicht ein Reiseziel wohin ich mit dem Auto fahren kann ? Da Menschen offenbar falsche Schlüsse ziehen, werden zukünftig Bots dieses Problem lösen. Die Fragen, was passiert wenn ich umziehe (Abbau, Umzug, Einbau, Ummeldungen, Schulauswahl etc.) werden also von vernetzten Bots übernommen oder von “Kümmerern”; künstlich oder doch noch menschlich ? Was passiert wenn jemand stirbt ? Testament, Nachlassverwaltung, Streitereien, Neu- und Ummeldungen etc.; wer kümmert sich und wie ? Wie binde ich meinen Kunden mit Gutscheinen, Loyalitätsprogrammen und Zahlungssystemen inkl. Kreditvergabe etc. ? Ein Ereignis wie eine Eheschließung, Geburt, Todesfall, Examen, Reiseplanung, Umzug etc. wird also, getriggert z.B. durch Facebook-Status-Änderungen und einem anderen Nutzungsverhalten von Google etc., eine Reihe von Services auslösen. Es handelt sich entweder um vernetzte Bots oder diese Leistungen werden von de facto abhängigen Dienstleistern, wie oben beschrieben, erbracht. Denkbar als Dienstleister ist aber auch das unüberschaubare Heer von Gig-Workern (freie Amateur-Freelancer aller Art), deren Marktbedeutung immer mehr zunimmt; erstaunlicherweise bis jetzt noch nicht durch eine herausragende Plattform organisiert. Wer kann/darf wo, wie und unter welchen Bedingungen anbieten und abarbeiten ? Das werden die Kernfragen der Zukunft sein. Wo liegt dann die größte Wertschöpfung, bei wenigen Verteilkonzernen oder bei den dienstleistenden Menschen ?

Die meist langweiligen Autos im Valley deuten darauf hin, dass es den Machern der Zukunft nur noch um Transport und nicht mehr um Genuß geht; wobei der Genuß in Zeiten von Staus auch im Valley eher relativ ist. Uber und Lyft haben Taxis längst de facto ersetzt und den Markt für privaten Transport dramatisch ausgeweitet. Wie komme ich von a nach b möglichst bequem, in time, billig und ohne ein Parkplatzproblem ? Nach Meinung der Gesprächspartner wird Tesla bald seine Autosparte verkaufen und zum Energiespeicher-Anbieter werden. Noch ist nicht geklärt woher all die Energie kommen soll, die so viele Elektroautos brauchen; oder kommunizieren gar Energiespeicher miteinander und übertragen die verfügbare Energie gegen Bezahlung dorthin wo sie gerade gebraucht wird; “connected cars” ? Wird man bei Uber ein Mobilitätsabo und bei AirBnB ein Übernachtungs- inkl. Unterhaltungs-Abo lösen können ? Ich denke ja. Massenhersteller von Fahrzeugen werden ein Problem haben, bei Genußherstellern (z.B. Porsche, Ferrari, Bentley) kann man wohl noch aufatmen. Das autonome Fahren ist im Valley schon abgehakt: done. Es wird kommen, genau wie die Themen Cybersecurity, Cognitive Technologien, Dronen und Roboter, Digital Manufactoring, Collaboration und virtuelle Realität.

Das Valley und seine Unis sind aber auch ein Experimentier- und Methodenspielplatz. Wie wird die Welt in 10 Jahren aussehen ? falsche Frage. Wie gestalten wir aktiv die Welt in den nächsten 10 Jahren ? Es werden Spieltheorien und Interaktionsmodelle gelehrt die Menschen dazu bringen, ihr Verhalten zu studieren und dafür Optimierungspotenzial zu analysieren. Innovation lebt von Vereinfachung und braucht vor allem eines: Probleme ! Was ich hier und jetzt nicht haben, reparieren, erleben, lernen oder nutzen kann, kann ich vielleicht über Virtuelle Realität (VR) und Remote Acting ? Die Mächtigkeit von VR und Augmented Reality (AR), also der computerunterstützten Erweiterung der Darstellung und damit Wahrnehmung, haben ein Ausmaß erreicht, dass ungeahnte, fantastische bis beängstigende Möglichkeiten schafft; zu bestaunen u.a. in der Experimentierstube des SAP Innovation Centers. Interessanterweise spielt Snap (Macher von Snapchat) eine führende Rolle im Bereich der Objektverlinkung im dreidimensionalen Raum. Auch die Investitionstätigkeiten von Google & Qualcomm aus dem Techbereich und Legendary Entertainment in den AR-Treiber Magic Leap und Snapchat in Cimagine Media aus Israel, untermauern den Trend. AR von und für jedermann, scheint in erreichbarer Nähe. AR wird also unser Arbeits-, Lern-, Kommunikations- und vielleicht auch unser Sex-Leben verändern.

