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Unglaublich, wie viel Geld Ford Motor Company auf der hohen Kante hat

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
16.02.2017, 14:00  |  723   |   |   

27,5 Milliarden US-Dollar. Ich sage es noch einmal: 27,5 Milliarden Dollar. Das ist die Barposition, die Ford Motor Company (WKN:502391) am 31. Dezember auf der hohen Kante liegen hatte. Aber das ist noch nicht alles. Zusätzlich zu diesem riesigen Geldberg hatte Ford noch weitere 10,8 Milliarden US-Dollar an verfügbaren, jedoch nicht ausgenutzten Krediten. Das erhöht die Gesamtliquidität des Unternehmens auf insgesamt 38,3 Milliarden US-Dollar.

Um eines mal klar zu machen: Es handelt sich dabei nicht einfach um irgendeine Zahl von der unternehmenseigenen Bank mit dem Namen Ford Credit. Das sind Barmittel und marktgängige Wertpapiere, die das Kerngeschäft Automobilbau zur Verfügung hat. Das ist jede Menge Geld und es liegt da einfach nur rum.

Warum gibt Ford das Geld nicht für neue Produkte aus oder investiert in ein großes Aktienrückkaufprogramm, oder zahlt einfach nur fettere Dividenden? Warum schreien die Aktionäre von Ford nicht und verlangen, dass das Unternehmen etwas damit macht?

Es stellt sich heraus, dass es einen sehr guten Grund dafür gibt, dass Ford so viel Geld unterm Kopfkissen hat.

Viele Autobauer sitzen auf jeder Menge Geld

Ford ist nicht der einzige Autobauer, der auf einem riesigen Geldhaufen sitzt. Weit gefehlt. Ford ist ziemlich groß, aber die meisten großen Autobauer haben 15 Milliarden US-Dollar oder mehr auf die Seite gelegt. General Motors (WKN:A1C9CM) hatte am 31. Dezember 21,6 Milliarden US-Dollar, Fiat Chrysler Automobiles (WKN:A12CBU) hatte 18,4 Milliarden und Honda Motor (WKN:853226) 15 Milliarden US-Dollar. Du siehst, worauf ich hinaus will. Abgesehen davon haben die Autobauer genau wie Ford jede Menge Kredite zur Verfügung, die sie nicht angreifen. Das sind oft noch einmal 8 Milliarden US-Dollar oder mehr.

Aber warum? Einfach gesprochen sind das Mittel für schlechte Zeiten. Diese sind so groß, denn wenn es im Autogeschäft mal regnet, dann gießt es wie aus Eimern.

Die Autoverkäufe sind ein zyklisches Geschäft. Sie steigen und fallen mit wirtschaftlichen Zyklen oder mit dem Verbrauchervertrauen. Denk einmal darüber nach. Wenn die Kunden oder die Unternehmen in Bezug auf ihre Einnahmen unsicher sind, dann geben sie weniger aus. Sie werden dann auf keinen Fall neue Autos oder LKWs kaufen, es sei denn, sie brauchen diese wirklich sehr dringend.

Die Zeiten waren gut. Die starken Verkäufe bei den Pickups haben Ford große Gewinne eingebracht und damit jede Menge Geld für schlechte Zeiten. Bildquelle: Ford Motor Company.

Im letzten Jahr haben die Amerikaner 17,6 Millionen Leichtfahrzeuge gekauft. Damit sind PKWs, SUVs und Pickup-Trucks gemeint. Das war zwar ein Rekordwert, aber es war nur ein bisschen mehr als im Vorjahr und nicht deutlich mehr als das Niveau, das wir schon in den guten Jahren vor 2008, also vor der Wirtschaftskrise gesehen haben. So verhält der Markt für Neufahrzeuge in den USA also, wenn die Zeiten gut sind.

Wenn die Zeiten aber nicht gut sind, dann brechen die Umsätze ein. Natürlich nicht auf Null oder auch irgendwo in die Nähe, aber deutlich gen Null. 2009 hatten wir den Tiefpunkte des letzten Zyklus gesehen. Die Amerikaner haben nur 10,4 Millionen Leichtfahrzeuge gekauft.

Das klingt immer noch nach sehr viel. Eines sollte man dabei aber nicht vergessen: Für Ford ist der Unterschied zwischen 17 Millionen pro Jahr und 10,4 Millionen pro Jahr der Unterschied zwischen einem wirklich profitablen Quartal und einem Quartal, bei dem man im besten Fall Kostendeckung erreicht.

Warum Ford weiter Geld ausgeben muss

Ford sagt, man wird Kostendeckung erreichen oder profitabel arbeiten, solange die amerikanischen Autoverkäufe bei über 10,5 Millionen pro Jahr bleiben. Darunter verliert das Unternehmen Geld. Ford hält etwa 15 % des amerikanischen Marktes, daher muss das Unternehmen etwa 1,57 Millionen Ford- und Lincoln-Fahrzeuge verkaufen, bloß um Kostendeckung zu erreichen. Ford verkauft seine Fahrzeuge auf der ganzen Welt, doch den Großteil der Gewinne liefert der amerikanische Markt.

