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Forex-Report Risikoaversion nimmt zu ...

Gastautor: Folker Hellmeyer
08.02.2017, 14:39  |  1768   |   |   

Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.0697 (08.04 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.0691 im heutigen frühen europäischen Handel markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 111.82. In der Folge notiert EUR-JPY bei 119.60. EUR-CHF oszilliert bei 1.0647.

 

Risikoaversion nimmt an den Märkten zu.

Sie wird über zwei Kanäle in den Markt induziert. Einerseits schürt man die Unsicherheit bezüglich der Wahlen in Frankreich. Trommelwirbel um Fillon und Marie Le Pen steht auf dem Menü, das der Markt verarbeiten soll. Hinsichtlich der verbesserten Konjunkturlage in Frankreich darf Zuversicht obwalten, dass Marie Le Pen nur den ersten Wahlgang für sich entscheiden wird. Der zweite, der entscheidende Wahlgang wird mit hoher Wahrscheinlichkeit von Fillon, sofern er den aktuellen Sturm übersteht, oder von Macron gewonnen. Der zweite Katalysator der zunehmenden Risikoaversion ist Trumps Politik. Erst war seine Wahl Grundlage für neue historische Höchstmarken an US-Aktienmärkten, nun ist er Katalysator für mehr Risikoaversion. Marktteilnehmer wechseln bisweilen ihre ach so modisch akzentuierten Hemdchen.

Die Wirtschaftsdaten auf globaler Ebene implizieren eine leicht zunehmende Dynamik. Das ist an sich entscheidend. Daran hängen die Cash-Flows, die ja laut Textbuch an den Märkten diskontiert werden sollen – gut, das ist dann schon wieder zu sehr „Old School“, ja, das sind alte Hüte, ignorieren Sie diese Einlassung …

 

Mario Draghi meldete sich zu Wort. Er nahm den auch hier gestern thematisierten Gedanken des Europas der zwei Geschwindigkeiten auf und zeigte sich irritiert, da er nicht wüsste, wie ein Europa der zwei Geschwindigkeiten sich entwickeln soll. Wir stehen für ein Gespräch zur Verfügung.

Draghi betonte, dass die EZB kein Währungsmanipulator sei. Das mag in der engen Definition stimmen, aber Zinspolitik hat eben auch eine entscheidende Wirkung an Währungsmärkten und Negativzinsen bei gleichzeitig dem höchsten Wachstumsclip der Eurozone seit 2010/201, der dank Einkommenbasierung auch noch eine Spitzenqualität hat, werfen nebst geringster Arbeitslosenquote seit 2009 (!) nicht nur in Washington, sondern auch in Bremen Fragen auf.

Heute früh enttäuschten die deutschen Daten zur Industrieproduktion. Unerwartet sank die Industrieproduktion um 3,0% im Monatsvergleich per Dezember. Die Prognose lag bei +0,3%. Der Vormonatswert wurde von +0,4% auf +0,5% revidiert. Wir bleiben entspannt. Der abzuarbeitende hohe Auftragsbestand erlaubt keine Trendwende im Produktionsprozess.

Auch nachfolgender Chart belegt das grundsätzlich hohe aktuelle Indexniveau der Produktion.

Der Sentix-Index der Eurozone kam per Februar ausgehend von hohem Niveau den Erwartungen entsprechend unter leichten Druck. Der Index sank von zuvor 18,2 auf 17,4 Punkte. 

Achten Sie bitte auf den Luftverkehr. Die Falken (politisch) machen wieder potente Flugversuche …. Der britische Außenminister Johnson und die EU-Außenbeauftragte Mogherini betonten, dass die EU an den Sanktionen gegenüber Russland festhalte. 
 
Hält sich die Ukraine an irgendetwas Frau Mogherini, was mit Minsk II zu tun hat? Ist man diesbezüglich nicht sehr einäugig unterwegs, so wie die OSZE im Donbass? Diesbezüglich, wer hat die jüngste Aggression in Donezk gestartet, wo wird gekämpft? Erfüllt die Ukraine die demokratischen Voraussetzungen für die EU-Assoziierung? Erfüllt die Ukraine die Bedingungen für die fortgesetzte finanzielle Alimentierung? Werden russischstämmige Ukrainer im eigenen Land diskriminiert (hier gibt es Antidiskriminierungsgesetze!)? Wieviel Korruption ist man in der EU gewillt, fortgesetzt zu alimentieren und wie kann man das vor den eigenen Bürgern der EU rechtfertigen?  Stellt man sich diesen Fragen in Brüssel, London und Berlin?  Friede ernährt – Unfriede verzehrt! 
 
Aktuell ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Erst ein Unterschreiten des Unterstützungsniveaus bei 1.0350-1.0320 dreht den Bias zu Gunsten des USD. 
 
Viel Erfolg! 

Themen: Euro, USD, Europa


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Folker Hellmeyer begann seine Karriere bei der Deutschen Bank im Devisenhandel in Hamburg und London. Seit 1995 ist Hellmeyer im Landesbankensektor tätig. 1997 begann seine Karriere als Chefanalyst bei der Helaba, die er ab 2002 bei der Bremer Landesbank fortsetzte. Die Analysen Hellmeyers bewegen sich häufig außerhalb des Mainstreams. Sie sind regelmäßig nicht politisch korrekt. Die großen Wendungen in Ökonomie und Märkten hat Hellmeyer zumeist im Vorwege erkannt und thematisiert (u.a. im Buch „Endlich Klartext“).

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