Werden Blockchains, wo integre Systeme so aufeinander angestimmt sind, dass sie nicht manipuliert werden können, als fest verdrahtete Softwarearchitektur Transaktionen (z.B. Geldflüsse), Prozesse (z.B. in der Industrie), Informationen (was soll wann und warum passieren ?) nach festgelegten Regeln und Verträgen automatisch verarbeiten oder werden das zukünftig auch Menschen machen; und wenn ja, wie viel davon ? Wird mir Apple Siri oder Google Home automatisch einen Scheidungsanwalt nennen, wenn ich mich mit meiner Frau streite, werden automatisch Tickets gekauft oder storniert wenn ich mich über den Sieg meines Fußballteams freue oder über die Niederlage ärgere ? Alles ist möglich. Die Nutzung wird zeigen, was sich durchsetzt.

Es gilt der Startup-Leitsatz: Think Big, Start Smart (im Valley in Netzwerken) & Scale Fast.

Zum Thema Startup hier nur drei Sätze: 1.) was keine Chance auf ein 100 Mio. US$ Business in 5 Jahren hat, ist “crap” = Unsinn; 90% ist crap ! 2.) es gilt als unhöflich jemand anderen (Business Angel, Investor, Projektmitarbeiter, Experte etc.) seine Zeit länger als 3 Minuten in Anspruch zu nehmen, wenn der nicht sofort auf dein Thema einschwenkt. 3.) US-BAs fragen: “stimmt es, dass in Europa jeder Dorf-Bürgermeister und jede Bäckerei jetzt einen Incubator betreibt und dass sich High-Potentials in unsinnigen Projekten zu Tode gefördert, systematisch ruinieren, statt “echte” Probleme zu lösen, was die Hidden Champions Europas bisher ausgemacht hat ?

Die Top-Angels im Valley beneiden uns um unseren Mittelstand aber über so viel Naivität in der Startup-Szene, bei allseits unterirdischen Überlebensraten in der VC-Investment-Industrie, kann man dort nur den Kopf schütteln. Weniger, aber bessere weil überlegtere, nutzen-, problem- und nicht förderorientierte Startups, wären besser.

Die Top50 Angels in den USA (MIDAS-Liste 2016) haben ihre Deals und Vermögen in nicht mal 20 Unternehmen gemacht. Immer weniger Firmen konzentrieren also die vorhandenen Investitionsgelder auf sich; de facto bilden sich Syndicate. Die Angels dort rechnen mit einer dramatischen Abkühlung der Szene, da u.a auch die Exitkanäle verstopft sind und die echten VC-Winners sich zunehmend zurückziehen; warum ? weil der Zyklus der Blockbuster heißgelaufen ist. Insider spotten bereits, wenn Salesforce einen eigenen Tower in Downtown San Francisco baut, dann ist das ein sicheres Zeichen, wie überall wo neue Rekordgebäude entstehen, short zu gehen.      

Was aber sind die Themen auf die auch das Valley keine Antwort hat ? Verfügbarkeit von Wasser und genügend Ernährung !

Erstaunlich dass ich mit diesen Themen fast alle Gesprächspartner ins Schlingern gebracht habe. Zumindest bei Ernährung gab es einen Ansatz, Fleischersatz aus künstlichen Enzymen zu erzeugen und zukünftig “smartes” Food zu erzeugen: das perfekte Menü, abgestimmt auf deine Körperdaten (generiert durch Wearables) und deinem Empfinden: vor oder nach einem Leistungspeak, bei guter/schlechter Laune, wenn es draußen warm ist oder kalt, wenn du kränklich/depressiv bist oder euphorisch etc..

Zum Thema Wasser-Verfügbarkeit: Fehlanzeige.

