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Gentechnik Nach Patentstreit: US-Biotech-Aktie legt um 40 Prozent zu!

17.02.2017, 11:49  |  4888   |   |   

Sie haben die Lizenz zum Schöpfen - und könnten damit in der Theorie nicht nur Krankheiten wie Krebs, Aids und Hepatitis besiegen, sondern nebenbei noch das ein oder andere Designerbaby erzeugen. Die Rede ist von der US-Biotech-Firma Editas, deren Lizenzgeber gerade einen wichtigen Patentstreit für sich gewinnen konnte. Was folgte, war ein stattlicher Kurssprung von bis zu 40 Prozent.

Es sprengt das Verständnis eines jeden Normalbegabten und doch hat die sogenannte Crispr/Cas9-Technologie das Zeug dazu, die Welt zu verändern. Denn sie ermöglicht gezielte Eingriffe am menschlichen Erbgut, wodurch sich die Risiken von unheilbaren Krankheiten wie Krebs oder HIV noch vor der Geburt eines Menschen abwenden lassen. Natürlich könnten mit dieser Methode auch ganz andere Dinge vollbracht werden - zum Beispiel die Genstränge eines Embryos dahingehend "optimiert" werden, was gerade an Fähigkeiten so angesagt ist. Musikalität, Sprachgewandtheit oder doch lieber analytisches Denken? Die DNA des Wunschbabys belegt wie eine Wunschpizza... eine Frage der Ethik.

Mit diesem Aspekt hatte sich ein US-Patentgericht nun allerdings nicht beschäftigt. Vielmehr ging es um eine Frage, welche in deutschen Köpfen mittlerweile erstmal die Assoziation mit einem Schweizer Kräuterbonbon weckt: Wer hat's erfunden? Auf der einen Seite stand das Broad Institute, welches sowohl an der Harvard University als auch am Massachusetts Institute of Technolo­gy (MIT) in Cambridge ansässig ist. Auf der anderen Seite die University of California in Berkeley (UCB).

Obwohl Letztere mit ihrer Entdeckung des Prinzips eigentlich mehr als ein halbes Jahr vor dem Broad Institute auf den Plan trat und eine entsprechende Publikation veröffentlicht hatte, entschied das Gericht zugunsten von Broad. Denn dessen Leute hatten laut dem "Tagesanzeiger" nach der eigenen Patentanmeldung eine Gebühr für ein beschleunigtes Verfahren bezahlt - das Schutzrecht wurde ihnen somit schon 2014 zugesprochen. Die UCB wartet heute noch. 

Die Entscheidung des Gerichts, dass das Broad Institute sein Patent behalten darf, ist zwar nur eine Vorläufige. Dennoch sorgte sie für enormen Wirbel an der Börse: Innerhalb von zwei Tagen nach der Urteilsverkündung schnellte die Aktie der Biotech-Firma Editas, welche sich die Crispr-Methode von Broad schon früh hat lizenzieren lassen, um rund 40 Prozent in die Höhe. 

Editas Medicine - 5-Tages-Chart

Klar, die revolutionäre Gentechnologie ist ein potentielles Milliardengeschäft. Sie wird nicht nur in der Medizin eine wichtige Rolle spielen, sondern auch in der Nahrungsmittelindustrie. „Das ist das günstigste Ergebnis für Editas", glaubt deshalb Gena Wang, Expertin der Investmentbank Jefferies ("Frankfurter Allgemeine"). „Es scheint ein entscheidender Sieg für das Broad Institute zu sein“, kommentierte auch Jacob Sherkow, Professor an der New York Law School, das Urteil gegenüber der „New York Times“

Verlierer sind übrigens die beiden Unternehmen Crispr Therapeutics und Intellia Therapeutics. Sie hatten auf das Patent der UCB-Forscher gesetzt - ihre Papiere verloren zeitweise bis zu 20 Prozent an Wert. 

 

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Der Autor hat offenbar nur oberflächlich recherchiert. Für Editas ist das wahrhaftig kein Sieg. Eine Patentrecht-Koryphäe von Harvard geht davon aus, dass Editas zusätzlich UCB-Patente lizenzieren muss, um entwickelte Produkte vermarkten zu können.
https://www.scientificamerican.com/article/6-takeaways-from-the-crispr-patent-decision/

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