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Umverteilungsdiskussion Fakten gegen Sozialpopulismus
1% zahlen 22% der Einkommensteuer

Gastautor: Rainer Zitelmann
04.03.2017, 10:19  |  3045   |   |   

Sozialpopulist Schulz und Vertreter von Linken und Grünen stellen im Wahlkampf Spitzenverdiener unter Generalverdacht: Sie drückten sich davor, Steuern zu zahlen und leisteten keinen angemessenen Beitrag für die Gemeinschaft. Folgerung: Sie müssten radikaler als bisher steuerlich belastet werden. Einige Fakten dazu:

  • Das obere 1% der Steuerpflichtigen zahlt 22,2% der Einkommensteuer, obwohl der Anteil am Gesamtbetrag der Einkünfte lediglich bei 11,6 Prozent liegt.
  • Die oberen 5% der Steuerpflichtigen zahlen 42,2% der Einkommensteuer, obwohl der Anteil am Gesamtbetrag der Einkünfte lediglich bei 25,4 Prozent liegt.
  • 15% der Steuerpflichtigen tragen fast zwei Drittel der Einkommensteuerlast, obwohl ihr Anteil an den Einkünften weniger als die Hälfte beträgt.
  • Dagegen zahlen 50% der Steuerpflichtigen nur 5,5% der Steuern - aber viele von ihnen bekommen Transferleistungen, die von den viel gescholtenen Spitzenverdienern bezahlt werden.
     

Das sind die offiziellen Zahlen des Bundesfinanzministeriums für das Jahr 2016. Es findet also längst eine gigantische Umverteilung von oben nach unten statt - auch wenn Schulz & Co permanent das Gegenteil behaupten.

 

Oft wird auch mit falschen Zahlen operiert:

  • Der Spitzensteuersatz liegt angeblich "nur" bei 42%.
  • Die Wahrheit: Spitzenverdiener zahlen fast 48% Einkommensteuer, nämlich 45% "Reichensteuer" plus Soli.
  • Es wird oft behauptet, es sei ungerecht, dass Aktien-Dividenden und Ausschüttungen bei GmbHs nur mit 25 Prozent (plus Soli) besteuert würden und Spitzenverdiener damit weit weniger bezahlten als andere. Auch das ist falsch. Denn bevor die Dividenden ausgeschüttet werden, zahlen die Unternehmen ja bereits Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer. Wer beispielsweise eine GmbH besitzt, muss zuerst auf Ebene des Unternehmens die Steuern entrichten, und wenn er ausschüttet, muss er noch einmal auf der persönlichen Ebene 25% plus Soli zahlen. Damit unterliegt er insgesamt einer ähnlich hohen Steuerbelastung wie ein Spitzenverdiener, der die Reichensteuer zahlt.
     

Eine aktuelle, hochkontroverse Diskussion zwischen Dr. Dr. Zitelmann und einem Umverteilungs-Befürworter finden Sie hier: "Für mich ist 'neoliberal' ein Ehrentitel"

Besprechungen aus "Spiegel", "Handelsblatt" und Rundfunkinterviews zu Zitelmanns neuem Buch "Psychologie der Superreichen" finden Sie hier: http://psychologie-der-superreichen.de/presse



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Dr. Dr. Rainer Zitelmann ist einer der führenden Immobilienexperten in Deutschland und Initiator der Berliner Immobilienrunde, eines Gesprächskreises von Führungskräften der deutschen Immobilienwirtschaft. Er hat 19 Bücher geschrieben und herausgegeben, u.a. "Psychologie der Superreichen" (FinanzBuch Verlag 2017).

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Kommentare

Die ganze Argumentation geht an der Wirklichkeit vorbei. Die Wirklichkeit ist das, was am Ende herausgekommen ist. Und das sieht so aus.

Bild: https://static.guim.co.uk/ni/1415721490539/Wealth_line-chart.svg

Die viel-zu-niedrig Zinspolitik, die Enteignung der Sparer, der Mittelklasse, der Vollzeitarbeitenden, der Lebensversicherungsbesitzer und zukuenftigen Rentner, die nachfolgenden Spekulationsblasen und die Bailouts der fat cats durch die Steuerzahler haben also zu einer singulaeren Umverteilung zu den oberen 0.1% gefuehrt, wie nie zuvor seit Ende der 1920er Jahre.