Leider ist man sich auch in der Digitalisierung einig, dass sie alles können und verändern wird, nur eine Entlastung für den Arbeitsmarkt wird sie nicht bringen.

Zukünftige Lebensmodelle bei totaler Automatisierung der westlichen Welt werden wohl entworfen werden müssen, denn sonst droht der Kollaps und alle philanthropische Spendenbereitschaft der Silicon Valley Milliardäre wird kein Menschheitsproblem lösen. Zumindest im “Institut for the future” in Stanford ist man sich darüber im klaren, dass die Bevölkerungsexplosion in Afrika und die zunehmenden Männergesellschaften aufgrund von “Geburtenkontrolle” in Arabien, Indien und China eine weit größere Bedrohung für den Planeten darstellen, als alles bisher Bekannte. Da hilft dann auch kein iPhone, kein Tesla, kein Google und auch sonst nichts mehr. Da ist er also der Blackswan. Es gibt auch Probleme die das Valley nicht lösen kann, trotz einer Intelligenzdichte die ihresgleichen sucht.  

Was hat das nun alles mit Trump und “make america great again” zu tun ?

Nun, Trump fordert das Valley heraus die Frage zu beantworten, wie können die Innovationen, Erfolge und Reichtümer der “Freidenker” allen ! Amerikanern ! zu Prosperität verhelfen ?  Dass die Top-Protagonisten des Valleys inkl. Gates, Bezos und Buffett mehr besitzen als de facto der Rest der Welt ist hinlänglich bekannt. Dass der Unterschied von West- und Ostküste zu dem Rest der USA groß ist, ist Aufgabe für Trump, diese Lücke zu schließen oder zumindest zu verkleinern.

Alleine Google, Facebook und Apple lagern hunderte von Milliarden Cash in Irland. Er wird sie zwingen, dieses Geld in die USA zu repatriieren. Es wird Steuererleichterungen und Investitionsanreize geben, dieses Geld in den USA zu investieren. Verlagerungen von Produktionskapazitäten z.B. bei Apple für die iPhone-Produktion sind bereits im Gespräch. Trump wird die Amis moralisch in die Pflicht nehmen, bevorzugt amerikanische Waren und Güter zu kaufen. Alleine in der Autoindustrie und bei der Infrastruktur könnte das Milliarden-Impulse auslösen. Er wird das Banking wieder lockern und das wird den M&A Spielplatz Nr. 1 wieder anheizen; ob wir wollen oder nicht.     

Was aber ist das Kern-Mißverständnis zwischen der Trump-Administration und dem Valley ?

Die Techstars des Valley verdienen ihr Geld auf der ganzen Welt, alle und jeder sind Nutzer = Kunden. Der Arabische Frühling wurde u.a. durch Facebook möglich, wie auch die Traumwelten aus Europa geschildert von afrikanischen Migranten für ihre Freunde die auch dorthin wollen. Wenn die ganze Welt dein Kunde und Nutzer ist, dann ist es auch egal, wer, warum, mit welchen Zielen deine Services/Produkte nutzt; Hauptsache die Nutzung steigt und steigt und steigt. Fake-News, Hass, Falschmeldungen etc. werden deshalb so widerwillig angegangen; es könnte Nutzer kosten. Wenn AirBnB als amerikanische Firma z.B. die Übernachtung einer Deutschen in Indien organisiert, dann ist klar, dass diese Plattformen per se weltoffen und unbegrenzt zugänglich sein müssen. Deshalb gibt man sich auch als Anwalt der ganzen Welt.

Gleichzeitig sieht das Valley, wie viele Menschen in Amerika und weltweit, die Einwanderung in die USA als Grundlage für deren Entwicklung. Gemeint sind aber Menschen, die leistungsfähig, sowie leistungs- und integrationswillig sind, im Idealfall noch Kapital oder Top-Ausbildung inkl. Leumund oder Mentor in den USA aufweisen.

