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Notizen zum Aktienmarkt 3 Aspekte von Donald Trump die Sie kennen sollten

Gastautor: Dr. Georg Oehm
13.02.2017, 15:47  |  856   |   |   

Schumpeter, der Starke Adolf und das Aufbauen von Neuem haben im Zusammenhang mit Trump besondere Bedeutung.

Donald Trump füllt die Gazetten, erschüttert das Establishment und versetzt die Gutmenschen aller Länder in Angst und Schrecken. Folgende drei Aspekte sollten Sie bei der Beurteilung der Situation nicht außer Acht lassen:

 

1.
Schumpeter
Der Österreichische Ökonom Joseph Schumpeter wurde weltberühmt durch die Beschreibung des Prozesses der "schöpferischen Zerstörung". Diese gehört untrennbar dazu, wenn etwas Neues entsteht. Was Schumpeter für die Wirtschaft beschrieb und dort oft im Verborgenen abläuft, erlebt die Öffentlichkeit jetzt im Öffentlichen Sektor live mit.

Aber:
Was haben Sie eigentlich erwartet, wenn der Hauptdarsteller und Produzent der erfolgreichsten "Rausschmeissshow" (The Apprentice) im US-Fernsehen Präsident wird? Die Show ist für ihn so wichtig, dass er trotz Präsidentschaft Produzent der Show bleibt. Sein Immobiliengeschäft hat er auf Zeit an seine Kinder übergeben. Das steht wohl nur an zweiter Stelle.

Mit den Begrifflichkeiten der Baustelle kann man auch sagen: Donald - die Abrissbirne. Seine besondere Fähigkeit besteht im Moment darin, Dinge in Frage zu stellen, die als unantastbar galten und Personen herauszufordern, die eigentlich dachten, ihre Pfründe wären schon im Trockenen.

Nehmen Sie nur das Beispiel NATO.
Dass die Europäer seit langer Zeit auf dem Trittbrett fahren, indem Sie sich zwar beschützen lassen, die Rechnung dafür aber andere zahlen lassen, ist ja nicht neu. Geändert hat sich die Art des Hinweises. Die Kommunikation erinnert an einen Gerichtsvollzieher und hat nichts von den geschliffenen Umgangsformen der gerade in Europa so geschätzten Diplomatie . Trump tanzt aber auch nicht so lange um den heißen Brei herum wie viele andere Politiker - manche finden das erfrischend.

Zur Zeit macht Trump einfach nur dass, was jeder macht, dem seine Telefonkosten zu hoch sind. Erstmal alle Verträge kündigen und dann auf ein verbessertes Angebot warten. Besser als das Standardangebot im Laden ist das immer und bei Handelsabkommen ist das vielleicht auch nicht anders. Das Gesetz der Straße, würde man wohl in Hollywood sagen. "The art of the deal" nennt Trump das in seinem Bestseller aus den 80ern. Auf deutsch wohl eher: Holzhammermethode. Florett geht anders.

 

 

2.
Der starke Adolf

Das bockige Kind im Weißen Haus, das alle herumkommandiert und dauernd Bestätigung braucht, wie toll es ist, stößt irgendwann natürlich auch an seine Grenzen. Die werden von Personen aufgezeigt, die wir heute vielleicht noch gar nicht kennen. Einen Vorgeschmack gab vorgestern Steve Forbes - ja, der mit dem Magazin - der darauf hinwies, dass die Border Tax eine Schnapsidee sei, weil sie die amerikanischen Konsumenten Tausende von Milliarden Dollar kosten würde. Und während ich diese Notizen schreibe, meldet Bloomberg, dass Trump offensichtlich schon Hinweise von seinem Außenminister bekommen hat und - im Unterschied zu seinen vorherigen Tweets - die One-China-Politik im Telefonat mit Xi als akzeptabel eingestuft hat.

Können Sie sich noch an den starken Adolf erinnern? Er wurde auf der Kirmes angepriesen als stärkster Mann der Welt. Und dann kam Pippi Langstrumpf. Den Rest kennen Sie.

Die amerikanischen Western erzählen es so ähnlich. Je lauter ein Revolverschütze herumposaunt, wie gut und schnell er schiesst, um so gefährlicher wird es für ihn. Am Ende reicht einer, der einmal schneller ist und das war's - once upon a time in the west.

Aber unterschätzen Sie Trump und Bannon nicht. Beide sind nicht nur in New York, sondern auch in Hollywood erfolgreich gewesen und das ist und bleibt das wahrscheinlich härteste Geschäft der Welt! Es lässt tief blicken, dass der Rechtsausleger Bannon heute das meiste Geld mit Lizenzen aus der eher linksliberalen TV-Serie Seinfeld verdient.

 

3.
Aufbauen
Dass der Abrissunternehmer auch das Haus baut kommt sicher vor, der Standardfall ist es aber nicht. Deshalb kann es schnell vorbei sein, mit der neuen Herrlichkeit. Entweder zähes Klein-klein, High Noon oder Pragmatik. Stellen Sie sich nur vor, die Milliardäre erklären im Küchenkabinett, dass die Border Tax Unsinn ist und stellen Trump vor die Wahl, entweder die Steuer so unempfindlich zu machen, dass sie nicht schadet oder sie gleich ganz abzusagen. Würden Sie sich wundern, wenn Trump tweetet, er habe es sich anders überlegt? (Bei China ist es wohl gerade passiert)

Die Erfolgswelle hält nicht ewig. Dass Konzernchefs sich jetzt fühlen wie bei der Oscarverleihung, wenn sie im Oval Office bekannt geben, was für neue Fabriken sie bauen, ist das eine. Andererseits kommt die Schwerkraft der harten Realität schneller, als Trump lieb sein wird.

