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Indische Würze für das Depot - Nach Reformen bietet die Börse enormes Potential

Gastautor: Guido vom Schemm
08.02.2017, 08:46  |  554   |   |   

Wirtschaftliche Schlagzeilen machte Indien zuletzt vor allem aufgrund der Bargeldreform, die ein temporäres Chaos auslöste. Doch Investoren sollten sich den Subkontinent nochmals genauer anschauen, denn Indiens Börse bietet enormes Potential.

Anfang November hatte die Regierung um Präsident Modi praktisch ohne Vorwarnung alle Geldscheine im Wert von umgerechnet mehr als 1,37 Euro für ungültig erklärt - mehr als 80 Prozent des im Umlauf befindlichen Bargelds. Der überraschende Schritt stürzte Teile der indischen Wirtschaft in eine Krise, da eine Vielzahl aller Geschäfte bar abgeschlossen wird. Über Wochen mussten zahlreiche Inder stundenlang an Bankautomaten warten, um endlich wieder mit Bargeld versorgt zu sein. Besonders die ärmere Bevölkerung und Landwirte, welche oftmals nicht über ein Konto oder eine Kreditkarte verfügen, waren die Leidtragenden.

Doch nun geht es wieder aufwärts. Die Regierung des Landes sieht im ersten Haushalt nach der radikalen Bargeldreform deutlich mehr Geld zur Unterstützung armer Landwirte vor. Die Ausgaben für Infrastruktur wurden auf mehr als 54 Milliarden Euro massiv angehoben - ein Zuwachs von fast 80 Prozent. Auch erhält ein gigantisches Programm zur Arbeitsbeschaffung für die Landbevölkerung deutlich mehr Geld. Neben Maßnahmen für die Landbevölkerung wolle die Regierung auch Auslandsinvestitionen weiter erleichtern.

Zudem wird die einheitliche nationale Steuer auf Güter und Dienstleistungen bis April 2017 umgesetzt. Indien werde aus dieser bahnbrechenden Reform voraussichtlich erheblichen und weitreichenden Nutzen ziehen. Die Überführung der unterschiedlichen Regelungen für Steuern in den einzelnen indischen Bundesstaaten in ein einheitliches Steuersystem erhöht die Einnahmen der Zentralregierung und treibt den Wirtschaftsfortschritt beträchtlich voran, da die Logistikkosten der Unternehmen deutlich gesenkt und die Effizienz erheblich gesteigert werden kann. Zusammengenommen würden diese Maßnahmen das Steuereinkommen des Staates deutlich erhöhen, was wiederum zusätzlichen Spielraum für Subventionen ermöglicht.

Mittelfristig bietet der indische Aktienmarkt Anlegern nach wie vor große Chancen. Indien lockt mit zahlreichen Positivfaktoren wie hohen Wachstumraten, einer jungen Bevölkerung und einem wachsenden Binnenmarkt. Während der tiefe Ölpreis aktuell ein Segen für Indien ist, könnte bei einem Sprung über 60 Dollar pro Fass die Importrechnung wieder teurer werden.

In den letzten Jahren profitierten vor allem die IT- und Telekomunternehmen in Indien. Doch auch hier hat ein Wandel stattgefunden. Die Branche leidet unter der schwachen Weltkonjunktur. Aktuell liegt das wahre, längerfristige Potential in der Binnenwirtschaft und der wachsenden Mittelklasse Indiens. Heute gibt es in Indien zahlreiche innovative, hochwertige Unternehmen, die bereit sind, auf die wachsenden Bedürfnisse der indischen Verbraucher einzugehen. Das Spektrum reicht von inländischen Fluggesellschaften, die den anhaltenden explosionsartigen steigenden Bedarf an Flugreisen decken können, bis hin zu innovativen Pharmaunternehmen, die zu ihren eigenen Bedingungen mit globalen Marken in den Wettbewerb eintreten.

Anleger, die am Trend verdienen wollen, sollten börsengehandelte Fonds, die einen indischen Aktienindex abbilden, oder erfolgreiche, aktiv gemanagte Fonds kaufen. Anleger sollten aber nur dann investieren, wenn sie auch eine gewisse Risikobereitschaft und einen Anlagehorizont von mindestens drei Jahren mitbringen. Wer jedoch den Mut aufbringt, auf den Subkontinent zu setzen und auch Schwächephasen auszuhalten, hat durchaus Chancen auf eine ansehnliche Wertentwicklung.

 

 



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Guido vom Schemm ist Geschäftsführer der GVS Financial Solutions GmbH in Dreieich. Der studierte Betriebswirt verfügt über elf Jahre Berufserfahrung in der Finanzindustrie, davon je zwei Jahre als Aktienanalyst bei der Cominvest GmbH/ Cominvest Asia und als Vorstandassistent bei der Commerzbank AG sowie drei Jahre als leitender Direktor einer großen Wertpapierspezialisteneinheit der Commerzbank AG. Weitere Informationen unter www.gvs-fs.de.

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