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Zinsen setzen Draghi unter Zugzwang

Gastautor: Daniel Saurenz
17.02.2017, 06:00  |  633   |   |   

Deutschland_KuhLetzte Woche haben wir uns die Entwicklung an den Anleihenmärkten angesehen und besonders einen Blick nach Frankreich und Italien geworfen. Wie könnte es in dem skizzierten Umfeld, in dem die Sorgen vor einem möglichen Auseinanderbrechen des Euro zunehmen, mit den deutschen Anleihen und damit den Zinsen weitergehen? 

Zumindest kurzfristig könnten Investoren weiter in deutsche Anleihen flüchten, woraufhin die Zinsen für zehnjährige Anleihen sinken würden. Im Gegenzug würde der Bund-Future steigen. Der Bund-Future ist ein Terminkontrakt, der sich auf eine fiktive, zehnjährige Bundesanleihe mit einem Kupon von sechs Prozent bezieht. Investoren könnten sich allerdings schon bald Sorgen machen, dass bei einem Auseinanderbrechen des Euro auch für Deutschland enorm viel auf dem Spiel steht, zumal Deutschland 25,72 Prozent des Kapitals der EZB hält.

Wenn sich die Sorge der Anleger vor einem Auseinanderbrechen des Euro verstärken würde, würden das vor allem die Target2-Salden widerspiegeln. So ist der Target2-Saldo der Bundesbank, also die Forderung gegenüber der EZB,  zuletzt mit 742,6 Mrd. Euro in die Nähe des Rekordhochs gestiegen. Hingegen hat Italien einen negativen Saldo, – also massive Verbindlichkeiten gegenüber der EZB -, der zuletzt auf den Rekord von 363,6 Mrd. Euro gestiegen ist, während der negative Saldo Spaniens bei 333,4 Mrd. Euro liegt.

Unsere Positionierungen vor dem Hintergrund des aktuellen Marktgeschehens, können Sie täglich in unserem Defensivdepot sowie Favoritendepot nachvollziehen. Weitere Produkt- und Anlageideen haben wir für Sie täglich aktuell in unserer ISIN-Liste aufgeführt.

 
EZB_FrankfurtWegen der zunehmenden Risiken wächst der Druck auf EZB-Chef Mario Draghi erheblich. Er hat zwar angekündigt, das Anleihenkaufprogramm im April von 80 Mrd. auf 60 Mrd. Euro zu drosseln. Draghi hat aber immer klar gesagt, dass er im Notfall das Programm jederzeit verlängern beziehungsweise aufstocken kann. Diese Erwartung der Investoren hat bislang verhindert, dass die Zinsen für Italien und Frankreich nicht viel stärker gestiegen sind.

Sollte der Anstieg aber erst einmal weitergehen, könnten Draghi und seine Kollegen zuerst einmal verbal intervenieren und signalisieren, dass sie jederzeit das Programm aufstocken könnten. Das sollte zumindest kurzfristig für eine kleine Entspannung der Lage sorgen. In diesem Umfeld könnten die Zinsen für deutsche Anleihen leicht sinken, woraufhin der Bund-Future sich erholen würde. Anleger sollten die Zinsen für französische und italienische Anleihen genau im Auge behalten. Sollten sie weiter steigen, könnte Draghi schon bald mit seiner Bazooka winken. Wie lange dieser Wink wirken wird, wird aber vor allem von den Wahlumfragen und schlussendlich vom Wahlausgang in Frankreich abhängen.

Ob sich Anleger im Moment eher aggressiv oder defensiv verhalten sollten,  und worauf man bei der Wahl seiner Strategie achten sollte, lesen Sie hier: Angriff oder Defensive – Das ist hier die Frage. Im Blog der Citi finden Sie darüber hinaus viele weitere spannende Analysen und Expertenmeinungen.



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