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Flucht auf den Kontinent In Großbritannien zeichnet sich schon jetzt eine gewaltige Personallücke ab

14.02.2017, 15:16  |  2749   |   |   

Als wäre der aktuelle Firmenexodus in Großbritannien nicht schon schlimm genug, nehmen nun auch viele Geringqualifizierte in ihre Beine in die Hand und machen sich auf den Weg in Richtung EU. Das hinterlässt vor allem Spuren in jenen Branchen, für die sich die meisten Briten mittlerweile zu schade sind.

Eine Überraschung ist es nicht, eine Ironie des Schicksals schon. Wie eine neue Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts CIPD darlegt, müssen sich die Briten demnächst schnell etwas einfallen lassen, um mit dem wachsenden Fachkräftemangel in den Bereichen Groß- und Einzelhandel, Hotellerie, Gastronomie sowie Gesundheits- und Sozialwesen zurechtzukommen. Denn das sind Segmente, in denen traditionell eher EU-Ausländer, häufig zum Beispiel mit polnischen oder estländischen Wurzeln, beschäftigt sind. 

Weil sich viele Briten nun aber gleichzeitig durch die damit einhergehenden Migrationsbewegungen auf ihre Insel extrem gestört fühlen, entschieden sie sich im Juni letzten Jahres, ihre Mitgliedschaft zur EU aufzukündigen. Zwar wollen sie weiterhin die Annehmlichkeiten des Binnenmarktzugangs genießen. Die als absolute Zumutung empfundene Personenfreizügigkeit soll aber schon bald der Vergangenheit angehören.

Ganz abgesehen von der zunehmenden Gewalt gegenüber Ausländern (laut offiziellen Polizeistatistiken ist die Zahl rassistisch oder religiös motivierter Übergriffe in Großbritannien allein im Juli letzten Jahres um 41 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen, siehe z. B. "FAZ") dürfte die Aussicht auf noch größere Hürden bezüglich Ein- und Ausreise bei zahlreichen EU-Ausländern für wachsendes Heimweh gesorgt haben. Der besagten Studie zufolge habe nämlich von insgesamt 1.000 Unternehmen mehr als jedes Vierte angegeben, Hinweise dafür zu haben, dass seine aus dem EU-Ausland stammenden Mitarbeiter dieses Jahr die Firma und möglicherweise auch gleich das Land verlassen wollen.

Schon jetzt sind laut der britischen Statistikbehörde ONS 748.000 Stellen unbesetzt - so viel, wie niemals zuvor. Auch habe sich der Zuwachs an Fachkräften, die aus dem EU-Ausland stammen, im dritten Quartal 2016 - also unmittelbar nach dem Brexit - fast halbiert. "Wenn sich der Fachkräftemangel fortsetzt, gibt es das Risiko, dass viele Stellen unbesetzt bleiben, was die britische Wirtschaft wiederum langfristig ausbremsen könnte", sagte Gerwyn Davies vom CIPD. 

Nicht ohne Grund wurde Theresa May erst im Januar von der sogenannten 3Million-Group, einer gemeinnützigen Interessengruppe für in Großbritannien arbeitende EU-Bürger, dazu aufgefordert, für mehr Klarheit im Brexit-Verhandlungsprozess zu sorgen. Es sei "extrem enttäuschend", dass die Premierministerin in ihrer damaligen Rede nicht die Chance dazu ergriffen habe, EU-Ausländern eine Garantie dafür auszusprechen, dass sie sich auch in Zukunft rechtmäßig im Königreich aufhälten dürfen, so das Argument ("The Independent"). In ihrer Rede hatte May lediglich gesagt, dass sie hoffe, darüber so bald wie möglich verhandeln zu können. 

 



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Kommentare

Na das stimmt doch was nicht, wo sind die Wähler die rumgebrüllt haben man nehme ihn die Arbeit weg ?
Die können doch jetzt den Besen in die Hand nehmen, oder beim Tante Emma Laden verkaufen.
Ich drücke die Daumen das die noch viel mehr Probleme bekommen.

Jede negative Nachricht ist eine Schöne Nachricht aus England. !

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