Mit dem Einreise-Verbot für Muslime aus “Failed-States”, wo man sich an jeder Ecke einen Pass kaufen kann und Amerika den Tod wünschen darf, hat Trump zwar ein Wahlversprechen seiner Anhänger erfüllt, aber gleichzeitig für das Valley den Nachschub an “billigen” Hochqualifizierten gefährdet und deren weltweite Nutzer empört. Was das Valley unter Freiheit für Migranten versteht, haben wir oben schon gelernt. Freier Zugang für Hochqualifizierte. Den Rest der “nutzlosen” Migranten, der gewöhnlich Deutschland ansteuert, kennt das Valley gar nicht und das kulturelle Phänomen des Antanzens “taharrush gamea” kennen Amis eben so wenig, wie den Umstand dass irgendwelche Leute ohne Identifikation einfach so in ihr Land einreisen; außer Mexico. Gab es je einen Terroranschlag im Valley ? Für wen demonstrieren dann jugendliche Studenten an der Berkley-Universität ? Für die Freiheit des Migrierens auch für andere Menschen die p.a. 15.000 US$ Studiengebühr bezahlen können. Unter Migranten verstehen Amerikaner also etwas anderes als wir, deshalb sollten wir nicht daraus ableiten, dass die pro-Migrationsbewegung der USA ein Vorbild für uns sein könnte. Wir sind Primärziel derer, die all das nicht wollen/können, was Amerika gerne aufnimmt. Das ist der Unterschied.

Vielmehr stellen sich einige interessante Gesprächspartner im Valley folgende Fragen:

Was, wenn sich die Mauer gegen Mexico, die es übrigens in Teilen schon längst gibt, gar nicht gegen Mexico richtet, sondern den Wanderweg der Verzweifelten, Perspektivlosen und leider auch Kriminellen aus Afrika, Mittel-/Südamerika und Karibik mit dem Endziel USA stoppt ? Vielleicht kommt auch deshalb so wenig Widerstand der mexikanischen Bevölkerung an Trumps Plänen, weil auch die die Schnauze voll haben von der illegalen/kriminellen Wanderungsbewegung durch ihr Land Richtung USA ? Vielleicht befriedet die Mauer eine nie dagewesene Diaspora und zwingt zu Investitionen vor Ort ?

Was, wenn Trump die Diktatur der Minderheiten beendet und jeder Amerikaner wieder gleich viel zählt, ohne dass es wichtig wäre welcher Interessenvertretung oder schützungswürdigenden Befindlichkeit er angehört ?

Was wenn der hart arbeitendet Durchschnittsamerikaner auch wieder wichtig ist und nicht die Befindlichkeiten von Eliten wie Schauspielern, Künstlern, Sportlern und dotcom-Siegern etc. deren Leben von gigantischen Privilegien geprägt ist ?

Was, wenn Waterboarding tatsächlich Terror verhindert; anders als bei uns im Fall Amri ?

Was, wenn eine geordnete Rückführung von illegalen Einwanderern tatsächlich Jobs für Amis schafft ?

Was, wenn gigantische Infrastrukturprojekte “Verlierer” in Arbeit und Brot bringen ?

Was, wenn die TechStars sich mit der amerikanischen Old-Economy arrangieren und wahre Wunder produzieren ?

Was, wenn die USA nur noch für sich selbst sorgen und dem Rest der Welt als Polizei nicht mehr dienen und damit eine gigantische Binneninvestition auslösen ? etc.

Das Hin und Her um die Einreise zeigt aber auch die Suche nach dem “Richtigen” Weg für die Zukunft. Diese Suche ist hart, aber wird produktive Ergebnisse herbeiführen. Trumps-Prinzip ist: America first und nicht Silicon Valley first. Mein Eindruck, bis zur de jure Rücknahme des Einreiseverbots war, dass die Dinge in den USA nicht so heiß diskutiert werden, wie sie bei uns dargestellt werden.

Die gute Nachricht zum Schluß: Amerika wird wieder eine Lokomotive der Weltwirtschaft werden. Ob mit UK, Russland oder am Ende auch mit China, es wird Deals geben und auch das Valley wird sich arrangieren.

Die schlechte Nachricht: wer nicht mitmacht oder zu sehr nervt (Deutschland) wird aus diesem Netzwerk herausfallen und ist gut beraten eigene Vorsorge und eigene Wirtschafts-Netzwerke zu bilden.

Amerika und das Valley werden prosperieren, weil sie es wollen und können !

PS: Dank an die Österreichische Außenwirtschaft, die eine sehr informative Reise an die Hotspots des Valley hervorragend organisiert hat. 

Gastbeitrag von: Jürgen Popp, CEO CaPaNi Capital AG, www.capani.at

Wertpapier: Alphabet (A), SAP


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