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Value-Experte „Jedes Portfolio braucht einen Stürmer“

09.02.2017, 13:41  |  770   |   |   

Felix Schleicher managt seit sieben Jahren den MMT Global Value. Im Interview erklärt er, wieso Anleger das Thema Value auf dem Schirm haben sollten und was er aus seiner gemeinsamen Zeit mit André Kostolany gelernt hat.

FundResearch: Warum hat das Thema Value in letzter Zeit nicht funktioniert?

Felix Schleicher: Von 2006 bis Anfang 2016 hat der Value-Ansatz eine Schwächephase erlebt. Indizes wurden vor allem durch bekannte und große Titel, wie Facebook und Amazon, in die Höhe getrieben. Das hat vor allem ETFs beliebt gemacht. Wieso soll man sich als Anleger auch in mühevoller Arbeit den passenden Fonds aussuchen, wenn es doch scheinbar so einfach ist? Seit Februar 2016 scheint sich dies nun zu ändern. Schließlich sind die Kursentwicklungen der vergangenen Jahre bei vielen Aktien auch oft lediglich auf Bewertungsausweitungen und nicht auf eine tatsächliche Gewinnentwicklung zurückzuführen.

FundResearch: Warum ist Value gerade jetzt so attraktiv?

Felix Schleicher: Aktuell bietet sich eine Einstiegschance, die wir so in den vergangenen 80 Jahren nur zwei Mal gesehen haben – 1939 und 2000. In den vergangenen zehn Monaten hat die Performance von Value-Aktien erst an der Oberfläche gekratzt. Mit unseren MMT Global Value-Fonds (ISIN: LU0346639395) befinden wir uns dabei in einer sehr guten Ausgangslage. 

FundResearch: Wie grenzt sich der Fonds von seinen Mitstreitern ab?

Felix Schleicher: Value ist nicht gleich Value. Wir achten nicht einfach nur auf Kennzahlen. Für uns ist das Thema Qualität entscheidend. Werden Qualitätstitel vergleichsweise günstig, greifen wir zu. Unser Universum umfasst rund 150 Aktien weltweit. Dabei konzentrieren wir uns auf etablierte Unternehmen, die über eine lange Historie verfügen. Solche Unternehmen können sie qualitativ besser bewerten. Jedoch landen nur 30 Titel letztendlich im Portfolio. Ein gutes Beispiel war zuletzt die Pharmabranche: Einige Aussagen von Hillary Clinton haben Anleger an diesen Titeln zweifeln lassen. Der Bereich wurde unpopulär – und wir haben unsere Chance genutzt. Oder nehmen sie den Automobilsektor: Die Zahlen sind gut. Nach wir vor werden Autos gebraucht und gekauft. Allein in den USA liegt das Durchschnittsalter eines PKW bei 11,5 Jahren, das ist Rekord. Trotzdem ist die Branche bei den Anlegern unbeliebt. Was kurzfristig gemieden wird, langfristig aber Potenzial bietet, das ist für uns interessant. 

FundResearch: Wovon sollten Anleger derzeit die Finger lassen?

Felix Schleicher: Wenn Ihnen beim Stammtisch ein Investment empfohlen wird, lassen sie die Finger davon. (grinst) Nein, ganz allgemein: Wenn alle derselben Meinung sind, wäre ich vorsichtig. 

FundResearch: Wieso ist der MMT Global Value ein Stürmer?

Felix Schleicher: Besonders die deutschen Anleger fürchten sich vor Volatilität. Dabei ist selbst eine Rendite von sieben bis acht Prozent ohne zwischenzeitliche Rücksetzer nicht möglich. Wer Rücksetzer vermeiden will, muss sehr viel Performance opfern. Das wollen wir nicht: Volatilität ist nicht unser Feind, sondern unser Freund. Über- und Untertreibungen des Marktes kann man ausnutzen und entsprechend verkaufen oder kaufen. Schwankungen sollte man also nicht nur akzeptieren – sondern auch nutzen. Das bedeutet aber auch, sich gegen die vorherrschende Meinung zu stellen. So etwas muss man aushalten können. Mit dem MMT Global Value bieten wir Anlegern also einen Stürmer für ihr Portfolio, während viele Fonds in Deutschland sich eher als Verteidiger oder Mittelfeldspieler präsentieren. Wir glauben aber auch, dass jede Fußballmannschaft einen Stürmer braucht. Immerhin, unser Value-Ansatz hat seit 1999 ein Plus von 267 Prozent erwirtschaftet. 

FundResearch: Sie haben lange Altmeister André Kostolany begleitet und beobachten können: Hatte er ein Geheimrezept? 

Felix Schleicher: Kostolany hat vor allem das unabhängige Denken gepredigt. Dazu gehört auch Mut und die Bereitschaft, vorübergehend schief zu liegen. Schließlich ist es nicht leicht, sich nicht von der Herde mitreißen zu lassen.



(TL)



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