Die Redakteure im amerikanischen Börsenfernsehen konnten sich diese Woche einige Anmerkungen nicht verkneifen. Der in dieser Woche beispielsweise vom Intel CEO angekündigte Neubau einer Fabrik für US$ 7 Mrd. ist nicht neu. Die gleiche Fabrik hatte Intel Obama bei Amtsantritt auch versprochen. Damals sollte die Fabrik US$ 5 Mrd. kosten. Intel sei auch das Unternehmen im Silicon Valley gewesen, dass im Wahlkampf den Größten Abstand zu Trump hatte, wurde dann noch süffisant hinzugefügt. Wenn das mal kein Danaergeschenk ist - Trojanische Pferde gibt es ja immer wieder und den Odysseus haben in Kalifornien ziemlich viele genau studiert.

Es wird sich noch zeigen, aus welchem Holz Trump geschnitzt ist. Sicher ist er ein 'would be dictator', der von morgens bis abends überlegt, wie er die Gewaltenteilung aus den Angeln heben kann, weil das für seine Eitelkeit das Beste wäre. Was ist schon Geld, wenn man die meiste Macht hat. Ich setze da aber auf die Stabilität der Institutionen in den USA (Alexis de Tocqueville) und bete, dass ich mich nicht irre.

Viel wahrscheinlicher ist doch,
dass Trump pragmatisch wird. Am Ende hat er seine Hochhäuser, Hotels und Golfplätze gebaut. Business-feindlich ist das grundsätzlich nicht. Ich rechne eher damit, dass er Dinge tut, die er immer gemacht hat. Dealen, Schulden aufnehmen und versuchen, jede einzelne Verhandlung für sich zum Vorteil hin zu wenden. Vielleicht werden US-Staatsanleihen eher auf Junk herabgestuft, als so mancher erwartet. Damit kennt sich Trump jedenfalls aus. So viele Schulden zu machen wie möglich ist ja bei zahlreichen Immobilienentwicklern fester Bestandteil des Geschäftsmodells. Eine gute Nachricht für den Dollar wäre das mittelfristig sicher nicht. Aber ein Grund, jetzt die Aktienquote signifikant zu reduzieren ist es auch nicht.

Im Moment ist mein Eindruck,
dass alle Gespräche über Aktien sich darum drehen, dass diese zu teuer sind und man deshalb vorsichtig sein müsse (also nicht so viele davon hat). Das ist die Wall of Worry. Die klassische Situation, in der Aktien steigen. Besser wird's nicht! Und nur weil Europa derzeit billiger ist, heißt dass nicht, dass US-Aktien fallen. Aber wenn der Anstieg der Aktien in den USA weiter geht, kann es durchaus so sein, wie seit einigen Monaten: dass Europäische Aktien stärker steigen als solche aus Amerika.

Wenn die Vollkatastrophe in Europa ausbleibt und der Untergang der EU, des Euro und des gesamten Abendlandes doch noch abgesagt wird, dann sollten Sie übrigens europäische Aktien haben - und das nicht zu knapp. Es sieht danach aus, dass es vielleicht noch eine politisch bedingte Korrektur im Frühjahr in Europa geben könnte, aber auf Sicht Ende des Jahres 2017 spricht derzeit alles dafür, dass die Aktien gerade in Europa per Saldo steigen werden.Und dass, weil es einfach erheblichen Nachholbedarf in Europa gibt. Das politische Getöse hat sicher seine Berechtigung, aber wir kaufen ja Aktien, weil Unternehmen keine Volkswirtschaften sind!

ETF-Käufer machen das bekanntlich anders, aber schauen Sie auf den Chart unten. Der zeigt, dass der Stockpicking-Markt schon seit längerem auf vollen Touren läuft und wir deshalb mit unserem Ansatz (www.Mellinckrodt.lu) eine signifikante Outperformance gegenüber allen relevanten Indizes erzielen konnten. Der Chart ist übrigens nach Gebühren für das aktive Management bei uns und einschließlich der ETF-Gebühren. Die meisten Vergleich erfolgen immer mit dem Index. Den kann man so aber nicht kaufen und es hat den Vorteil für die ETF-Anbieter, dass die ETF-Gebühren elegant unter den Tisch fallen.

Volkswirtschaftszertifikate (bisher ETF genannt) werden es in der Zukunft immer schwerer haben.

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Dr. Georg Oehm arbeitet seit seiner Banklehre Mitte der 80er Jahre in Frankfurt "rund um die Börse". Nicht nur die Diplomarbeit über den Kurssturz 1987 und seine Promotion über den Rohstoffhandel von Kupfer hatten mit der Börse zu tun. Auch Unternehmenskäufe, Verkäufe und die Begleitung von IPOs gehörten zu seinen Tätigkeiten.

Seit 2008 bei Mellinckrodt aktiv ist er heute Verwaltungsrat der Mellinckrodt 2 SICAV in Luxemburg, die mit Mellinckrodt German Opportunities einen UCITS-Fonds anbietet, der einen Private Equity-Ansatz nutzt, um Anleger vor den Fallstricken der Behavioural Finance zu schützen.

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