Ford Mustang in einem Werk in Flat Rock, Michigan. Bildquelle: Ford Motor Company.

Aber warum muss das Unternehmen so viele Autos und LKWs verkaufen, bloß um Kostendeckung zu erreichen? Autounternehmen wie Ford haben hohe Fixkosten. Im Fall von Ford muss das Unternehmen 62 Werke auf der ganzen Welt unterhalten, die voll teurer Anlagen sind, für die bezahlt werden muss – egal, ob die Werke produzieren oder nicht.

Die Faustregel in der Autoindustrie lautet, dass ein Autowerk nur dann profitabel ist, wenn es mit mindestens 80 % seiner Kapazität arbeitet, das entspricht der Anzahl an Fahrzeugen, die das Werk bei voller Auslastung mit zwei Schichten bei fünf Tagen pro Woche produzieren kann. Wenn das Werk unter Kapazität arbeitet, dann verliert es Geld.

Neue Produktentwicklungen sind nicht optional

Ford muss nicht nur für all diese Werke und all seine Angestellten (weltweit etwa 201.000) bezahlen, egal ob die Wirtschaft gerade boomt oder sich langsam entwickelt. Das Unternehmen muss auch in neue Produkte investieren, selbst wenn die Wirtschaft langsam ist und die Gewinne gering ausfallen.

Diese Investitionen sind riesig. Ein neues Fahrzeug kann 1 Milliarde Dollar oder sogar noch mehr kosten. Der Betrag wird sogar bedeutend höher, wenn dabei neue Motoren eingebaut werden. Die Kapitalausgaben von Ford erreichten im letzten Jahr 6,9 Milliarden US-Dollar und sollen 2017 bei etwa 7 Milliarden liegen.

Bei den Ausgaben zu sparen hätte große Konsequenzen. Denk doch an das letzte Mal, als du dich nach einem Neuwagen umgesehen hast. Die neusten Modelle sind meist die schönsten und auch die gefragtesten. Diejenigen, die aber schon seit längerer Zeit auf dem Markt sind, bekommt man in der Regel deutlich günstiger.

Diese Rabatte, auch Anreize genannt, sind nötig, um die Umsätze eines weniger wettbewerbsfähigen Produktes oben zu halten. Sie vermindern aber auch die Gewinne des Herstellers. Um wettbewerbsfähig zu bleiben und um die Gewinnmargen hoch zu halten, müssen die Autobauer ihre Produkte regelmäßig überarbeiten und durch neue ersetzen.

Anders ausgedrückt, Ford muss so viel ausgeben, nur um wettbewerbsfähig zu bleiben. Wenn das Unternehmen das nicht schafft, oder weniger ausgibt, um Geld zu sparen, dann wird es hinter seinen Wettbewerbern zurück bleiben. Diese werden frische neue Produkte haben, wenn die Wirtschaft wieder einen Aufschwung erlebt und die Käufer wieder zu den Autohändlern kommen.

Eine Lektion aus der Wirtschaftskrise

Viele Autobauer haben diese Lektion während der letzten Rezession auf die harte Tour gelernt – und zwar von Ford. Der damalige CEO Alan Mulally hatte die weise Voraussicht, sich 2006 über 20 Milliarden US-Dollar zu leihen, bevor die Wirtschaft einbrach. Ford gab dieses Geld aus, um eine Reihe deutlich verbesserter Produkte zu entwickeln, während die Rivalen die Ausgaben senken mussten, weil die Umsätze eingebrochene waren.

Erinnerst du dich noch, was das für eine große Sache war, als Ford zum ersten Mal den kompletten neuen Fusion im Jahr 2012 vorstellte? Bildquelle: Ford Model Company.

Diese Produkte bestanden aus komplett neuen Versionen des Focus, des Fusion, des Explorer und des Escape sowie noch größere Updates des F-150 und des Ford Mustang. Erinnerst du dich noch, wie beeindruckend diese neuen Modelle waren, als sie das erste Mal herauskamen? Zusammen erlaubten sie es Ford, Marktanteile zu gewinnen und jede Menge Neukäufer zu beeindrucken (und die Schulden wieder zurückzuzahlen). Gleichzeitig hatten die Konkurrenten wie General Motors, Honda und Toyota Probleme damit, diesen Vorsprung wieder aufzuholen.

Warum hat Ford also so viel Geld?

Warum wohl? Weil das Unternehmen vorbereitet sein möchte, um das während des nächsten Abschwung zu wiederholen. Und warum haben die Konkurrenten von Ford so viel Geld auf der hohen Kante? Weil sie ihre Lektion von Ford gelernt haben.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Ford. The Motley Fool empfiehlt General Motors.

Dieser Artikel wurde von John Rosevear auf Englisch verfasst und wurde am 12.02.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf fool.de veröffentlicht.

Wertpapier: Fiat Chrysler Automobiles, Ford Motor, Honda Giken Kogyo, General Motors


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