Die Loesung der so entstandenen Staatsschuldenkrise liegt auf der Hand. Das Geld weltweit dort wieder einsammeln, wohin es geflossen ist und damit sie Schulden tilgen. Durch eine Enteignung der Oligarchen wuerde als erfreuliches Nebenprodukt auch die Demokratie zurueckkehren.
Wenn Schulz dran kommt, dann gehen in diesem Land endgültig die Lichter aus.

Problem dabei ist nur: Merkel weiter so ist auch keine bessere Alternative.

Pest oder Cholera ?
Es gibt keine "Reichensteuer" - welchen Eindruck die Einführung dieses polemischen Begriffs in die Diskussion bezweckt, mag jeder selber entscheiden. Gemeint ist hier der ab € 250 Tsd. Jahreseinkmmen auf 45% ansteigende Spitzensteuersatz. Dieser betrug zwischen 1974 und 1990 56%. Damit konnte die SPD, die an seiner Anhebung (2. Kabinett Brandt) mitgewirkt hatte, beim Wähler durchaus punkten. Das heißt, dass selbst inkl. des (von allen gezahlten) Soli der heutige Spitzensteuersatz mindestens 8 Prozentpunkte unter (!) dem damaligen liegt. Und das trotz der a) höheren Spitzeneinkommen und b) stark gestiegenen Zahl der Bundesbürger, die arm sind oder unterhalb der Armutsgrenze leben. Deutschland hat kein Einkommensproblem, aber ein eklatantes Verteilungsproblem. Wenn wir einen Teil der Bevölkerung (z.B. Hartz-IV-Empfänger) samt ihrer Familien und Kinder dauerhaft ins soziale Abseits stellen und von sozialer Teilhabe (und Bildungsteilhabe!) ausschließen, dann wird es schwierig, die nächste Generation für den Arbeitsmarkt zurückzugewinnen. Das bedeutet eine Vermehrung der prekären Lebens- und Wohnsituationen, eine weitere Ausdünnung des Mittelstands und letztlich ein weiteres Abbröckeln der Loyalität zu diesem Staat. Das kann niemand ernsthaft wollen. Die Folge der Entsolidarisierung der letzten zwanzig Jahre ist eine Stärkung radikaler, systemkritischer Gruppen. Wer darin fortfahren möchte, sollte sich vorher die möglichen Folgen klarmachen.
... "Während der Anteil der Umsatzsteuer am gesamten Steueraufkommen in den letzten 20 Jahren insgesamt gestiegen ist (zwischen 1992 und 2012 von 27,0 auf 32,4 Prozent), nahm der Anteil des Lohnsteueraufkommens deutlich ab (von 33,8 auf 24,8 Prozent). ..."
Leider nur Daten bis 2012, aber es dürfte sich eher noch verschlimmert haben. Und es ist doch logisch, dass die unteren Einkommen nicht soviel beitragen, da es zuerst den Freibetrag gibt den jeder erhält und dann die steuerliche Belastung, ab gewissen Grenzen immer weiter ansteigt. Auf die ersten 30000€ bezahlt der Einkommensmillionär genauso viel Steuer wie der einfache Arbeiter. Was daran nun ungerecht sein soll?
Schicken Sie das mal dem Hrn. Niquet. Der findet freie Märkte nicht alternativlos und Marx ganz gut.

Sie haben Recht mit allem was Sie schreiben (wie so oft) - Problem ist nur dass die Deutschen trotzdem auf einen Kasper wie Schulz stehen, der noch mehr Schulden machen und kräftig umverteilen will (trotz seiner ruhmreichen Vergangenheit als Euro-Bürokrat).
Ohne eine tiefgreifende wirtschaftliche Kriese wird sich hierzulande nichts zum Guten wenden (Stichwort Schröder/Agenda 2010) - aktuell werden noch die Früchte der Vergangenheit verfrühstückt (und die des schwachen Euros natürlich).

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